Berlin : Der Besuch des alten Senators

Was macht eigentlich Peter Strieder? Er berät Industrieunternehmen und schaut auch mal in seiner alten Behörde vorbei. Einfach so

Lars von Törne

Seine joviale Art hat er sich bewahrt. „Wollen Sie eine Beratung?“, scherzt Peter Strieder zur Begrüßung am Telefon. Den Wunsch nach einem Treffen zum Interview über seine neue Tätigkeit weist der 52-Jährige dann aber doch mit ernster Stimme zurück. „Ich habe derzeit kein Bedürfnis nach Öffentlichkeit.“ Und als Privatmann will der frühere SPD-Chef und Stadtentwicklungssenator sich zu „politischen Ränkespielen“ allemal nicht mehr äußern. So nennt Strieder spöttisch die Aufarbeitung der Tempodrom-Affäre, deretwegen er vor bald einem Jahr zurückgetreten ist. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt nach wie vor gegen ihn.

Der politische Sturz endete für Strieder weich. Seit vergangenem August arbeitet er als Berater bei der PR-Agentur Pleon Kohtes Klewes (ehemals ECC) am Hausvogteiplatz. Dort tut der Jurist das, was er schon als Senator und Parteichef gut konnte: Kontakte zwischen Politikern, Verwaltungsmitarbeitern und Unternehmern vermitteln. 70 Mitarbeiter hat das Unternehmen Strieder zufolge in Berlin, europaweit sind es rund 700 in 23 Städten. Strieder arbeitet in der Abteilung Public Affairs an der Seite seines politisch hervorragend vernetzten Parteifreundes Detlev Samland. Mit dem verbindet Strieder neben der aktuellen Arbeit auch die gemeinsame Erfahrung des unfreiwilligen Abschieds aus der Politik. Samland war einst Europaminister in Nordrhein-Westfalen und trat 2001 wegen einer Steueraffäre zurück.

„Ich arbeite für mehrere große Industriefirmen, vor allem aus der Region zwischen München und Ruhrgebiet“, sagt Strieder. Namen will er nicht nennen. „Ich mache Papiere, entwickle politische Argumentationen und dolmetsche zwischen Politik und Wirtschaft.“ Das Land Berlin, in dem Strieder aus seiner politischen Laufbahn die besten Kontakte hat, spiele in seiner Arbeit nur noch eine geringe Rolle. „Mit der Region Berlin-Brandenburg habe ich kaum noch zu tun.“ Besuche in jener Behörde, die er von 1996 bis zum April 2004 leitete, hätten mit seinem neuen Job nichts zu tun, versichert Strieder. Frühere Kollegen hatten ihren alten Chef in der Stadtentwicklungsverwaltung gesehen, sich gefragt, ob er hier für seine neuen Chefs Beratungsaufträge an Land ziehen wolle und sich kritisch über eine mögliche Vermischung von altem und neuem Job geäußert. Das weist Strieder zurück. „Ich bin da rein privat und besuche meine frühere Sekretärin.“ Die Besuche in der Verwaltung, die heute von Strieders einstiger Staatssekretärin Ingeborg Junge-Reyer geleitet wird, seien definitiv nicht dienstlich – zumindest „noch nicht“, wie er nachschiebt.

Neben der politischen Beratungsarbeit wirbt Peter Strieder bei Kommunen für Immobilienfonds. Dabei geht es um Public-Private Partnerships, also die Sanierung und Modernisierung öffentlicher Bauprojekte mit Geld von privaten Anlegern. Quer durch die Republik sucht er nach Städten, die daran Interesse haben. Mit jenen Fonds, die einst im Mittelpunkt der Bankaffäre standen, seien seine Fonds aber nicht zu vergleichen, sagt Strieder: „Wir machen nichts Anrüchiges!“

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