Berlin : Der Charité-Chef geht und grollt

Bernhard Motzkus gibt Posten auf. Im Tagesspiegel-Interview bezeichnet er die Klinikpläne des Senats als „riesengroßen Fehler“

Ingo Bach

Einer der profiliertesten und umstrittensten Klinikmanager Berlins geht – und grollt: Bernhard Motzkus, seit 1995 Charité-Verwaltungsdirektor und zuvor seit 1986 oberster Verwalter des Weddinger Virchow-Klinikums, räumt zum 31. Dezember 2003 überraschend seinen Schreibtisch. Im Tagesspiegel-Interview äußerte er starke Zweifel, dass die im Juni begonnene Fusion von Charité und dem Steglitzer Benjamin-Franklin-Klinikum erfolgreich sein werde. Drei Charité-Standorte mit jeweils unvollständigem Fächerangebot seien unbezahlbar. Motzkus: „Die Empfehlung der Expertenkommission im Jahr 2002, drei abgespeckte Standorte zu erhalten, war ein riesengroßer Fehler.“ Dagegen sei das ursprüngliche Ziel der rot-roten Koalition, eine Klinik zu schließen, „völlig richtig“ gewesen. Anfang 2002 aber hatten massive Proteste das vom Senat geplante Aus für das Franklin-Klinikums verhindert.

Zunächst hatte sich auch Motzkus als Verwaltungsdirektor der im Vergleich zum Franklin-Klinikum wesentlich größeren Charité durchaus vorstellen können, weiterzumachen. Sein alter Vertrag lief noch bis Ende 2005. Aber dann wurde klar, dass die alten Manager auf Wunsch der Politik überflüssig sein sollen. Entsprechend groß war auch der Druck auf Motzkus. Schließlich gab er nach und handelte einen Aufhebungsvertrag aus.

Seine Kritik an den Senatsplänen werden dem jetzt designierten Klinikvorstandsvorsitzenden Detlev Ganten die Arbeit nicht erleichtern. Denn Motzkus hat Erfahrungen mit Klinikfusionen. Ab 1990 managte er die Verschmelzung des Virchow-Klinikums mit dem damaligen Charlottenburger Krankenhaus. Fünf Jahre später zog er die Zusammenlegung von Virchow-Klinikum und Charité in Mitte durch. Seine Skepsis wird deshalb zumindest bei den Beschäftigten des Franklin-Klinikums erneute Unruhe auslösen. Wie berichtet, fürchten diese schon seit Wochen, dass ihr Haus ausgeblutet werden soll.

An der fachlichen Kompetenz von Motzkus zweifeln in Berlin wenige. „Zäh“ nennt ihn Rolf D. Müller, Chef der Berliner AOK. Doch hat sich der als angiffslustig geltende Motzkus nicht nur Freunde gemacht. Er stritt sich öffentlich mit Politikern, Kassen und anderen Kliniken um Bettenabbau und Budgets. Auch Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS), den Motzkus oft nervte, wird erleichtert sein. Trotzdem dankt er ihm jetzt höflich „für die in den letzten 17 Jahren geleistete Arbeit“. Aber auch dafür, „dass er den Weg frei macht für einen Neuanfang“. Motzkus selbst will als Berater im Gesundheitswesen nur noch „in homöopathischen Dosen“ seinen Senf dazugeben.

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