Berlin : Der Berg ruft

Gerd Nowakowski

freut sich, dass uns die Alpen näher rücken Wir erinnern uns an Kurt Tucholsky. Vorne der Ku’damm und hinten die Ostsee, ganz im Grünen wohnen und dennoch mittendrin, so karikierte Tucholsky einst die Sehnsüchte der Berliner nach der idealen Wohnadresse. Könn’se haben, haben sich nun einige Künstler gesagt. Zwar nicht die Ostsee, dafür aber die Alpen. Ist doch auch was! Erst hatten wir den Strand am Schlossplatz, als dort die Weltmeisterschaft im Beachvolleyball ausgefochten wurde, nun soll es das Matterhorn geben. Ein Bergmassiv über dem Palast der Republik, das steht ganz in der Tradition einer Stadt, deren höchste Erhebungen zumeist aus den Trümmern des tausendjährigen Wahns gebaut sind. Was eine „paradoxe Intervention“ ist, werden wohl nur die Künstler selbst verstehen, aber der Gedanke besticht. Schließlich könnten wir neben dem Palast noch einige Bausünden in der Stadt anführen, bei denen wir gegen die gnädige Abdeckung durch ein Bergmassiv nichts einzuwenden hätten. Doch auch beim Palast der Republik können wir uns die Maxi-Version eines Alpengipfels nicht leisten. Sie wissen ja, der Berliner Schuldenberg… Der ist und bleibt sowieso der Gipfel.

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