Berlin : Der Club der Rapper

MTV holte Eminem nach Berlin – zu einem exklusiven Konzert im Studio an der Spree

Tanja Buntrock

Um es gleich vorwegzunehmen: Eminems deutscher Wortschatz hat sich nicht erweitert, seit dem letzten Deutschland-Besuch 1999. „F... mich!“, brüllt er immer wieder ins Mikrofon, als er am Montagnachmittag vor seinem Kurz-Konzert im Foyer der MTV-Studios am Osthafen sitzt. Aber ganz so ungehobelt ist der Rapper aus Detroit gar nicht: Immerhin hatte er zuvor den MTV-Moderator Patrice gefragt, ob er denn überhaupt das F-Wort im Fernsehen aussprechen dürfe. Danach will Eminem endlich auf die Bühne: „Ich bin heiß“, sagt er – jetzt wieder auf Englisch.

Darauf haben die 200 ausgewählten Studiogäste und die rund 1000 Fans, die draußen vor dem Speicher am Osthafen im Regen stehen, seit Stunden gewartet. Um Reklame für sein neues Album „Encore“ zu machen, ist Eminem nach Berlin geflogen und hat zugesagt, live zwei Songs in der MTV-Show „Total Request Live“ zu singen.

Und Eminem hat gehalten, was er versprochen hat. Um 16.30 Uhr fährt die schwarze Limousine am Studio vor. In der Fan-Masse vor dem Speicher, wo die MTV-Studios untergebracht sind, steht Martin mit seinen Freunden Patrick und Gjelal. Die drei Neuköllner sind gleich nach der Schule zum Osthafen gefahren, um ihr Idol zu sehen. Zu den 200 Glücklichen, die per Internet Studiokarten gewonnen haben, gehören sie nicht. Und so müssen sie auf den Videowänden, die MTV auf der Open-Air-Bühne vor dem Gebäude aufgestellt hat, Eminems Auftritt verfolgen. „Ich hab’ ihn schon einmal in Hamburg live erlebt“, sagt Martin. Auf Autogramme sind die drei sowie so nicht aus. Sie wollen den Skandal-Rapper einfach nur „performen sehen“. Dafür nehmen sie auch in Kauf, am Ende völlig durchgefroren zu sein. Wie fast alle Fans finden auch die drei aus Neukölln eines an Eminem ganz besonders faszinierend: „Er sagt, was er denkt. Und wem das nicht passt, der soll was anderes hören“, sagt Martin.

Alexandra aus Halle hatte mehr Glück als die Fans, die sich draußen zur Musik aus den Lautsprechern warm tanzen. Sie weiß, dass sie dem blond gefärbten Rapper ganz nah sein wird: Sie hat ihr Ticket für den Auftritt im MTV-Studio beim Jugendsender „Sputnik“ aus Sachsen-Anhalt gewonnen. Die Frage, ob sie die mitunter sexistischen Texte von Eminem nicht stören, beantwortet sie mit einer Gegenfrage: „Sind nicht alle Männer so?“

Dann ist es endlich so weit: Im Studio geht ein mit Graffiti-Schriftzügen besprühtes Tor auf und Eminem wippt zum dumpfen Bass von „Just lose it“, seiner Single aus dem neuen Album. Die Fans draußen wie drinnen wiegen die Hände im Takt und brüllen mit Inbrunst das vorher so schön geprobte „Ahahahahahah“ an der richtigen Stelle im Refrain. In dem Song greift der Rapper Michael Jackson an. Als Moderator Patrice Eminem fragt, was er denn gegen Michael Jackson hat, sagt Eminem: „Michael macht mich fertig.“ Und dann übt der 32-Jährige wieder Deutsch und erfüllt das Klischee des Skandal-Rappers: „F... mich!“ und „Scheißeeee!“, ruft er nochmal in die Menge. Die Fans johlen. So lieben sie ihren Eminem.

Doch dann beweist der Star, dass er seine Fans nicht im Regen stehen lässt. Und deshalb begibt er sich nach draußen, auf die Open-Air-Bühne: In offener Camouflage-Jacke singt Eminem „Like Toy Soldiers“. Die Fans kreischen und wiegen die Hände. Doch die Akustik ist hier nicht so gut wie im Studio. Die Beats verlieren sich irgendwie auf der Weite der Spree. Egal.

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