• Der Bahnstreik der GDL im Kompakt-Live-Blog: Gericht lässt Lokführer weiter streiken

Der Bahnstreik der GDL im Kompakt-Live-Blog : Gericht lässt Lokführer weiter streiken

Wieder bestreiken die Lokführer der GDL den Bahnverkehr - und das vier Tage lang. Lesen Sie in unserem Live-Blog nach, wie der erste Streiktag Donnerstag verlief - in Berlin und bundesweit.

von , , , , und Bodo Straub, Jana Kugoth
GDL-Chef Claus Weselsky (l.) und der Leiter der Abteilung Arbeitsrecht der Deutschen Bahn, Michael Fritz, vor dem Arbeitsgericht. Foto: dpa
GDL-Chef Claus Weselsky (l.) und der Leiter der Abteilung Arbeitsrecht der Deutschen Bahn, Michael Fritz, vor dem Arbeitsgericht.Foto: dpa

Dies ist der Liveblog über alles rund um den ersten Tag des Bahnstreiks und die Tage davor. Alles zu den aktuellen Ereignissen am Freitag den 07.11. finden Sie hier.

00.00 Uhr: So kommen Sie am Freitag trotzdem ans Ziel

Lesen Sie hier, wie Sie trotz streikender Lokführer durch Berlin kommen.

Damit verabschieden wir uns für heute von Ihnen. Morgen früh geht es mit unserem Live-Blog zum Mega-Bahnstreik weiter.

23.15 Uhr: Gericht lässt Lokführer weiter streiken

Das Arbeitsgericht Frankfurt lässt die Lokführer vorläufig weiter streiken. Das Gericht lehnte am Donnerstag einen Antrag der Deutschen Bahn ab, die den Streik der Gewerkschaft GDL als unverhältnismäßig verbieten lassen wollte.

22.05 Uhr: Vergleich zwischen Lokführern und Bahn geplatzt

Der angestrebte Vergleich zwischen den streikenden Lokführern und der Deutschen Bahn ist geplatzt. Vor dem Frankfurter Arbeitsgericht konnten sich die Parteien nach mehr als fünf Stunden Verhandlung am Donnerstagabend nicht auf einen gemeinsamen Wortlaut einigen. Die GDL wollte festgeschrieben haben, dass bei der Bahn mehrere unterschiedliche Tarifverträge möglich sein könnten. Der Bahn-Anwalt hielt der GDL vor, Ergebnisse späterer Verhandlungen vorwegnehmen zu wollen und lehnte das Ansinnen ab.

Humor ist, wenn man trotzdem fährt
Sie sehen: Nach dem Streik ist vor dem Streik. Karikatur: Klaus StuttmannWeitere Bilder anzeigen
1 von 29Karikatur: Klaus Stuttmann
07.11.2014 12:50Sie sehen: Nach dem Streik ist vor dem Streik.

Die Bahn hätte den ursprünglichen Vorschlag nach den Worten ihres Anwalts Thomas Ubber angenommen. Richterin Ursula Schmidt hatte angeregt, sämtliche Konfliktpunkte auch mit der konkurrierenden Gewerkschaft EVG aufzulisten, um eine Mediation oder Schlichtung vorzubereiten.

Der genaue Wortlaut des Vorschlags wurde zunächst nur den Streitparteien vorgelegt. Eigentlich wollte die Deutsche Bahn mit einer Einstweiligen Verfügung den Lokführerstreik stoppen. Darüber muss das Gericht nun entscheiden. Die Bahn hatte dargelegt, dass sie den am Mittwoch begonnenen Streik für unverhältnismäßig hält.

Möglicherweise könnte auch noch eine mögliche Berufung verhandelt werden. Das Landesarbeitsgericht hielt sich nach Angaben einer Sprecherin zunächst in Bereitschaft.

21.15 Uhr: Lokführer und Bahn nähern sich vor Arbeitsgericht an

Die streikenden Lokführer und die Deutsche Bahn haben sich bei Vergleichsverhandlungen vor dem Arbeitsgericht Frankfurt angenähert. Die Parteien feilschten am Abend über den genauen Wortlaut eines von Richterin Ursula Schmidt vorgelegten Vergleichsvorschlags. Die GDL hatte zunächst abgelehnt, dann aber eingelenkt. Sie will nun zusätzlich ausdrücklich festgeschrieben haben, dass bei der Bahn mehrere unterschiedliche Tarifverträge möglich sein könnten.

