Berlin : Der Bürgermeister macht den Streit um das Lichtenberger Gymnasiums zur Chefsache

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Die Elternschaft des Pascal-Gymnasiums macht mobil. Sie will nicht dulden, dass neben zwei weiteren Gymnasien ausgerechnet ihre Schule wegen der sinkenden Schülerzahlen geschlossen wird - nach einer schrittweisen Fusion mit dem Foster-Gymnasium innerhalb der nächsten fünf Jahre. Einen entsprechenden Vorschlag präsentierte die Bezirksverwaltung kürzlich auf der Schulkonferenz, ohne zuvor andere Lösungen mit den Schulen zu diskutieren.

Durch eine Fusion mit dem Forster-Gymansium "werden gut funktionierende Strukturen zerstört und das erfolgreiche naturwissenschaftlich-mathematische Profil aufs Spiel gesetzt", sagt Marianne Schust, die Vorsitzende der Elternvertretung. Die Pascal-Schule hat sich in den letzten Jahren durch ihre Aktivitäten bei landesweiten Mathematik-Wettbewerben und der Berliner mathematischen Schülergesellschaft einen Namen gemacht und ist wegen ihres spezifischen Lehrplans auch für Schüler aus anderen Bezirken und aus Brandenburg (47 Prozent der Pascal-Schüler) zum Anziehungspunkt geworden. Deutsch- und Abiturklassen für Aussiedler werden, so Schust, außer an der Pascal-Schule nur noch in Steglitz angeboten. Die besondere Struktur lasse sich nicht einfach in das Forster-Gymnasium verpflanzen, da die Partnerschule weder über ein spezifisches naturwissenschaftliches Profil noch über eine vergleichbar verkehrsgünstige Lage verfüge.

Diese Befürchtungen hält Marion Weigelt, Schulrätin für Gymnasien am Landesschulamt, für unbegründet. "Es ist ausreichend Zeit, um Konzepte zu erarbeiten, wie das Profil des Pascal-Gymnasiums integriert werden kann", sagt sie. Auch die Forster-Schule habe einen ausgeprägten naturwissenschaftlichen Bereich und die S-Bahn-Station Betriebsbahnhof Rummelsburg in der Nähe. Für das Forster-Gymnasium spricht nach Auffassung des Schulträgers - Bürgermeister Wolfram Friedersdorff hat vor zwei Wochen die Schulentwicklung zur Chefsache gemacht - schlicht das Gebäude. Das Forster-Gymansium wurde in den letzten zwei Jahren saniert und erweitert. "Vier bis fünf Klassenzüge sind im Pascal-Gymnasium baulich nicht zu machen", begründet Friedersdorff den Vorschlag des Bezirks. Vier- oder fünfzügig müssten die Gymnasien nach der Zusammenlegung sein, damit eine entsprechende fachliche Breite angeboten werden könne. "Die Fachrichtung und der Name der Pascal-Schule und die Schüler-Lehrer-Bindungen sollen auf jeden Fall erhalten werden", betont er. Die Diskussion sei für ihn noch nicht abgeschlossen, die Anhörungen der Betroffenen, die noch bis zur Sitzung des Bezirksschulrats am 13. Dezember laufen, nehme er ernst.

Die Eltern und die Schulleitung des Pascal-Gymnasiums haben nicht den Eindruck, dass ihre Argumente gegen die Zusammenlegung tatsächlich berücksichtigt werden. "Die Vorentscheidung wurde nur an Baulichkeiten festgemacht und über inhaltliche Aspekte und das Gesamtkonzept mit uns vorher überhaupt nicht geredet", sagt Birgit Strohmeyer, stellvertretende Schulleiterin. Nicht berücksichtigt werde auch das neu eingebaute Sprachenkabinett und die naturwissenschaftlich-fachtechnische Ausrüstung des Pascal-Gymnasiums, der tatsächliche Sanierungsbedarf werde nicht beziffert und die Frage nach der Weiterbeschäftigung des Lehrpersonals nicht thematisiert.

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