Berlin : Der Bankier und das weiße Gold

Jörn Woltmann, Eigentümer der Beamten-Kasse, will Berlins Porzellanmanufaktur kaufen und retten

Ralf Schönball

Auf dem Schreibtisch von Jörg Woltmann steht ein goldglänzendes Set: Locher, Schere, Hefter – daneben ein Faxgerät aus industrieschwarzem Kunststoff. Der Chef der Allgemeinen Beamtenkasse sitzt im obersten Geschoss eines modernistischen Bürohauses, inmitten einer eher eigenen Einrichtung. Gedeckte Farben gibt es auf den Mustern der schweren Perserteppiche und den großformatigen abstrakten Gemälden – stechendes Türkis auf den Lederbezügen der Freischwinger. Türkis-grün – mit dieser Farbe wirbt Woltmanns Privatbank im Internet und Broschüren um Kunden. Die meisten sind aus dem öffentlichen Dienst. Ein Prinz zählt aber auch dazu: Franz Wilhelm von Preußen.

Der erwarb vor einem Jahr mit Krediten von Woltmanns Kasse die Königliche Porzellan-Manufaktur. Weil die Sanierung scheiterte, springt nun Woltmann ein. Er hat die Kaufverträge für die Not leidende Firma bereits unterschrieben. Kommenden Dienstag werden sie vom Berliner Senat und Aufsichtsrat voraussichtlich gebilligt. Nun wächst auch das Aufsehen um die Person des neuen KPM-Eigentümers.

Das ist dem dunkelhaarigen Mann mit dem blütenweißen Einstecktuch gar nicht so recht. Zumal es von ihm heißt, er habe einmal mit Autos gehandelt – „Ach“, wehrt er ab, „damit habe ich mein Studium finanziert.“ Das war Ende der sechziger Jahre, in Westberlin. In der damals geteilten Stadt ist er geboren, hier hat er Bankkaufmann gelernt, Betriebswirtschaft studiert und Karriere gemacht. Genau gesagt hat sich Woltmann seinen Chefposten selbst geschaffen. Nach Stationen bei der Privatbank Hermann Lampe und der Unternehmensberatung Dr. Stange beantragte er 1979 eine Banklizenz und bekam sie auch. Das Kredithaus nannte er Allgemeine Beamtenkasse und besetzte damit geschickt eine Marktnische: Darlehen und Anlageprodukte für öffentlich Bedienstete. Diese Klientel ist selten von Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit bedroht; wer mit ihr ins Geschäft kommt, trägt geringere Risiken. Heute hat die Beamtenkasse eine Bilanzsumme von einer Milliarde Euro und 85 Mitarbeiter.

Neben dem Bankier gibt es noch den Unternehmer Woltmann, den Bierbrauer. Im Thüringischen Arnstadt übernahm er eine Brauerei, die vor der Schließung stand. Die Sanierung war ein kleines, aber schwieriges Unterfangen, denn die Absatzmärkte für den Gerstensaft sind hart umkämpft. Woltmann wich aus: Er baute ein Tagungshotel neben die Brauerei. Eine Stadthalle entstand außerdem in der Nähe. Deren Gastronomie sichert einen Mindestumsatz, die Arbeitsplätze von 45 Angestellten sind sicher.

Die Sanierung in Arnstadt ist vielleicht ein Modell für Woltmanns Pläne in Berlin. Denn die Probleme sind in beiden Fällen ähnlich. Auch der Absatz der edlen und kostspieligen Porzellan-Produkte ist schwierig, und auch diese Branche steckt in der Krise. Dass er sich überhaupt engagieren will, erklärt Woltmann so: „Wenn die KPM insolvent gegangen wäre, hätte ich mich nicht gut gefühlt“. Dann redet er noch von der Tradition, die mit der KPM verbunden ist, zuweilen rutscht dabei auch mal ein „det“ heraus, so dass man sich verwundert fragt, ob nicht die Emotionen mit dem Berliner durchgehen.

Doch da wird sein Blick plötzlich fest, und er sagt: „Für die Bank war das kein leichtfertiges Kreditgeschäft“ – denn im Gegenzug erhielt die Beamtenkasse die Namensrechte an der KPM, die Prägeformen aus mehreren Jahrhunderten und ein Lager voller Preziosen. Das ist Experten zufolge das Wertvollste an der Firma. Neben den Immobilien. Die bekommt Woltmann nun auch.

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