Berlin : Der Ball ist unrund

In dem Trendsport Footbag ist Julia Böhm fünffache deutsche Meisterin

Judith Jenner

Frauen und ihre Handtaschen: Während einige Lippenstifte und Taschentücher horten, hat Julia Böhm nur einen treuen Begleiter. Einen kleinen schlaffen Ball. Bei jeder Gelegenheit kramt sie ihn hervor, kickt geschickt auf und ab, zwischen den Beinen durch, fängt ihn mit der Innenseite des Fußes wieder auf. Footbag oder Hackysack heißt dieser Sport, der sich in den Parks und auf den Plätzen Berlins in letzter Zeit so rasch verbreitet wie in den 80er Jahren das Werfen von Frisbeescheiben. Julia Böhm ist fünffache deutsche Meisterin in der Disziplin „Freestyle“.

„Als ich 1999 anfing, war ich die erste Frau im FC Footstar. Inzwischen spielen immer mehr Mädchen“, sagt die 27-Jährige. Der Berliner Verein war der erste seiner Art in Deutschland. In der Sporthalle des Lette-Vereins treffen sich dreimal pro Woche zwei Dutzend Spieler zwischen 13 und 30 Jahren, um Tricks mit dem Bag zu üben. Neben der Kür wird bei Wettkämpfen auch übers Netz gespielt, im Einzel oder im Doppel. „Die Regeln sind eine Mischung aus Badminton und Volleyball“, erklärt Ole Schnack, einer der Gründer des FC Footstar. Mit seinem Label „Planetfootbag“ stellt er eigene Säckchen her. Der Erlös fließt in Veranstaltungen wie die German Footbag Open vom 17. bis 19. Juni in der Arena. Zwischen 7 und 40 Euro kostet ein Bällchen. Profis mischen sich die Füllung aus Plastikgranulat, Steinchen, Angelblei und Glas selbst.

Bei einem Urlaub mit Footbag-Enthusiasten machte Julia Böhm ihre ersten Versuche. Nach drei Wochen konnte sie immerhin den Bag mit der Fußspitze auffangen. Während der Vorbereitung für die Zwischenprüfung in Biologie war das Kicken eine willkommene Abwechslung. „Mit der Zeit entwickelt man einen enormen Ehrgeiz, endlich eine bestimmte Bewegung hinzukriegen“, beschreibt die Museumspädagogin das Footbag-Fieber.

Aus Tricks wie dem „Butterfly“, bei dem man den Ball durch die Beine spielt und hinter dem Rücken auffängt, und dem „Around the World“, bei dem der Fuß den Ball in der Luft umkreist, setzt sie sich für Wettkämpfe eine zweiminütige Choreografie zusammen. Die Musik dazu mixt ein DJ. Bis nach Prag, Paris, Budapest und Helsinki ist Julia zu Wettkämpfen gefahren. „Die Atmosphäre ist toll. Die Leidenschaft für den Sport vereint die unterschiedlichsten Leute.“

Besonders in den USA ist die Footbag-Szene groß. Einige Spieler sind seit 25 Jahren dabei. Die Ursprünge aber kommen aus Asien. Vor 2000 Jahren spielten die Inder mit kleinen Bambusbällen. In den 70er Jahren entdeckte man den Sport als Reha-Maßnahme für kaputte Kniegelenke wieder. Dabei ist Footbag nur in Maßen gesund. Julia Böhm hat schon zwei Meniskusoperationen hinter sich. Ob sie bei den German Open einen Titel holt, weiß sie noch nicht. „Langsam gehöre ich zum alten Eisen.“

German Footbag Open, 17. bis 19. Juni, ab 11 Uhr, Arena und Yaam; 18. Juni, 21 Uhr, Freestyle Final Show. Infos unter www.fcfootstar.de

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