Berlin : Der Bürger-Park von Friedrichshain

Immer mehr Berliner engagieren sich ehrenamtlich für die Erhaltung von Grünanlagen

Andreas Voigt

Zufrieden betrachtet Polly Sauerborn ihr Gemüsebeet. „Ich freue mich schon, wenn ich meine ersten Tomaten ernten kann“, sagt die 28-jährige Sozialarbeiterin, während sie eifrig ihr zehn Quadratmeter großes „Erdreich“ bewässert. Die Hobbygärtnerin steht mit ihrer Gießkanne nicht etwa in einem Kleingarten, sondern inmitten einer öffentlichen Grünanlage in Friedrichshain. Das Gelände, auf dem sich außer ihrem Beet noch 34 weitere befinden, ist umgeben von sorgfältig angelegten Fußgängerwegen und sanft modellierten Hügeln. Mittelpunkt des 3500 Quadratmeter großen Areals ist ein Rondell mit Sitzbänken, in dessen Mittelpunkt eine Esche in den Himmel ragt. Außerdem gibt es einen kleinen Teich, eine Liegewiese und einen Sportplatz. „Kaum vorstellbar“, sagt Anwohnerin Frauke Hehl (38), „denn vor zwei Jahren war das hier noch ödes Brachland – voller Müll und Hundekot.“

Die gebürtige Hamburgerin hat zusammen mit anderen Anrainern den Bürgerverein „Laskerwiese“ gegründet. Sie haben das Bezirksamt Friedrichshain- Kreuzberg von der Idee überzeugt, einen öffentlichen Park zu bauen – einen, der von Bürgern gestaltet und gepflegt wird. Hinter der Idee stand, dass die Bezirke in der Regel zu wenig Geld für Grünanlagen haben, sagt Frauke Hehl, die sich nun als Vereinsvorstand zusammen mit 25 Mitstreitern seit Oktober vorigen Jahres um den „Bürger-Park“ kümmert.

Rund 80 Millionen Euro stehen den zwölf Bezirksämtern zur jährlichen Grünpflege für bedeutsame Parks, Plätze und Gärten zur Verfügung. „Der Großteil dieses Betrags deckt die Personalkosten, ein weiterer erheblicher Anteil entfällt auf die Straßenreinigungsgebühren“, sagt Beate Profé, Referatsleiterin in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. „Für Neuanpflanzungen oder gar die Wiederherstellung historischer Anlagen bleibt da nicht viel übrig.“ Dem wollen viele Berliner Bürger nicht mehr länger tatenlos zusehen. Mittlerweile gibt es 30 Bürgerinitiativen, die sich ums Grün kümmern – Tendenz steigend. Darunter sind etwa die Rehwiese am Nikolassee, der Brixplatz im Westend oder der bereits 25 Jahre alte und zugleich älteste „Bürgerpark“ Berlins – der Volkspark Lichtenrade. Jüngstes Projekt ist das „Wriezener Freiraum-Labor“ auf dem alten Bahngelände zwischen Ostbahnhof und Warschauer Straße, wo auf zweieinhalb Hektar Flächen zum Selbergärtnern und ein Biogarten für Schulkassen geplant sind. Am letzten Juni-Wochenende soll Eröffnung sein.

Allerdings bleiben Spannungen zwischen engagierten Bürgern und Behörden nicht aus. „Die Ämter sind oft skeptisch, trauen den Bürgen die Grünpflege einfach nicht zu“, sagt Projektleiterin Frauke Hehl. Auf der anderen Seite kann die Grünaktivistin, die schon mehrere Projekte wie die „Laskerwiesen“ mitinitiiert hat, die Sorge der Behörden verstehen: „Viele Bürger verlässt nach der großen Anfangseuphorie ganz schnell die Lust.“ Die Ämter blieben dann auf ihren Investitionen sitzen. Um die Motivation zu erhöhen, fordert Stadtentwicklerin Beate Profé deshalb, die Bürger stärker als Partner zu betrachten. Wer sich zudem um sein eigenes Stück Grün kümmere, der gehe damit in der Regel auch verantwortlich um. Einerseits seien nach Profés Worten die Ämter noch in der alten Denkweise verhaftet, dass allein die öffentliche Hand für die Grünanlagen verantwortlich sei. Andererseits wird Bürgerengagement die Grünflächenämter nicht ersetzen können.

Die „Laskerwiese“ könnte nach Meinung der Initiatoren durchaus Vorbild für die weiteren Partnerschaften zwischen Bürgern und Behörden sein. Das Bezirksamt hat das Gelände angelegt, die Hügellandschaft modelliert und den Sportplatz gebaut. „Im Gegenzug verpflichteten wir uns dazu, die Beete anzulegen, Hecken und Sträucher anzupflanzen sowie Park und Sportplatz zu pflegen“, sagt Frauke Hehl. Die Kosten in Höhe von 160 000 Euro finanzierte das Bezirksamt. Das Geld stammt zu einem großen Teil aus dem Verkauf eines Grundstücks neben dem Park.

Während die Anwohner weiter Beete pflegen und Sträucher pflanzen, plant die Vereinsvorsitzende schon den nächsten Schritt. „Wir brauchen Sponsoren und Spender, um den Park langfristig finanziell zu sichern“, sagt die Vorsitzende des Bürgervereins. Denn der Bezirk übernehme ja offiziell nur die Kosten für die Straßenreinigung und Schneebeseitigung. „Alles andere müssen wir aus eigener Tasche tragen.“ So könne es ja durchaus sein, dass demnächst der Name eines Sponsors auf einer der Parkbänke verewigt wird.

Kontakt zum Bürgerverein „Laskerwiese“: info@workstation-berlin.org

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