Berlin : „Der Beweis: Türken gehören hierher“

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Von Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Nur noch der Weltmeistertitel für die türkische Mannschaft könnte die Berichterstattung über die erste türkische Parade in Berlin überbieten. „Berlin ist rot-weiß“, titelte am Sonntag die Tageszeitung Türkiye auf ihrer ersten Seite. Das Blatt widmete der Parade, die die Veranstalter „Türkischer Tag“ getauft haben, die Hälfte der Titelseite, die ganze dritte Seite („Historischer Tag“) und die komplette fünfte Seite („Hier der Beweis: Wir gehören hierher“). „Der bedeutende Lauf am türkischen Tag konnte trotz des Regens durch die Teilnahme von 100 000 Türken und Deutschen verwirklicht werden“, erklärte die Zeitung. Dazu zeigte das Blatt elf Fotos von dem Ereignis, die die Straße des 17. Juni eingetaucht in ein Meer aus roten Fahnen mit Halbmond und Stern zeigten.

Auch die Hürriyet, die auflagenstärkste türkische Zeitung, war sehr stolz auf auf den Tag: „40 000 europäische Türken sind gelaufen“, übermittelte die Zeitung ihren Lesern auf dem Titel und zeigte dazu eine kleine deutsche und türkische Flagge. Die Teilnehmerzahl legte die Zeitung der Polizei in den Mund, die jedoch nur von 12 000 Teilnehmern sprach. In dem Text auf der Titelseite schrieb die Hürriyet: „Die Türken, die aus verschiedenen Ländern angereist waren, haben ,Meine Türkei!‘ und ,Mein Heimatland ist etwas besonderes!‘ gerufen.“

Der türkische Botschafter Osman Korutürk wurde zitiert: „Dieser Lauf ist der Beweis für die deutsch-türkische Freundschaft.“ Die Berichterstattung ging auf der ersten und zweiten Seite der Europabeilage weiter: „Wir sind eine Stimme geworden“, hieß es. Die Zeitung fragte nicht, warum sich eigentlich kein deutscher türkischstämmiger Politiker blicken ließ. Die Hürriyet widmete dafür den Grußworten der Ausländerbeauftragen des Senats, Barbara John, und von Kanzler Gerhard Schröder eigene Texte.

Die Tageszeitung Milliyet räumte der Parade nicht so viel Platz ein. Auf der Titelseite brachte die Zeitung einen kurzen bebilderten Anriss für den Bericht auf der Seite 5 – wo die Überschrift dann immerhin lautete: „Der Tag des Stolzes.“ Der Text endete mit den Worten: „Der türkische Tag endete in Brandenburg (soll heißen am Brandenburger Tor) mit der türkischen Nationalhymne.“ Den Worten des Botschafters widmete die Milliyet etwa 70 Zeilen.

Lediglich die Türkiye kommentierte das Ereignis: „Berlin hat gestern einen historischen Tag mehr erlebt“, begann der schnauzbärtige Schreiber Mehmet Koc seinen Text. Jedes seiner Worte strotzte vor Stolz.

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