Berlin : Der Bund mauert: Kein Geld fürs Stadtschloss

Kulturstaatsministerin Christina Weiss setzt andere Prioritäten – Bauminister Manfred Stolpe will „jeden Euro umdrehen“

Christiane Peitz

Auf grünes Licht für den Bau des Stadtschlosses wird der Berliner Senat noch eine geraume Weile warten müssen. Das haben Kulturstaatsministerin Christina Weiss und Bundesbauminister Manfred Stolpe jetzt unmissverständlich klar gemacht. Bei den Großprojekten unter den Berliner Bauvorhaben setze der Bund andere Prioritäten, betonte Weiss im Gespräch mit Journalisten. Und Stolpe sagte am Wochenende, er sehe noch keine klare Finanzierung für den 670 Millionen Euro teuren Bau.

„Die Museumsinsel hat absoluten Vorrang“, erläuterte die Kulturstaatsministerin und verwies auf die knappen Kassen des Bundes. Ein konkreter Bautermin steht nach ihrer Einschätzung noch so sehr in den Sternen, dass etwa die Räumlichkeiten der Außereuropäischen Sammlungen in Dahlem in bald instand gesetzt werden müssten. Es habe wenig Sinn, auf deren geplanten Umzug in das künftige Schloss zu warten.

Wie berichtet, wartet man in der Berliner Senatskanzlei auf ein Zeichen des Bundes, wann der Abbruch des Palastes der Republik am Schlossplatz losgeht. Danach soll an seiner Stelle nach dem Willen des Bundestages ein Neubau entstehen, der an drei Seiten äußerlich dem zerstörten Stadtschloss gleicht. Die Kosten werden auf 670 Millionen Euro geschätzt. Wann die Arbeiten dafür beginnen, liegt vor allem in der Hand des Bundes.

Bauminister Manfred Stolpe sagte am Wochenende, der Bund werde sich der Verantwortung nicht entziehen, „aber auch nicht auf vorhandene Reserven hinweisen“. In einer Zeit äußerst knapper öffentlicher Gelder müsse „jeder Euro gedreht werden“. Stolpe schlug deshalb erneut eine gemischte Finanzierung mit öffentlichen und privaten Geldern vor. Eine groß angelegte Spendenaktion sieht er hingegen skeptisch.

Der Minister glaubt nicht, „dass in Berlin ähnlich viel Herzblut im Spiel ist wie beim Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden.“ Grund seien die „divergierenden Gemütslagen“ in der Stadt. Stolpe: „Die einen wünschten sich das Schloss des Großen Kurfürsten zurück, den anderen fällt der Abschied vom Palast der Republik schwer.“ Sollte die Finanzierung gesichert sein, rechnet Stolpe mit einer Bauzeit von fünf Jahren.

Einig ist man sich bisher nur über die kulturelle Nutzung des Schlossneubaues. Geplant ist ein „Humboldt-Forum“ – in dieses sollen Museen, wissenschaftlichen Einrichtungen und Teile der Stadtbibliothek einziehen. Daneben bleibt noch ausreichend Platz für Gastronomie und einige private Nutzer.

Die „Arbeitsgruppe Schlossareal“ im Hause von Kulturstaatsministerin Christina Weiss will im Mai ein detailliertes Nutzungskonzept vorstellen. Außerdem soll sie sich dazu äußern, wie der Palast der Republik möglichst risikolos beseitigt werden kann. Dessen Abbruch könnte sich wegen des labilen Untergrundes in Mitte zu einem finanziellen und technischen Abenteuer entwickeln. Auch umliegende historische Gebäude wie der Berliner Dom wären möglicherweise gefährdet, warnen Experten.

Kulturstaatsministerin Weiss stellte am Wochenende klar, dass der Bund für eine kulturelle Zwischennutzung des Palastes bis zum Abbruch kein Geld geben werde. Berlin habe eine Chance verpasst: „Warum wurde keine Großwerbung für die Außenflächen akquiriert und damit die Zwischennutzung finanziert?“ (unter Verwendung von dpa)

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