Berlin : Der Bischof als Filmkritiker

Vor der Premiere von Mel Gibsons „Passion Christi“ wollen sich Kirchenobere ein eigenes Urteil bilden

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Am 18. März läuft Mel Gibson Films „Die Passion Christi" in Berlin an. Aber darauf wollen die evangelischen Kirchenoberen nicht warten. Denn schon jetzt ist absehbar, dass Gemeinden, Konfirmandengruppen und Religionslehrer vorab wissen wollen, wie sich die Landeskirche zu der HollywoodProduktion positioniert. Um für den erwarteten Informationsbedarf gewappnet zu sein, wird der evangelische Bischof Wolfgang Huber zusammen mit weiteren Kirchenvertretern am heutigen Donnerstagabend an einer Sonderaufführung des Constantin-Filmverleihs teilnehmen. Der katholische Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky müsse aus „terminlichen Gründen“ auf die Aufführung verzichten, hieß es aus dem Bischöflichen Ordinariat.

Allerdings bleiben auch die Berliner Katholiken nicht ohne Rat. Die Internetseite der Bischofskonferenz (www.dbk.de) befasst sich ausführlich mit dem Gibson-Epos. Dort heißt es, dass der Film die Botschaft der Bibel „mit der drastischen Darstellung der Grausamkeiten auf problematische Weise verkürzt“. Dies könne bei einem Publikum, das mit dem christlichen Glauben nicht vertraut ist, zu Missverständnissen führen. Für ein besseres Verständnis des Films seien „begleitende Angebote“ notwendig.

Auch die evangelischen Christen sind bereits vorab informiert worden. Die wöchentlich erscheinende Zeitschrift „Die Kirche“ bewertet den Film in der aktuellen Ausgabe negativ. Gibson lasse „fragwürdigen Obsessionen freien Lauf“, lautet die Kritik unter der Überschrift „Im falschen Film“. In einer Pressemitteilung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) heißt es, man wolle den Film „weder empfehlen noch skandalisieren“. Allerdings überwiegt in einem Schreiben des EKD-Kirchenamtes ebenfalls die negative Tendenz. Dagegen attestierte der Thüringische Landesbischof Christoph Kähler dem Film eine „große Bildkraft“ und „keine Gewaltverherrlichung“.

Bischof Huber will sich jetzt ein eigenes Urteil bilden – und dies öffentlich machen. Am Freitag, einen Tag nach der Voraufführung, sollen alle Superintendenten einen Brief vom Konsistorium erhalten, in dem zum Film Stellung genommen wird. sve

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