Der Bürgermeister-Test : Klaus gegen Klaus

Die Berliner CDU sucht für die Abgeordnetenhauswahl 2006 einen, der es mit Klaus Wowereit aufnehmen kann. Klaus Töpfer heißt ihr Wunschkandidat. Wer wäre der bessere Regierende Bürgermeister?



ALTER



Wowereit

ist 51. Er wird zwar zusehends grauer, wirkt aber noch immer einigermaßen unangestrengt. Mit überraschender Disziplin unterzieht er sich gelegentlich Abmagerungskuren. Außerdem spielt er richtig gerne Golf.

Töpfer ist 67. Aber was heißt das schon? Er verkraftet den dauernden Reisestress, das Klima in Nairobi - und Richard von Weizsäcker, sein möglicher Vorvorvorgänger, war 61, als er Regierender Bürgermeister wurde. In Zeiten des demographischen Wandels und des stetig steigenden Durchschnittsalters wäre ein Regierender von 68 Jahren nachgerade zeitgemäß.

BERLIN-GEFÜHL

Wowereit: Stark ausgeprägt - Wowereit ist in Berlin geboren, hat in Berlin Juristerei und Politik gelernt und Karriere gemacht. Vermutlich reist der Regierende besonders gern, um mal etwas anderes als Berlin zu sehen.

Töpfer wirkte in seinen Zeiten als Bundesbauminister wie einer, der gern in Berlin unterwegs ist und arbeitet - gerade als Westdeutscher, dessen Heimat das Saarland war. Aber jetzt? Er hat weit mehr Jahre in Nairobi als in Berlin verbracht und angeblich mochte er an dem UN-Job nicht zuletzt das ständige Unterwegssein.

MACHER-QUALITÄT

Wowereit: Kann man nicht meckern. Wowereit hat den Berlinern klar gemacht, dass die Stadt eisern sparen muss. Er hat den Beamten klar gemacht, dass ihre berufliche Sicherheit einen geldwerten Vorteil darstellt, sie deshalb mehr arbeiten müssen, ohne mehr zu verdienen. Aber er hat den Deutschen nicht klar gemacht, dass sie für ihre Hauptstadt mehr Geld ausgeben sollen.

Töpfer: Weltweit wahrnehmbar, aber schwer zu messen. Töpfer hat der Union die Umwelt nahe gebracht. Unvergessen: der Minister, der im Rhein schwamm. Er hat Berlin zur Hauptstadt gemacht - ohne baupolitische Gewalttaten, dafür rasch und entschieden.UN-Umweltpolitik besteht vermutlich im autoritätsgestützten Verbreiten kluger Gedanken - etwa zum Klimawandel.

KOALITIONS-FÄHIGKEIT

Wowereit: Der Machtmensch Wowereit würde wohl jede große Koalition als ein zu sprengendes Objekt betrachten. Er hat zermürbende Verhandlungskondition, kann zocken und hat durchaus einen idealistischen Zug. Also führt er die Linkspartei am Nasenring und könnte das mit den Grünen. Wowereit und die FDP? Eher würden alle Beteiligten privatisieren.

Töpfer: Die schwarz-gelben Zeiten unter Helmut Kohl haben ihn geprägt. Liberal scheint aber für Töpfer eher eine Lebenseinstellung als eine politische Farbe zu sein. In der Union gehörte er nicht zu jenen, deren Konservatismus dem Grafen Lambsdorff gefallen haben könnte. Jetzt trauen manche dem umweltbewussten Konservativen schwarz-grüne Modellversuche zu.

BÜROKRATIE-ERFAHRUNG

Wowereit: Sehr stark ausgeprägt. Doch scheint das Leben in Stadtrat- und Bürgermeisterstrukturen Wowereit nicht missfallen zu haben. Dass Berlin noch viel zu bürokratisch verwaltet wird, lässt den Regierenden kalt. Er hat für das Thema nicht mal Spott übrig. Unter ihm funktioniert die Bürokratie bis zur Grußwortendkontrolle - das reicht ihm zum Regieren.

Töpfer: Erst das Umwelt-, dann das Bauministerium - Töpfer dürfte sich bestens mit Verwaltungswegen auskennen. Allerdings hat er nie den Eindruck gemacht, als mache ihm Verwaltung Spaß. In Berlin hat er es geschafft, komplizierte Dinge einfach zu machen. Das schaffte er sogar im Umgang mit Ostdeutschen bei Fragen wie dem "Sachenrechtsbereinigungsgesetz".

BEDEUTUNG IM AUSLAND

Wowereit: Er hat es immerhin schon auf die Titelseite von "Time Magazine" gebracht - das garantiert weltweite Prominenz im Kreise derer, die große Städte regieren. Seine Ausgehfreude ist bekannt - Kollegen, die ihre Städte zu jeder Tages- und Nachtzeit gerne vorführen, dürften in Wowereit einen dankbaren und Lebensfreude verbreitenden Gast haben.

Töpfer gehört zum Polit-Jetset. Doch wenn dessen Mitglieder sich ständig in irgendwelchen Metropolen zu Konferenzen treffen, geht davon allenfalls mittelbare Wirkung aus. Aber die Lebensqualität in Metropolen, die Verstädterung des blauen Planeten sind Themen, die dank Töpfer auch ins Bewusstsein jener Bürger drangen, die nicht zu solchen Konferenzen gehen.

SYMPATHIE-FAKTOR

Wowereit: Als Visionär und Ideenausbrüter hat sich Wowereit bislang noch nicht hervorgetan. Innovativ war nur sein Umgang mit dem öffentlichen Dienst. Ansonsten ist er ein Politpragmatiker, der genau hinsieht, was geht, bevor er sich eine Idee zu eigen macht. Klug vermeidet er konfliktträchtige Themen, die zu nachhaltigen Schäden an seinem bohemienhaften Image führen können.

Töpfer: Es wäre interessant, von ihm zu hören, wie er sich die Zukunft der nicht so riesig großen Metropole Berlin vorstellt. Der Mann hat so viele Chaos-Städte gesehen, dass er vermutlich sehr genau weiß, was man städtebaulich, wirtschaftlich, verkehrsmäßig im Blick behalten muss. Aber was das für Berlin in der Praxis bedeuten könnte, hat er noch nicht gesagt.

INNOVATIONS-FAKTOR

Wowereit: Es gibt viele, die finden Wowereit klasse. Weil er so unarrogant wirkt. Weil er sich auf Streit bei Christiansen genauso einlassen kann wie auf das Publikum beim Christopher Street Day. Weil er Spaß an der Stadt hat und Spaß verbreitet. Wowereits Gesicht sagt: In Berlin macht das Leben Freude. Andere halten ihn für unernst und oberflächlich.

Töpfer: Wie Wowereit wirkt er unarrogant, jovial, freundlich, lebensfroh. Auch er pflegt diesen politischen Stil, bei dem die Leute weniger an Macht und Kälte als an vernünftige Ideen denken - über die der nette Mann da vorne gerade spricht. Und gerade hat er auch noch ein Bier bestellt, weil seine Kehle so trocken ist... (Tsp)

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