Berlin : Der breite Weg zu Lola

Weniger Gäste, aber mehr Tänzerinnen bei der morgigen Verleihung des Deutschen Filmpreises

Andreas Conrad

Roten Teppichen – man sieht es immer wieder in Berlin – fehlt es häufig an wahrer Größe. Nicht nur die Länge bringt’s, auch die Breite ist entscheidend, und gerade hier hapert es. Auf handtuchschmalen Bahnen kommen sich die Stars gegenseitig ins Gehege, wie leicht steht dann auf Fotos einer im Hintergrund, der doch nach vorne gehörte.

Das alles kann am Freitagabend bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises im Palais am Funkturm nicht passieren. Breit und rot, geradezu majestätisch schiebt sich die Auslegware dem Eingang entgegen, 8 mal 40 Meter, da könnte ein halbes Dutzend Glamourgäste gleichzeitig einrücken, ohne drängeln zu müssen.

Zu Lola führt also diesmal ein Weg im XXL-Format. Das legt das imposante Eingangsgebäude am Charlottenburger Hammarskjöldplatz zwar ohnehin nahe, es passt aber auch zu dem neuen Selbstbewusstsein, mit dem der Preis mittlerweile präsentiert wird. Viel war gestern bei der Vorstellung des neuen Ortes die Rede von der Identität und dem Stolz der deutschen Kinobranche, die schon im Vorjahr zu spüren gewesen sei und die es diesmal im nun angemessenen Rahmen richtig zu feiern gelte. Die Philharmonie sei ja ein sehr guter Raum für die Verleihung gewesen, aber kaum richtig auszuleuchten, fatal für die Fernsehbilder, wie die beiden künstlerischen Leiter der Verleihung, Nico Hofmann von der Produktionsfirma Teamworx und Thomas Peter Friedl von der Constantin Film, wiederholt beklagten. Und für die Party taugte das Foyer auch nicht recht.

Diesmal aber haben sie genügend Platz zum Zelebrieren deutscher Filmkunst. Schon am roten Teppich und in der Vorhalle geht das los, mit „Filmlandschaften“ aus großen Fotowänden, die Stars und Szenen des alten und des neuen deutschen Films zeigen. Zur Verleihung geht es nach links in die dortige Messehalle, der eine Art Amphitheater mit Riesenbühne implantiert wurde. Auf dieser wird Michael „Bully“ Herbig so viel moderieren wie noch nie und auch wieder singen – beides kam im Vorjahr prima an und wird daher ausgeweitet. Sogar ein Laufband steht bereit, auf dem Bully – there’s no business like show business – dann läuft und läuft und läuft, ohne von der Stelle zu kommen.

Die Zahl der Gäste wurde gegenüber 2005 von 2400 auf 2000 reduziert, doch gibt es gleich 16 statt nur sechs Tänzerinnen für die Zwei-Stunden-Show, für die die Deutsche Filmakademie eigens eine Produktionsfirma gegründet hat. Die Verleihungen der Vorjahre waren von Fremdfirmen produziert worden. Als Indiz für das steigende Ansehen des Preises werten Hofmann und Friedl auch, dass sie keinen der prominenten Laudatoren lange um die Übernahme der Aufgabe bitten mussten. Alle seien sofort dazu bereit gewesen, von Alexandra Maria Lara über Daniel Brühl und Armin Rohde bis zu Sandra Maischberger und Esther Schweins.

Gefeiert wird dann hinterher im Palais am Funkturm, außen mit einer Strandinstallation, innen mit Tanzen unten, Lounge-Palaver oben und einem Catering, das an erfolgreiche deutsche Filme angelehnt ist: Afrikanisch für „Die weiße Massai“ beispielsweise oder berlinisch für „Knallhart“. Endlich wieder Currywurst!

Die Gala beginnt am Freitag um 19 Uhr, die Gäste erscheinen ab 17.15 Uhr. Die Verleihung wird am selben Abend ab 21.45 Uhr in der ARD gezeigt und am 14. Mai um 22.40 Uhr im rbb-Fernsehen wiederholt .

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben