Berlin : Der Birnbaum trägt wieder

Fontane machte den Herrn von Ribbeck unsterblich Dessen Gewächs wurde mehrfach nachgepflanzt.

Große Kirche, kleiner Stamm. Der Birnbaum des Gutsherrn lebt weiter – rechts neben dem Gebäude. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Große Kirche, kleiner Stamm. Der Birnbaum des Gutsherrn lebt weiter – rechts neben dem Gebäude. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

In 100 Jahren hat diese Ballade viele Schülergenerationen beschäftigt. Sie stammt von Theodor Fontane. Viele können sie noch auswendig – zumindest ihre erste Strophe. Sie lautet:

„Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,

Ein Birnbaum in seinem Garten stand,

Und kam die goldene Herbsteszeit

Und die Birnen leuchteten weit und breit,

Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,

Der von Ribbeck sich beide Taschen voll.

Und kam in Pantinen ein Junge daher,

So rief er: ‚Junge, wiste’ne Beer?’

Und kam ein Mädel, so rief er: ‚Lütt Dirn,

Kumm man röwer, ick hebb’ne Birn“

Die Geschichte geht auf den 1759 verstorbenen Gutsherren Hans-Georg von Ribbeck zurück, der gut zu den Bauern gewesen sein und den Dorfkindern Birnen geschenkt haben soll. Laut Legende äußerte er auf dem Sterbebett einen letzten Wunsch, man möge ihm eine Birne mit ins Grab legen. Er traute offenbar seinem etwas knausrigen Sohn nicht zu, dass der die gute Tradition im Dorf fortsetzen würde. Nach drei Jahren geschah tatsächlich das Wunder: Über der Familiengruft wuchs ein Baum, der Früchte trug. Fontane las die Geschichte und fand im Alter von 70 Jahren die passenden Worte für ein Gedicht, das er selbst zu seinen besten Werken zählte.

Der heute vor der Kirche stehende und von Touristen gern fotografierte Baum ist nicht mehr das Original. Das knickte 1911 in einer Sturmnacht um, weil der Stamm verfault war. Jetzt liegt der Stumpf im Treppenhaus der Kirche, nachdem er bis 1945 im Schloss und danach bis Mitte der neunziger Jahre in einem heute nicht mehr existierenden Gasthaus gestanden hatte.

Der 1912 gepflanzte Nachfolgebaum fiel in einer Nachkriegswinternacht 1945 einer Säge zum Opfer. Die kümmerliche Nachpflanzung aus den Siebzigern trug pro Jahr maximal fünf harte Früchte und wurde zum Spott der Nachwende-Touristen. Man grub ihn wieder aus. Erst 2000 kam ein 20-jähriger Stamm in die Erde, der sich gut entwickelt. Ob es dort wieder flüstert: „Ick gew’ di ’ne Birn“? Ste.

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