Die Bahn hätte den ursprünglichen Vorschlag nach den Worten ihres Anwalts angenommen. Die Richterin hatte angeregt, sämtliche Konfliktpunkte auch mit der konkurrierenden Gewerkschaft EVG aufzulisten, um eine Mediation oder Schlichtung vorzubereiten. Die Ergänzung wurde erneut getrennt beraten.

Der genaue Wortlaut des Vorschlags wurde zunächst nur den Streitparteien vorgelegt. Eigentlich wollte die Deutsche Bahn mit einer Einstweiligen Verfügung den Lokführerstreik stoppen. Sie hatte dargelegt, dass sie den am Mittwoch begonnenen Streik für unverhältnismäßig hält.

Ob das Gericht im Falle einer Ablehnung des Vorschlags noch am Donnerstag entscheidet, blieb unklar. Möglicherweise könnte auch noch eine mögliche Berufung verhandelt werden. Das Landesarbeitsgericht hielt sich nach Angaben einer Sprecherin zunächst in Bereitschaft.

20.30 Uhr: 100 Millionen Euro Schaden

Im juristischen Streit um den Lokführerstreik hat der Anwalt der Deutschen Bahn AG einen hohen Millionenschaden ins Feld geführt. Der deutschen Wirtschaft entstünden pro Streiktag Schäden von rund 100 Millionen Euro, sagte der Anwalt Thomas Ubber vor dem Arbeitsgericht Frankfurt. Der Deutschen Bahn AG werde im Verlauf des größten Streiks in ihrer Geschichte ein Schaden in ebenfalls dieser Höhe entstehen.

Die DB sei zudem mehreren Gewerkschaften „ausgesetzt“ und könne sich nicht gegen Arbeitskämpfe wehren, so dass die Verhältnismäßigkeit strenger geprüft werden müsse. Der Abbruch des GDL-Streiks stehe auch wegen der Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin mit rund 2 Millionen Besuchern im nationalen Interesse, sagte der Anwalt.

20.00 Uhr: Neues von der S-Bahn

Die S7 verkehrt zwischen Friedrichstraße und Marzahn nur bis ca. 21 Uhr.

19.40 Uhr: Gericht schlägt Vergleich vor

Das Arbeitsgericht Frankfurt hat vorgeschlagen, den Lokführerstreik bei der Bahn mit einem Vergleich beizulegen. Inhalte des Vorschlags nannte die Richterin Ursula Schmidt bei der Verhandlung zunächst nicht. Die Streitparteien sagten zu, den Vorschlag zu prüfen, sobald er vorliegt. Zuvor hatte die Bahn dargelegt, warum sie den am Mittwoch begonnenen Streik der Lokführer für unverhältnismäßig hält. Sie will eine Einstweilige Verfügung gegen den Streik erreichen. GDL-Chef Claus Weselsky hatte die Bahn aufgefordert, die vorgeschlagene Schlichtungsregel bei intern konkurrierenden Gewerkschaften wegzulassen. Dann könne man den Streik abbrechen und in Verhandlungen eintreten.

Noch ist unklar, ob das Gericht eine Entscheidung fällt. Möglicherweise könnte auch noch die Berufung gegen die Entscheidung verhandelt werden. Das Landesarbeitsgericht hielt sich nach Angaben einer Sprecherin in Bereitschaft.

19.15 Uhr: Verhandlung vor dem Arbeitsgericht dauert an

Im Streit zwischen Bahn und Lokführergewerkschaft GDL um die Rechtmäßigkeit des laufenden Streiks dauert die Verhandlung vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt an. Wann eine Entscheidung fällt, ist noch nicht absehbar.

18.02 Uhr: Selten war Bahnfahren entspannender

Die Lokführer streiken, und Bahnreisen ist entspannt wie selten. Ob Köln, Frankfurt oder Berlin - die Szenen gleichen sich: Statt Chaos und
Extra-Stress wird gescherzt, man ist locker und entspannt. Selten war Bahnfahren entspannender.

