Berlin : Der Bausenator entdeckt die kleine Parzelle

Im Zentrum sollen Häuser nach mittelalterlichen Ausmaßen entstehen. Ein Testballon für das Klosterviertel könnten die Wohnhäuser auf dem Friedrichswerder sein

Matthias Oloew

MODERN ODER MITTELALTERLICH: WIE SOLL DAS BERLIN DER ZUKUNFT GEBAUT WERDEN?

Bausenator Peter Strieder (SPD) und sein Senatsbaudirektor Hans Stimmann haben ein Faible für die kleine Parzelle. Mit den Plänen für den Molkenmarkt und den Großen Jüdenhof am Roten Rathaus unterstreichen sie ihre Vorliebe. Gleich dutzendweise sollen dort kleine und kleinste Grundstücke entstehen, damit auf ihnen Häuser gebaut werden, die den historischen Vorbildern von einst nahe kommen.

Ein ähnliches Konzept verfolgen die beiden auf dem Friedrichswerder, nahe dem Auswärtigen Amt. Zwischen Kurstraße und Oberwallstraße hat die Bauverwaltung jetzt 50 Baugrundstücke parzelliert, die zwischen 116 und 283 Quadratmeter groß sind. Auf diesen kleinen Schollen sollen dann Wohnhäuser entstehen, so genannte „Townhouses“, die für gut betuchte Großstädter und ihre Familien geeignet sind. Zum Schnäppchenpreis sind die Grundstücke nämlich nicht zu haben. Ab 700 Euro kostet der Quadratmeter Bauland, ein Reihenhaus wäre dann „schon“ für 600000 bis 800000 Euro machbar, schätzt der Senatsbaudirektor.

Die Grundstücke auf dem Friedrichswerder werden über die Deutsche Stadt- und Grundstücksgesellschaft (DSK) zum Kauf angeboten. Eine Ausstellung darüber, wie sich Stimmann und Strieder das Areal vorstellen, ist bis zum 16. Januar zwischen 10 und 18 Uhr im Lichthof der Bauverwaltung an der Behrenstraße 42 zu sehen.

Sollten sich die Grundstücke leicht verkaufen und schon bald die gewünschten Reihen-Wohnhäuser in dieser zentralen Lage entstehen, wäre das für die Bauverwaltung ein wichtiges Argument, um es am Molkenmarkt und dem Großen Jüdenhof wieder zu versuchen. Skeptiker gibt es nämlich genug. Allen voran im Bezirk Mitte. Baustadträtin Dorothee Dubrau (Grüne) beispielsweise glaubt nicht, dass sich für Häuserchen mittelalterlichen Ausmaßes Investoren finden. Stimmann ist jedoch zuversichtlich.

Unstrittig ist hingegen, dass der Große Jüdenhof wieder entstehen soll. Er befand sich auf dem Areal, dass heute zwischen der Grunerstraße und dem Alten Stadthaus im Wesentlichen als Parkplatz genutzt wird. Der Bebauungsplan, den die Bauverwaltung jetzt auf den Weg gebracht hat, sieht für den Jüdenhof winzige Parzellen nach dem historischen Vorbild vor. Für Stimmann ist der Jüdenhof als einzigartiges Zeugnis der Stadtgeschichte ein architektonisches Kleinod. Welche Funktion er indes künftig erfüllen soll, ist derzeit jedoch noch nicht entschieden.

Damit das Viertel sein historisches Antlitz wiedererhält, planen die Wasserbetriebe, einen ehemaligen Brunnen vor dem Alten Stadthaus wieder aufzubauen und auch auf eigene Rechnung zu betreiben. Der Brunnen freilich käme nur zur Geltung, wenn rundherum ein großer Platz entsteht. Den will Stimmann allerdings am liebsten gar nicht haben. Auch hier sollen nach seinen Plänen neue Häuser entstehen – damit auch an dieser Stelle der historische Grundriss wieder entsteht.

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