Berlin : Der Bauantrag ist schon gestellt

Parochialkirche soll Turm und Glockenspiel erhalten.

von
So soll sie wieder aussehen. Die Parochialkirche, hier noch mit Turm. Foto: promo
So soll sie wieder aussehen. Die Parochialkirche, hier noch mit Turm. Foto: promo

Die Parochialkirche in der Klosterstraße in Berlins alter Mitte soll wieder ihren Turm bekommen, vor allem aber jenes berühmte Glockenspiel, das einst König Friedrich Wilhelm I. spendiert hatte. Mit seinen 37 Glocken spielte es alle Viertelstunde einen Choral, das Geläut war eine Attraktion für viele Berlin-Besucher, es wurde sogar vom Rundfunk übertragen.

„Lassen Sie die Singuhr-Kirche wieder erklingen!“ bittet ein Schild am Eingang zu dem im Krieg stark zerstörten Barockbau und wirbt für Spenden. „Schluss mit oben ohne!“ fordert der Verein „Denk mal an Berlin“. Dessen Vorsitzender, der Unternehmer Hans Wall, spendierte 90 000 Euro, die nur ein Anfang sein können, denn Fachleute schätzen den Preis für die Rekonstruktion samt Glockenspiel auf etwa drei Millionen Euro. Nun soll eventuell die Lotto-Stiftung helfen, möglicherweise auch die EU mit Fördermitteln. Jedenfalls wurde von der Evangelischen Kirchgemeinde St. Petri – St. Marien der Bauantrag für die Wiedererrichtung der Turmspitze gestellt – man hofft auf eine zügige Bearbeitung im Bauaufsichtsamt Mitte. Architekt ist Jochen Langeheinecke aus Werneuchen; die Bauzeit für die Holz-Stahl-Konstruktion des neuen 65 Meter hohen Turms dürfte zwei bis drei Jahre betragen.

„Vorher schon wird Hans Wall in die Niederlande reisen, um dort einen Nachfahren jener Holländischen Glockenspielbaumeister zu treffen, die vor 300 Jahren das ursprüngliche Glockenspiel geliefert hatten“, sagt der Architekt. In dem hallenartigen Kirchenschiff mit seinem unverputzten und gerade deshalb so eindrucksstarken Ziegelgemäuer steht übrigens schon der Turm als Holzmodell, und wenn man eine der kleinen Glocken berührt, erklingt das Kling-klang künftiger Zukunftsmusik.

Sie wird eines Tages wieder die Berliner und die Besucher dieser Stadt in die Klosterstraße locken. Und der Sponsor Hans Wall hofft, wenn dann der Bau beginnt, dass viele seinem Beispiel folgen. Denn: „Die Rekonstruktion des Turms setzt einen lange vermissten Edelstein zurück in die Stadtkrone“, sagt Hans Wall. Der Turmbau sei ein sichtbares Zeichen für ein erstarktes Verantwortungsgefühl der Berliner für ihre Stadt – und zugleich der Beginn neuer Bau-Aktivitäten im ältesten Teil der Berliner Mitte. Lothar Heinke

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben