Berlin : Der Buchmacher

Wie der Verleger Johann-Friedrich Huffmann unerkannte Poeten beglückt

Elisabeth Binder

Das Buch über die Wald-Imkerei war ein Renner. 2000 Exemplare hat der Verleger Johann-Friedrich Huffmann davon verkaufen können. Kein Wunder, in den einschlägigen Fachzeitschriften wurde es gut besprochen, und die Honigbienenfans konnten nicht widerstehen. Auch der Autor war glücklich, denn er konnte sein umfangreiches Hobbyfachwissen endlich einem größeren Kreis von dankbaren Interessenten vermitteln. „Verlag sucht Autoren“, mit diesem Slogan ist der Frieling-Verlag groß geworden.

Wer je von armen Poeten und posthum entdeckten Romanciers gehört hat, fragt sich natürlich sofort, wo da der Haken ist. Normalerweise ist es ja nicht so, dass die Verlage goldene Brücken bauen für jeden, der über ein spezielles Wissen verfügt oder seine Gedichte unter die Leute bringen will. Aus dem Haken macht Huffmann gar kein Hehl: „Zwischen 3500 und 10 000 Euro kostet das.“ So viel Geld muss ein Autor als Mitgift für sein Buch einbringen, damit es gedruckt und vermarktet wird. Ein tausendseitiges Fachbuch mit vielen Illustrationen ist natürlich teurer als ein kleines Lyrikbändchen, für das es schon eine fertig umbrochene Computervorlage gibt. Es gibt sehr viele Dichter, die auf diese Weise ihre Werke veröffentlichen. In Frielings Verzeichnis lieferbarer Bücher kommt aber auch vieles andere vor, was Menschen bewegen kann. Bücher über Naturwissenschaften, über Philosophie und Religion oder auch über sehr persönliche Lebenserfahrungen. Nichts Geringeres als ein „Plan zur Rettung Deutschlands“ ist dabei, aber auch der Reisebericht einer Weltenbummlerin. In der Berlin-Abteilung erschien etwa das Wende- Tagebuch „Deutschland, mein Stiefvaterland“. In einer Zeit, da sich die großen Verlage immer gnadenloser am Massengeschmack orientieren, setzt man hier auf Nischen und Vielfalt.

Huffmann war Rechtsanwalt, bevor er ins Verlagswesen einstieg und zunächst mit so krisensicheren Produkten wie Behördenformularen sein Geld machte. Seit er den Frieling Verlag übernahm, gehören Rechtsanwälte zu seinen Autoren, aber auch Ärzte, Pfarrer, und Lehrer. In der Regel sind es Menschen, die das, was in ihnen ist, anderen mitteilen möchten. Natürlich liest Huffmann die Bücher, bevor er sie ins Programm aufnimmt. „Ist es ethisch vertretbar? Blamieren wir uns auch nicht?“ Das sind die Fragen, die er stellt. Ansonsten stehen die Wünsche der Autoren im Mittelpunkt. Manche wollen gern redigiert werden, andere fürchten den Gedanken. Huffmann lässt Ecken und Kanten zu. Der Gründer des Verlags, Wilhelm Ruprecht Frieling, komprimierte seine Philosophie in Gedichtform: „Jedes Leben/ ist wie ein leuchtender Stern/ am Firmament:/ strahlend, einzigartig/ und daher beachtenswert…“ So warb er um Autobiografen. Huffmann engagiert sich in Zeitzeugenbörsen und beschäftigt auch Autoren, die das Leben von Menschen mit vielen spannenden Erinnerungen aufschreiben, die selber nicht so wortgewaltig sind. Unternehmen bietet er an, Jubiläumsschriften zu verfassen, mit minimalem Zeitaufwand für die Manager. Auch Schul-Jahrbücher, wie sie an amerikanischen High Schools populär sind, will er demnächst fertigen. Er will natürlich Geld verdienen, aber auch etwas bewegen, glaubt sehr an „die heilende Wirkung des Schreibens“. In seinem Verlag erschienen die Erfahrungen eines Behinderten, es schreiben auch Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind, und er weiß von einem Schizophrenen zu berichten, der durchs Schreiben gesund wurde. Zehn Mitarbeiter hat Huffmann, und die bieten den Autoren neben der Beseitigung von Fehlern in Satzbau und Rechtschreibung auch familiären Zusammenhalt. „Wie ein kleines Kind sein schönstes Geschenk, so habe ich es zärtlich gestreichelt und mit mir herumgetragen…“, schrieb eine begeisterte Autorin über ihr Buch.

In diesen Tagen bezieht der Verlag neue Räume in Schöneberg, in der Rheinstraße 46 (Telefon 766 99 90). Dort soll es demnächst auch regelmäßig Veranstaltungen zum Thema Buch geben. Dazu gehören Lesungen, aber auch Ausstellungen. Am Anfang sollen Bücher gezeigt werden, „die aus dem Feuer geboren sind“. Gemeint ist aber ausnahmsweise nicht das Feuer schmerzlicher Erfahrungen. Bei den Kunstwerken handelt es sich schlicht um Bücher aus Metall. Das ist eine Frage, über die der streckenweise seltsam idealistisch wirkende Verleger gerne nachdenkt: „Wann wird ein Buch ein Buch?“

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