17.45 Uhr: Fußballfans lassen sich nicht abschrecken

Die Fans lassen sich durch den Bahnstreik nicht vom Besuch der deutschen Fußball-Stadien abschrecken. „Fußballfans sind sehr erfinderisch“, sagte Sig Zelt, Sprecher des Bündnisses „Pro Fans“ am Donnerstag in Berlin. Um die Arenen zu erreichen, würden sie Fahrgemeinschaften bilden oder größere Autos mieten. „Das organisieren die dann intern.“ Allerdings entstehen durch die zu erwartende Verlagerung der Anreise der Anhänger auf die Straße einige logistische Probleme rund um die Stadien: So wurde diskutiert, ob die Partie Eintracht Frankfurt gegen den Bundesliga-Ersten Bayern München wegen des zu befürchtenden Verkehrschaos abgesagt werden sollte.
Am Donnerstagnachmittag bestätigte die Eintracht nach einer Sitzung mit den öffentlichen Sicherheits- und Verantwortungsträgern, dass das Spiel wie geplant am Samstag (15.30 Uhr) stattfindet. Schon zuvor hatte Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen dem Onlineportal SPORT1 gesagt: „Es gibt keinen Anhaltspunkt davon zu sprechen, dass das Spiel nicht stattfindet. Wir sind in intensiven Besprechungen, um die Organisation dieses Spiels zu regeln.“ Die Frankfurter Polizei teilte mit, sie habe keine Empfehlung zu einer Absage gegeben.

17.10 Uhr: Verhandlung über Lokführer-Streik begonnen

Vor dem Arbeitsgericht Frankfurt am Main hat die mündliche Verhandlung über den Mega-Streik der Lokführer begonnen. Die Deutsche Bahn hatte den Erlass einer einstweiligen Verfügung beantragt, um den Streik zu stoppen. Eine Entscheidung wird noch am Donnerstag erwartet.
Vor Gericht erschien auch der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky. Er sagte vor Beginn des Verfahrens, er sei "ganz zuversichtlich". Der Gewerkschaftschef wurde im Gerichtssaal von Bahn-Mitarbeitern mit Applaus begrüßt. "Danke, das ist das, was Mut macht", sagte Weselsky.
Die Bahn rechnet in dem Verfahren selbst nicht unbedingt mit einem Erfolg. "Wir sind uns durchaus bewusst, dass die Richter in der Vergangenheit zumeist gegen die Arbeitgeber entschieden haben", hatte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. erklärt. Der Konzern wolle aber "nichts unversucht lassen". Die GDL hatte am Mittwoch einen Schlichtungsvorschlag der Bahn zurückgewiesen.

17.05 Uhr: Ersatzfahrplan für Sonntag früher fertig

Der Ersatzfahrplan für Sonntag, den 25. Jahrestag des Mauerfalls, ist früher fertig geworden als gedacht. Reisende können sich ab Freitagmorgen um 8.00 Uhr informieren, welche Fernzüge am Sonntag trotz des Lokführerstreiks fahren, wie die Bahn am Donnerstag mitteilte. Die Fahrgäste müssten sich wie an den anderen Streiktagen auch auf Ausfälle, Verspätungen und längere Reisezeiten einstellen, warnte das Unternehmen.
Die Ersatzfahrpläne für den Regionalverkehr sind den Angaben zufolge ab sofort ab 14.00 Uhr des Vortages für den darauffolgenden Streiktag einsehbar.

17.00 Uhr: GDL kann für Demo in Berlin nicht mit der Bahn kommen

Der Streik hat für die Streikenden Nachteile. Sie planen an diesem Freitag vor dem Deutschen Bahn Tower in Berlin eine Großdemonstration. Aber wie kommen die Streikenden aus ganz Deutschland nach Berlin? Nicht mit der Bahn, wie das sonst bei Arbeiter-Großkundgebungen üblich ist. Sie müssen wohl auf Busse ausweichen.

