Berlin : Der Botschafter des Papstes verlässt Berlin

Claudia Keller

Die Kerzen am Weihnachtsbaum im Außenministerium muss dieses Jahr ein anderer anzünden, nicht mehr Erzbischof Erwin Josef Ender. Der Apostolische Nuntius steht den anderen ausländischen Diplomaten vor, sozusagen den obersten Lichtträgern ihrer Länder, und darf Weihnachtsbäume zum Leuchten bringen. Heute geht Erzbischof Ender in den Ruhestand und zurück nach Rom, wo er die längste Zeit seines Lebens verbracht hat.

Kürzlich feierte der große, schlanke Erzbischof Ender seinen 70. Geburtstag, was für den Vatikan kein Alter ist, in dem man zwingend aus dem Dienst ausscheidet. Das vatikanische Außenministerium wollte ihn denn auch von Deutschland zur nächsten Station nach Rumänien schicken. Das aber wollte Ender nicht. Er geht nun lieber gleich in den Ruhestand. Warum er nicht länger in Deutschland bleiben konnte – schließlich ist er erst vor vier Jahren hierher gekommen – darüber wird viel spekuliert in katholischen Kreisen. Ender war ein Vertrauter Johannes Paul II. und dessen Kardinalstaatssekretärs Angelo Sodano. Sie schickten den Chefdiplomaten nach Deutschland – entgegen der vatikanischen Gepflogenheit, einen Nuntius nicht ins eigene Heimatland zu schicken. Zu Papst Benedikt XVI. sei das Vertrauensverhältnis nicht so gut gewesen, sagen einige.

Mitarbeiter in der Nuntiatur in der Neuköllner Lilienthalstraße wollen „eine gewisse Müdigkeit“ bei ihrem Chef festgestellt haben. Die sieben Jahre, die er von 1990 bis 1997 als Botschafter des Vatikans in Sudan und Somalia verbracht habe, die Nächte in der Wüste, hätten ihm gesundheitlich zugesetzt. Auch deshalb habe er jetzt in Rom um Versetzung in den Ruhestand nachgesucht.

Den Nuntius selbst schweigt zu seinen Motiven. Er verabschiedete sich in den vergangenen Wochen von Diplomatenkollegen und Politiker, auch der Bundesaußenminister und der Bundespräsident gaben sich die Ehre. Ansonsten drängte sich Nuntius Ender nicht gerade in die Medienöffentlichkeit. Er wählte lieber diplomatische Schleichwege. Politiker und die Mehrheit der deutschen Bischöfe schätzten ihn, vermutlich gerade deshalb.

Hinter den Kulissen hat er an den Bischofsernennungen der vergangenen Jahre mitgewirkt und Staatskirchenstaatsverträge ausgehandelt. Die Finanzkrise der deutschen Bistümer kommentierte er nicht, auch nicht die, die sich in Berlin vor seiner eigenen Haustür abspielte. Ebenso wenig mischte er sich in gesellschaftspolitische Themen ein – anders als sein Vorgänger, Erzbischof Giovanni Lajolo, der in den neunziger Jahren im Streit um die Schwangerenkonfliktberatung zu vermitteln versuchte. Wer sein Nachfolger wird, ist noch nicht klar. Nur so viel: Die Entscheidung soll noch vor Weihnachten fallen. Womöglich auch noch rechtzeitig zum Anzünden der Weihnachtsbaumkerzen. Claudia Keller

Am Dienstag, 2. Oktober, um 18 Uhr, wird Erzbischof Ender mit einem Pontifikalamt in der St. Hedwigs-Kathedrale aus seinem Dienst verabschiedet.

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