Berlin : Der Blick über den Tellerrand gehört zum Job

Die Bundesregierung lädt zum Tag der offenen Tür – wir testen die Häuser vorab. Teil vier: Das Ministerium von Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD)

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„Einladung zum Staatsbesuch“ – unter diesem Motto bittet die Bundesregierung am 17. und 18. August zum Tag der offenen Tür. Viele Veranstaltungen beziehen sich auf den Weltgipfel in Johannesburg. Der Tagesspiegel ist Medienpartner und führt schon jetzt hinter die politischen Kulissen. Heute: Das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung von Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD).

Der Faktor Hochhaus. Zugegeben, andere Ministerien machen von außen mehr her. Das Domizil des Entwicklungsministeriums an der Stresemannstraße 94 in Kreuzberg sieht zwar unscheinbar aus – ist aber ein Bauhaus-Gebäude. Schon der lässt Internationalität anklingen: „Europahaus“. Die etwa 50 Berliner Mitarbeiter der Behörde mit Bonner Hauptsitz arbeiten in den Etagen acht bis elf – ihre Aussicht können die Besucher beim Tag der offenen Tür genießen. Im Sitzungsraum mit den Dolmetscherkabinen erinnert ein großes Foto am Fenster an alte Zeiten: der Potsdamer Platz vor dem Fall der Mauer. So kann man vergleichen: vorher, nachher. Kaum zu glauben, was sich seitdem alles verändert hat.

Der Faktor Globalisierung. Die Bereitschaft zum Blick über den Tellerrand braucht man auch, wenn man bei den wirtschaftlichen und politischen Entwicklungshelfern tätig ist. „Triebtäter“ nennt Pressesprecher Bernd Dunnzlaff das Ministeriumsteam scherzhaft. Beim professionellen Helfen rund um den Globus gibt es selten Dienst nach Vorschrift eines Achtstundentages. Die Kollegen, die in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit die Presse auswerten, beginnen ihren Arbeitstag um 4.30 Uhr. Nirgendwo in Berlin hängen wohl so viele Weltkarten wie in der Stresemannstraße. „Keine Hälfte der Welt kann ohne die andere leben“, steht drüber.

Der Faktor Dienstreisen. Frau Wieczorek-Zeul ist oft in der Welt unterwegs. Als Gouverneurin bei der Weltbank für die Bundesrepublik Deutschland sind die Weltbank/IWF-Tagungen im Frühjahr und im Herbst Pflichttermine. Referenten, Staatssekretäre, Presseleute können dann auch die Koffer packen. Und die Referatsleiter der Abteilung 2 – Südamerika zum Beispiel, Naher Osten, Maghreb – müssen natürlich auch vor Ort Kontakte pflegen. 28 Ministeriums-Referenten arbeiten dauerhaft im Ausland, etwa in Brüssel, New York – und in Afghanistan. Intensive Kontakte gibt es auch ins südliche Afrika, der Schwerpunkt bundesdeutscher Entwicklungshilfe. Am Tag der offenen Tür am Sonntag packen Angestellte und Beamte in Bonn ihre Sachen. Sie reisen diesmal allerdings nicht in ferne Länder, sondern bloß nach Berlin: Viele haben sich freiwillig für den „Staatsbesuchs“-Dienst am Sitz der Berliner Behörde gemeldet.

Der Faktor Völkerkundemuseum. Es ist naheliegend, dass sich in so einem Haus unendlich viele Mitbringsel aus aller Welt sammeln. Unterm Willy-Brandt-Porträt haben sich im Ministerinnen-Büro unter anderem Holzkunstwerke aus dem Jemen und kunstvoll verzierte Elefanten aus Bangladesh angesammelt. In den Fluren stehen Vitrinen mit Tanzkappen aus Loso und königlichen Palmenweinkalabassen aus Kamerun. Fast schon ein kleines ethnologisches Museum. Selbst das Toiletten-Hinweisschild ist international: „Lavatory“. Annette Kögel

Zum Ende der Serie am Donnerstag laden wir unsere Leser mit der Lufthansa und dem südafrikanischen Fremdenverkehrsamt zu einem Quiz. Der Preis: eine Reise in das Serenite Winelands Hotel nahe Kapstadt.

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