• Der Betreiber einer illegalen Bauschutt-Müllkippe in Weißensee ist seit Sonnabend in Haft

Berlin : Der Betreiber einer illegalen Bauschutt-Müllkippe in Weißensee ist seit Sonnabend in Haft

Gideon Heimann

Claudia Hämmerling ist froh, dass auf dem Grundstücksteil an der Blankenburger Straße 18-28 in Weißensee endlich etwas geschieht. Die Grünen-Abgeordnete sowie Anwohner in knapp 100 Meter Entfernung hatten, wie berichtet, schon seit längerer Zeit darauf hingewiesen, dass hier eine illegale Müllkippe wachse - nun griff die Umweltkripo ein. Bereits am Sonnabend war der Mieter des Grundstücks auf dem Bahnhof Zoo festgenommen worden, als er sich offenbar mit einem gefälschten Paß aus dem Staube machen wollte.

Am Montag Nachmittag begannen Radlader der Polizei, in dem wohl über 300 Meter langen und knapp 100 Meter breiten sowie etwa 15 Meter hohen Holzberg wenigstens Schneisen zu ziehen. Denn wenn der zu brennen beginnt, muss die Feuerwehr wenigstens kleine Zugangswege nutzen können. Ein Wunder, dass es bei dieser Trockenheit nicht schon längst zu einem Feuer gekommen ist, zumal in direkter Nähe Tausende von Litern Alt- und Motoröl gelagert waren. Im Brandfall dürfte übrigens auch der Flugverkehr von und nach Tegel unter der Qualmwolke leiden, denn der illegale Müllplatz liegt in der direkten Einflugschneise.

Eigentlich sollte hier ja nur eine Bauschutt-Sortieranlage stehen, diese hätte dort genehmigungsfrei arbeiten dürfen. Nach geltendem Umweltrecht muss der Betreiber die Errichtung der Anlage den Behörden nur bekannt geben, dann darf er sie für ein Jahr in Gang halten. Nur hatte der 36jährige Mann bereits ein Jahr lang auf einem benachbarten Bereich "recycelt", also eigentlich Abfälle gelagert. Nach Ablauf der einjährigen Frist zog er gut 50 Meter weiter und setzte das Spiel mit einer anderen Firma weitere zwölf Monate fort, war zu erfahren.

Derweil wuchs nicht nur der Holzberg, sondern auch die Menge unsortierten Schutts gleich nebenan. Jetzt stand auch der Ablauf der zweiten Jahresfrist an, und damit rückte der Unternehmer ins Blickfeld der Kripo. Denn echtes Recycling bedeutet ja, dass Altstoffe angeliefert und Wertstoffe abgefahren werden. Dabei bilden sich nur kleine Zwischenlager - jedenfalls nicht solche Berge. Zu diesen kommt es nur dann, wenn der Betreiber gar nicht die Absicht hat, legal vorzugehen.

Zwar steht die Brandgefahr im Vordergrund, doch sind die Hölzer je nach ihrer Herkunft auch mit Schadstoffen belastet, die in den Boden dringen könnten. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Pentachlorphenol sowie Chrom in besonders giftiger Verbindung (chemisch: sechswertige Form) standen früher bei der Imprägnierung von Holz obenan und finden sich nun auch in dem gelagerten Material.

Da die Konten des Verursachers leergeräumt sind, dürfte die Beseitigung des Materials wohl zu Lasten des Bezirks gehen. Er muss als Eigentümer des Grundstücks und schon zur Gefahrenabwehr ohnehin in Vorlage treten ("Ersatzvornahme"). Bis zu vier Millionen Mark kann das kosten - der Gegenwert einer kleineren Kindertagesstätte.

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