Berlin : Der Besuch des Terminators

Zur insolventen Ufa gehören auch fünf Häuser in Berlin

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Von Andreas Conrad

Das „Flaggschiff“ zog weiter seine Bahn, obwohl die Flotte vom Sturm heftig gebeutelt wurde und der eine oder andere Kinokahn das Auf und Ab womöglich nicht heil übersteht. Die wenigsten Zuschauer, die gestern Abend ins „Cubix“ am Alexanderplatz zogen, um sich „Nackt“, „Minority Report“ oder was auch immer anzusehen, dürften von dem Insolvenzantrag der Hamburger Ufa Theater GmbH & Co KG gewusst haben, zu dem das als Visitenkarte des Kinounternehmens geltende Haus in der Rathausstraße 1 gehört. Die mäßige, um nicht zu sagen saumäßige Situation auf dem Kinomarkt hat ein weiteres Opfer gefunden, und die Aufmerksamkeit der Kinogänger und besonders der konkurrierenden Anbieter richtet sich natürlich gerade auf die Häuser in Berlin. Nach der Wende galt die Stadt als Boomtown, immer neue und größere Multiplex-Häuser wurden hochgezogen, verdrängten manches traditionsreiche kleine Haus und sind nun selbst kaum vollzubekommen.

Heute wird der Insolvenzverwalter, der Hamburger Anwalt Jens-Sören Schröder, gemeinsam mit der Geschäftsleitung die Berliner Mitarbeiter des Hauses über die Lage informieren. Etwa 160 Arbeitnehmer sind es insgesamt, knapp ein Drittel im Cubix, der Rest verteilt sich auf den Ufa-Palast am Treptower Park, das Ufa-Kino in der Kulturbrauerei, die Kurbel in der Giesebrechtstraße und das Royal im Europacenter.

Der Kinobetrieb solle bundesweit in allen Häusern wie gewohnt weitergehen, auch die Gehälter seien gesichert, verbreitete gestern die Geschäftsführung. Offenbar wird zum Sanierungskonzept aber auch die Schließung unrentabler Häuser gehören. Berlin sei davon nicht betroffen, versicherte ein Sprecher des Unternehmens am Abend auf Anfrage. Die Berliner Ufa-Kinos seien alle „keine Problembetriebe“.

Um seinen Anteil am übersättigten Berliner Kinomarkt kämpft das Unternehmen mit 8988 Sitzplätzen, das größte ist dabei das Cubix mit 2411 Sitzen. Das Kino mit seiner verglasten Granitfassade, das auf dem Platz der einstigen Disko „Alextreff“ entstanden war, wurde vor fast genau einem Jahr eröffnet. Der Investor TLG pries es damals als „in Komfort, Design und Innenarchitektur unvergleichlich mit anderen Ufa-Häusern“. So viel Luxus hat seinen Preis: rund 25 Millionen Euro.

Der Neubau-Boom der letzten Jahre ging einher mit dem Sterben kleiner und mittlerer Häuser mit oft langer Tradition, die jahrzehntelang die Berliner Kinoszene bestimmt hatten. Zum Ufa-Reich hatte beispielsweise das Marmorhaus am Kurfürstendamm gehört, das Ende Januar 2001 schloss. Seit 1913 hatte das Lichtspieltheater bestanden, sechs Jahre später wurde dort die Premiere von Robert Wienes „Das Kabinett des Dr. Caligari“ gefeiert. Später konnte man dort Stars wie Heinz Rühmann und Heinrich George sehen.

Immerhin war auch das Cubix bereits Premierenschauplatz, so zu „Driven“ mit Til Schweiger und vor allem „Collateral Damage“ mit Arnold Schwarzenegger. Wenngleich das Haus in der Rathausstraße wohl überlebt, für die Kinokette bedeutete diese Feier nachträglich gesehen fast ein Omen, denn was war es anderes als – der Besuch des Terminators.

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