Berlin : Der Berg ruft die Berliner: Wo man sich Bretter anschnallen kann

Annette Kögel

Skizirkus mitten in der Großstadt ist für die Berliner nichts Neues. In der Halle der Skischule Gletscher in Pankow können Wintersportbegeisterte das ganze Jahr über auf Rasenmatten wedeln. Wenn es in diesem Winter wieder kräftig schneien sollte, kann man den 115 Meter hohen Teufelsberg in Wilmersdorf hinunterschwingen. Auch Skilangläufer finden dort schöne Strecken – wie am Fuße der Müggelberge in Köpenick. Aller Voraussicht nach können die insgesamt rund 500 000 Skifahrer und Snowboarder in Berlin ihre Sportgeräte bald sommers wie winters auf einem riesigen Kunstschneehang ganz in der Nähe unterschnallen: In Königs Wusterhausen will ein Investor 2004 einige große Kunstschneehalle errichten.

Doch man braucht keine Eiskristalle aus der Kanone, um auf neuen Carvingskiern oder Freestyle-Snowboards so richtig in Fahrt zu kommen. In der Pankower Gletscher-Halle kann man das ganze Jahr über auf Laufbändern mit Neigung trainieren. Der Kenner mag anfangs schmunzeln ob des künstlichen Ambientes – doch in der Skischule wirken sich kleine Fahrfehler sofort aus. Zum Glück haben die Skilehrer das Notstoppgerät griffbereit. Die Betreiber der Halle freuen sich darüber, dass sich die Pläne für große Kunstschnee-Anlagen in Berlin zuletzt zerschlugen. So sollte, wie berichtet, in Neukölln nahe dem Estrel–Hotel sowie am Freizeitpark Mariendorf jeweils eine Indoor-Skihalle gebaut werden. Doch die Pläne liegen auf Eis.

Anders in Königs Wusterhausen südlich von Berlin. „Wir sind guter Dinge, dass es bald losgeht“, sagt Sven Kollmorgen, Pressesprecher der Stadt. Erst vergangene Woche waren ein Vertreter des Investors und zwei Fondsmanager zu Besuch. Die Stadt hatte Bebauungspläne geändert, um die Investition zu ermöglichen, die auch neue Arbeitsplätze in die Region brächte. „Die privaten Investoren wollen den Finanzierungsplan bis Anfang 2004 vorlegen, Baubeginn könnte im Sommer sein“, sagt Kollmorgen. Das wäre dann die zweite Skihalle nahe der Stadt. Die Betreiber von „Snowtropolis“ in Senftenberg im südlichen Brandenburg prüfen, ihre Indoor-Anlage mit Tellerlift, Skischule, Restaurant und Hütten-Appartements auszubauen.

Der Berg ruft die Berliner also. Erst recht im Winter, wenn echte Kristalle zu Boden trudeln. Ab einer umweltverträglichen Schneehöhe lädt der Skiverband am Teufelsberg zum Skikursus. Wie im legendären Winter 1969/70, als sich die Berliner durch einen halben Meter Schnee kämpfen mussten. 1987 richtete die Stadt anlässlich der 750-Jahr-Feier am Teufelsberg sogar ein Weltcup-Rennen aus. Die vergangenen Winter fielen hingegen relativ bescheiden aus. Da muss man sich trösten. Mit einer „Internationalen Wintersportolympiade der Stofftiere und Puppen“ zum Beispiel. Die gab es tatsächlich, im Januar 2002 in Prenzlauer Berg. Mit Glühwein, Jagertee und Medaillenvergabe. Und ganz ohne Doping.

Skischule „Gletscher“ in Pankow, Berliner Straße 21, Telefon 479 98 13, Internet: www.der-gletscher.de . Die Skihalle „Snowtropolis“ in Senftenberg hat die Nummer (03573) 36 37 00. Internet: www.snowtropolis.de . Skiverband Berlin e.V.: Jesse-Owens-Allee 2, 14053 Berlin, Tel: 891 97 98. Unterdessen findet man jetzt unter www.vbbonline.de Infos über alle Eisbahnen der Region.

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