Berlin : Der Brand im Bahnhof war gefährlicher als behauptet

ANDREAS OSWALD WERNER SCHMIDT

Noch immer ist die Ursache für den Vorfall am Zoo vom Freitag abend ungeklärt / Elektrokabel waren mit brennbarem Kunststoff ummantelt VONVON ANDREAS OSWALD UND WERNER SCHMIDT BERLIN.Der Kabelbrand im Bahnhof Zoo am frühen Freitag abend war offenbar nicht so gefahrlos, wie bis heute behauptet wird.Wie gestern aus Kreisen der Feuerwehr bekannt wurde, mußte während der Löscharbeiten mehrfach ein sogenannter Nachalarm gegeben werden.Das bedeutet: Die Einsatzkräfte vor Ort reichten nicht aus, um Brand und Rauchentwicklung zu bekämpfen und lösten selbst weiteren Alarm aus.Daraufhin kamen verschiedene Spezialkräfte, denen es schließlich nach mehr als drei Stunden gelang, die Lage soweit unter Kontrolle zu bekommen, daß keine Gefahr mehr bestand. Ein weiterer Hinweis darauf, daß der Vorgang offenbar doch gravierender war, als dies zugegeben wird, ist die Tatsache, daß die Behörden auch am Montag abend noch nicht in der Lage waren, die Ursache zu benennen.Es müßten weitere Experten zugezogen werden, hieß es. Gesprächen mit am Ort maßgeblich beteiligten Kräften zufolge war in der großen Bahnhofshalle, unterhalb des Bahnsteigs A, Gleis 1 und 2, gegen 16 Uhr Rauch aufgestigen.Ein Beamter des Bundesgrenzschutzes gab sofort Alarm.Als die Feuerwehr eintraf, war die Halle bereits evakuiert.Der Brand ereignete sich im Starkstrom-Kabelschacht unterhalb des Bahnsteigs und oberhalb des Erdgeschosses des Bahnhofs, wo sich zahlreiche Menschen aufhalten und wo viele Geschäfte sind, die Zeitschriften, Lebensmittel, Tabakwaren und anderes verkaufen. Das Gefährlichste an einem Kabelbrand ist der giftige Rauch, der durch das Verschmoren der Kunststoffisolierung entsteht und je nach Material unter anderem Salzsäure und in geringen Mengen sogar Dioxin freisetzen kann.Rauch steigt nach oben.Deshalb war das Erdgeschoß nicht betroffen; der Rauch stieg durch den undichten Kabelschacht in die große Bahnhofshalle, wo er sich verflüchtigte.Da die Halle zudem sofort evakuiert wurde, bestand keine akute Gefahr für die Menschen. Es gibt dennoch einige beunruhigende Fakten: Da der Beton-Kabelschacht undicht ist, könnte auch das von Reisenden stark frequentierte Erdgeschoß in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn der Rauch so stark ist, daß er nicht ausschließlich nach oben entweichen kann.Beim Löschen kann der Schaum und das Wasser - wie in diesem Fall tatsächlich geschehen - ins Erdgeschoß laufen und erhebliche Schäden verursachen.In diesem Fall waren nur eine Trafostation, ein Büroraum und Abstellräume betroffen. Beunruhigend ist zudem die Tatsache, daß die Starkstromkabel mit Kunststoffen isoliert sind, die brennen können und beim Verbrennen starke Gifte freisetzen.Es gibt unbrennbares Isoliermaterial, aber das ist sehr viel teurer. Eine Katastrophe wie auf dem Düsseldorfer Flughafen, als ein Kabelbrand auf die Räume der Reisenden übergriff, ist auf dem Bahnhof Zoo und in den U-Bahnhöfen der Stadt nicht möglich, wie alle befragten Experten übereinstimmend sagten.Die Kabel sind so verlegt, daß sie nicht mit entzündbaren Verkleidungen in Berührung kommen.Nur das verbrennende Kabel selbst stellt eine Gefahr dar. Der Vorfall vom Freitag ereignete sich in der großen Bahnhofshalle für den Fernverkehr.Dort gibt es genug frische Luft, die Gefahr ist gering.Doch was wäre, wenn das in der U-Bahn passierte? Dort sind die Kabel frei verlegt, es gibt nicht einmal einen schützenden Kabelschacht.Das größte Problem in der U-Bahn ist im Brandfall die Evakuierung. "Passieren kann ein Kabelbrand immer, auch in der U-Bahn", sagt Hartmut Hopp, Leiter der Abteilung vorbeugender Brandschutz der Feuerwehr.Dies ist bereits mehrfach geschehen (siehe nebenstehende Chronologie).Doch meistens gingen diese Vorfälle glimpflich aus. Der zuständige Bundesgrenzschutz (BGS) erwartet frühestens heute erste Ergebnisse über die Ursache des Brandes vom Freitag.Er geht aber, wie die Kriminalpolizei auch, von einer technischen Ursache aus.Gleichzeitig prüfte die Polizei, ob auch Brandstiftung in Frage kam.Ein Obdachloser, der sich im Bahnhof aufhielt, berichtete der Polizei von einer Gestalt, die angeblich mit einem Benzinkanister auf dem Bahnsteig unterwegs gewesen sein soll.Diese Version wird von den Ermittlern aber als ziemlich unwahrscheinlich eingestuft.Experten der Polizeitechnischen Untersuchungsstelle vermuten eher eine Fehlfunktion des Kabels, möglicherweise auch einen Installationsfehler.Nach Auskunft von Bahnsprecherin Marlene Schwarz allerdings ist das Kabel technisch in Ordnung gewesen.

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