• Der britische Botschafter zu Deutschland gegen England: „Die Spiele sind immer besonders“

Der britische Botschafter zu Deutschland gegen England : „Die Spiele sind immer besonders“

Am Samstag spielt Deutschland gegen England im Olympiastadion. Der britische Botschafter Sir Sebastian Wood ist Fußball- und Manchester-United-Fan. Er will sich trotz des Terrors die Freude am Fußball nicht verderben lassen.

Englische Fans auf der Fanmeile in Berlin
Englische Fans auf der Fanmeile in BerlinFoto: Thilo Rückeis

Was bedeutet Ihnen persönlich Fußball?

Schon früh als Kind habe ich mir mein Lieblingsteam ausgesucht: Manchester United. Obwohl ich im Süden aufgewachsen bin, habe ich eine Mannschaft aus dem Norden gewählt, weil die so fantastische Spieler hatte, George Best zum Beispiel und Bobby Charlton. Als kleiner Junge konnte ich natürlich nicht ahnen, dass es 25 Jahre dauern würde, bis Manchester United einmal wieder die Meisterschaft gewinnen würde. Warum Fußball für mich so wichtig ist, kann ich nicht erklären, vielleicht ist es ein Instinkt, ein oft besonders bei Männern tief verwurzeltes Bedürfnis, Teil eines Fußballvolks zu sein.

Welche Rolle spielt Fußball für die Beziehungen zwischen unseren Ländern?

Auf gesellschaftlicher und kultureller Ebene spielt Fußball eine wichtige Rolle. Die internationalen Erfolge der Deutschen Nationalmannschaft und auch die von Borussia Dortmund und Bayern München haben dazu beigetragen, dass viele Briten das moderne, weltoffene Deutschland kennengelernt haben. Mesut Özil und Bastian Schweinsteiger spielen inzwischen in England. Und Jürgen Klopp ist sehr populär in Liverpool. Unter seiner Leitung spielt Liverpool viel schöner und schneller als früher. Die englischen Fans bewundern das sehr.

Wie wirkt sich Terror auf Fußballspiele aus?

Die Attentate am Dienstag waren schrecklich. Unsere Gedanken sind bei den Opfern. Wir müssen uns aber unseren freiheitlichen Lebensstil und unsere Offenheit bewahren und sollten auf keinen Fall vor dem Terrorismus kapitulieren. Und wir dürfen uns die Freude am Fußball nicht verderben lassen.

Beide Länder sind ziemlich fußballverrückt. Woran liegt das? Verbindet diese Gemeinsamkeit auch?

England ist ja das Heimatland des modernen Fußballs. Und Deutschland hat an der Entwicklung großen Anteil gehabt. Die Bundesliga und die Premier League gehören zu den besten der Welt, beide haben sehr erfolgreiche Spieler und Teams. Die Länderspiele sind immer etwas Besonderes. Und wir haben wirklich einige legendäre Länderspiele gehabt. Im WM-Finale 1966 hat England gewonnen. Dann kam die WM 1990 mit einem für England sehr schmerzhaften Elfmeterschießen. 1996 und 2010 hat jeweils Deutschland gewonnen. Gerade weil wir das Heimatland des Fußballs sind, glauben wir, dass England ab und zu auch mal die WM gewinnen sollte. Es gibt einen Zyklus von zu hohen Erwartungen und anschließender Enttäuschung. Das schmerzt. Und oft hat die Enttäuschung mit der deutschen Mannschaft zu tun. Diesen Zyklus müssen wir unbedingt mal durchbrechen.

Welche Unterschiede sehen Sie zwischen deutschen und britischen Fans?

Eigentlich gibt es nicht so große Unterschiede. Beide sind sehr leidenschaftlich. Ich hatte letztens den Eindruck, dass die deutschen Fans vielleicht ein bisschen besser organisiert sind, wenn es um Rituale wie Gesänge geht. Es gibt aber einen kulturellen Austausch. Deutsche Fans singen auch englische Lieder wie „You’ll never Walk Alone“. Nach den Attentaten von Paris gab es übrigens ein wichtiges Länderspiel in London gegen Frankreich. Da haben die britischen Fans die französische Nationalhymne gesungen.

Werden Sie beim Spiel dabei sein?

Meine Frau und ich werden dabei sein und freuen uns schon sehr. Wir waren schon mal bei einem wichtigen Spiel im Olympiastadion, da spielte Hertha BSC gegen Borussia Dortmund. Die Atmosphäre im Stadion war sehr, sehr aufregend. Ich hatte eine richtige Gänsehaut. Nun hoffe ich, dass Hertha so erfolgreich ist, dass die Mannschaft in der Champions League in wichtigen Spielen auch gegen englische Mannschaften antritt. Das wäre super.

Können Sie sich an ein Fußballerlebnis erinnern, das Sie besonders berührt hat?

Ja, das war das Finale der Champions League 1999 zwischen Manchester United und Bayern München. Ich war ganz allein in meiner Wohnung in London. Bayern führte bis zur 90. Minute. Dann hat in den letzten zwei Minuten Manchester United zwei Tore hintereinander geschossen und gewonnen. Das werde ich nie vergessen. Ich bin rückwärts gefallen und habe mir den Kopf am Boden gestoßen. Und dann habe ich ein bisschen getanzt.

Das Gespräch führte Elisabeth Binder.

Sir Sebastian Wood, 54, ist seit September britischer Botschafter in Berlin. Mit seiner Frau wird er sich das Freundschaftsspiel Deutschland gegen England im Olympiastadion ansehen.

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