Berlin : Der Botanische Garten – soll er nach mehr als 300 Jahren verwelken?

Die Freie Universität überlegt angesichts der Sparvorgaben des Finanzsenators, die grüne Oase zu schließen oder zu verkaufen. Mitarbeiter sind entsetzt

Christian van Lessen

DIE UNIVERSITÄTEN UND DIE SPARFORDERUNGEN DES FINANZSENATORS

Für Brigitte Zimmer war der Mittwoch ein schlimmer Tag. Sie hörte, was sie lieber nie gehört hätte. Sie musste, völlig überrascht, erfahren, dass die Freie Universität angesichts der Sparvorgaben des Finanzsenators an die Schließung des Botanischen Gartens denkt, oder auch an einen Verkauf. „Man hätte vorher mit uns sprechen müssen“, sagt Brigitte Zimmer, die für die Öffentlichkeitsarbeit des Botanischen Gartens zuständig ist. Sie und 170 Mitarbeiter konnten es nicht fassen, wie die Uni solch eine Idee in die Welt setzen konnte. „Wir sind entsetzt.“ Schon gibt es eine Unterschriftensammlung, aus der Bevölkerung kamen Anfragen, was man zur Rettung des Gartens tun könne.

Bislang waren die Informationen aus dem Botanischen Garten in der Regel so erfreulich gewesen wie die zur Schau gestellten Pflanzen – sieht man von Klagen über chronischen Geldmangel ab. „Wir sind ein Kleinod, ein Aushängeschild der Stadt“, sagt Brigitte Zimmer, und die wachsenden Besucherzahlen geben ihr Recht. Eine halbe Million waren es im vergangenen Jahr. An schönen Wochenenden berichtete die Botanikerin beinahe regelmäßig und stolz über die hohen Besucherzahlen und Warteschlangen an der Kasse. Allein schon wegen der großen Konkurrenz an Freizeitangeboten in der Stadt gilt das Publikumsinteresse als großer Erfolg des Gartens. Zimmer erinnert außerdem gern daran, dass der Botanische Garten mit 43 Hektar und rund 23 000 Pflanzenarten der drittgrößte der Welt ist und kürzlich am Dahlemer Standort den 100. Geburtstag feierte – obwohl er schon 1679 auf Anordnung des Großen Kurfürsten als landwirtschaftlicher Mustergarten gegründet wurde. Damals aber noch auf dem Gelände des heutigen Kleistparks.

Als Ausbildungs- und Forschungsstätte der Freien Universität (FU) war der Botanische Garten bislang weniger im Gespräch. Dabei finanzierte die FU die Anlage eben dafür mit zwölf Millionen Euro im Jahr. Sie werde, bei bei aller Solidarität für die Sparbemühungen der FU, für den Garten kämpfen, kündigt Frau Zimmer an. Wenn an ihm gespart würde, schmerze das die Berliner viel mehr als die Schließung eines Instituts. Der Garten sei ein Teil der Stadt, ein „Kulturgut“, das ständig unter Einsparungen leide – bei zusätzlichen Sparauflagen aber nicht mehr zu halten sei. Schon jetzt fehlt das Geld, marode Gewächshäuser zu sanieren: Dafür ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zuständig. Diese erklärte gestern nur, dass man sich eine Umwidmung des Gartengeländes nicht vorstellen könne. Die Universität hatte den Garten 1995 vom Land Berlin erhalten, von der Senatsverwaltung für Wissenschaft und Forschung. Schon damals wollte Berlin sparen.

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