16.55 Uhr: Die Bahn ist pünktlicher als sonst

In der Netzleitzentrale der Deutschen Bahn in Frankfurt/Main geht es ruhig zu. Es gibt wegen des Streiks viel weniger Konflikte und Störungen im Streckennetz. Die Züge die fahren, das ist immerhin ein Drittel, fahren pünktlicher als sonst. Alles hat seine Vorteile.

16.40 Uhr: Bahnkonkurrenz gibt Bahn Mitschuld am Konflikt

Aus Sicht ihrer Konkurrenten trägt die Deutsche Bahn AG eine Mitschuld an der verfahrenen Lage. Bei Wettbewerbern seien parallele Tarifverträge eher die Regel denn die Ausnahme, sagte Engelbert Recker, Hauptgeschäftsführer des Nahverkehrs-Branchenverbands Mofair, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag). „Das ist nur eine Frage der betrieblichen Organisation.“ Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) befürchtet einen Imageschaden für andere Gewerkschaften. „Ich bedauere es sehr, dass Herr Weselsky das Angebot auf eine Schlichtung nicht angenommen hat“, sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann im Deutschlandfunk über den GDL-Chef.

16.30 Uhr: Versorgung mit Benzin und Diesel soll auch während des Streiks sichergestellt werden

„Die Belieferung der Tankstellen mit Kraftstoffen stellt auf jeden Fall eine logistische Herausforderung für unsere Unternehmen dar“, sagte ein Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Berlin.

Bislang sei es jedoch noch nicht zu Engpässen gekommen. Benzin und Diesel werden von den wenigen Raffinerien per Bahn zu Tanklagern gebracht. Von dort aus geht es per Lastwagen auf der Straße weiter zu den Tankstellen.

15.55 Uhr: Niedersachsens Ministerpräsident Weil kritisiert mangelnde Rücksichtnahme auf Feiern zum Fall der Mauer

Service großgeschrieben. Die Bahn versucht Fahrgäste an den Bahnhöfen über den Ersatzfahrplan zu informieren. Foto: Reuters
Service großgeschrieben. Die Bahn versucht Fahrgäste an den Bahnhöfen über den Ersatzfahrplan zu informieren.Foto: Reuters

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat vor schwerwiegenden Folgen des Bahn-Streiks für die deutsche Wirtschaft gewarnt. „Wenn er länger dauert, kann der wirtschaftliche Schaden in die Milliarden gehen“, sagte Weil dem "Tagesspiegel". Der SPD-Politiker kritisierte, dass der Streik ausgerechnet für das Wochenende des 25. Jahrestags des Mauerfalls ausgerufen wurde, an dem in Berlin zahlreiche Gedenkveranstaltungen stattfinden. „Der GDL wäre kein Zacken aus der Krone gefallen, wenn sie auf dieses besondere nationale Interesse Rücksicht genommen und den Arbeitskampf verschoben hätte“, sagte er.

15.35 Uhr: Hertha befürchtet erhebliche Behinderungen

Das Fußball-Bundesligaspiel von Hertha BSC am Freitagabend gegen Hannover 96 ist massiv vom Bahnstreik beeinflusst. Vor und nach dem Spiel verkehrt keine S-Bahn, mit der normalerweise das Gros der Fans zum Olympiastadion befördert wird. „Das ist ärgerlich“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz am Donnerstag.

Seit Donnerstagmorgen streikt die Lokführergewerkschaft GDL auch im Personenverkehr. Davon ist auch die S-Bahn betroffen. Der Ringbahnhof Messe Nord/ICC ist wie leergefegt. Foto: Franziska Felber
Seit Donnerstagmorgen streikt die Lokführergewerkschaft GDL auch im Personenverkehr. Davon ist auch die S-Bahn betroffen. Der...Foto: Franziska Felber


Hertha setzt auf das erhöhte Engagement der BVG. Die U-Bahn soll in verstärkter Taktung fahren, auch so lange, bis das Stadion leer ist. Erste Prämisse sei dennoch: „Viel Zeit einplanen. Auf dem Hin- und Rückweg wird es eng“, teilte der Verein mit. Rund 40 000 Zuschauer werden erwartet. Aus dem Umland sollen sich Fahrgemeinschaften bilden, allerdings sind auch die Parkmöglichkeiten rund um das Olympiastadion eingeschränkt.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

264 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben