• Der Bau von 300 Bundeswohnungen ist geplatzt - Unternehmen gibt Gelände für Millionenprojekt an der Clayallee zurück

Berlin : Der Bau von 300 Bundeswohnungen ist geplatzt - Unternehmen gibt Gelände für Millionenprojekt an der Clayallee zurück

Christian van Lessen

Mit der Moabiter "Schlange" und der "Truman-Plaza" sollte das Bundeswohnungsprogramm nach dem Hauptstadt-Beschluss starten. Dafür wurde im Frühjahr 1996 das frühere Einkaufszentrum Truman-Plaza an der Clayallee Ecke Argentinische Allee abgerissen. Schon 1997 wollte die Deutschbau 300 Wohnungen errichten, Ende 98 sollte alles fertig sein. Nichts tat sich - ein Fehlstart. Der Bedarf an Bundeswohnungen wurde überschätzt. Jetzt hat die Gesellschaft das Gelände an die Bundesvermögensverwaltung der Oberfinanzdirektion Berlin zurückgegeben. Die OFD ist ratlos.

Mit dem Bezirksamt Zehlendorf will man nun überlegen, wie es weitergehen soll. Sicher ist nur, dass die Wüste an der Clayallee auf unabsehbare Zeit erhalten bleibt. Bezirksbürgermeister Klaus Eichstädt ist enttäuscht. Er weist auf die bereits erteilte Baugenehmigung für insgesamt 330 Wohnungen hin und hofft, dass recht bald ein neues Unternehmen in das Projekt einsteigt.

Noch Anfang des Jahres schien es, als käme bald Leben in die Ödnis, die einst mit ihren Bauten als "Klein-Amerika" galt. Da war von einer Einigung zwischen Bund und Deutschbau die Rede, anstatt der geplanten Miet- nun Eigentumswohnungen zu errichten; als lockeren Verbund von "Stadthäusern", wie es aus der OFD hieß. Der Optimismus kam überraschend. Kurz zuvor hatte es hinter den Kulissen kräftig gekracht. Das Bundesbauministerium prophezeite schon das Scheitern des Projekts. Die Deutschbau, nicht mehr bundeseigen wie zu Beginn der Planung, bestand darauf, Mietwohnungen zu bauen. Der Bund wollte Eigentumsanlagen, "von welchem Investor auch immer".

Die Deutschbau allerdings zweifelte bei vermuteten Quadratmeterpreisen von 6000 Mark an den Vermarktungschancen. Bis Anfang letzten Jahres sollen für das 100-Millionen-Projekt bereits Planungskosten in Höhe von zehn Millionen Mark entstanden sein. Von den neuen Anteilseignern der Deutschbau, Veba und Deutsche Bank, war ohnehin schon bekannt, dass ihre Unternehmensphilosophie weniger auf Neubau (wie auf dem Moabiter Werder), sondern eher auf Bestandsverwaltung und -vermarktung ausgerichtet war - allein in Berlin besitzt das Unternehmen rund 8000 Wohnungen.

Der Erbbaurechtsvertrag zwischen Deutschbau und Bund wird nun rückgängig gemacht; Die Deutschbau will den Rückzug aus dem Projekt nicht weiter begründen, die "Tinte ist noch frisch". Und noch steht das Bauschild an der Clayallee: Es ist "Aktion Bundeshauptstadt" überschrieben und stellt 298 geförderte Wohnungen in Aussicht. Schräg gegenüber, auf dem einstigen Volksfestgelände, wird für die Aktion Bundeshauptstadt wenigstens schon gebaut: Die Gehag errichtet hier 108 Wohnungen.

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