Berlin : Der dekonstruierte Gurkensalat

Beim „Restaurant Day“ kochen Berliner mal edel.

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Alles auf Zucker. Im Hutatelier „Himo“ wird süße Watte serviert. Foto: Mike Wolff
Alles auf Zucker. Im Hutatelier „Himo“ wird süße Watte serviert. Foto: Mike Wolff

Am Sonntag darf jeder ein Gastwirt sein. Niemand hat das erlaubt, keine PR-Agentur und keine Regierung hat dazu aufgerufen. Und doch wollen fast 400 Restaurantgründer in 110 Städten und 28 Ländern den „Restaurant Day“ feiern. Für einen Tag sollten alle Gastronomen und solche, die es sein wollten, das Restaurant eröffnen, das sie immer haben wollten.

Erfunden hat den „Karneval des Essens“ 2011 ein Koch aus Helsinki. Jahr für Jahr fanden sich mehr Nachahmer in aller Welt. Vergangenen Sommer stießen erstmals die Berliner dazu. Beim mittlerweile achten Restaurant Day stehen in Berlin sechs Orte zur Auswahl.

Wer sich durch den Tag futtern möchte, fängt am besten in Neukölln an. Start: 13 Uhr, vor dem dritten Fenster der Ossastraße 42 (von der Weichselstraße aus gesehen). Sara Kuisma und Lotta Dufva, zwei junge Frauen aus Finnland, reichen süße und salzige Cupcakes direkt aus ihrer Küche heraus. Aber nur so lange der Vorrat reicht. Dann schließt das Fenstercafé wieder seine Flügel.

Zum Glück kann es ganz in der Nähe, in der Weserstraße, weitergehen mit der Völlerei. Zur Feier des Tages verwandelt sich das Hutatelier „Himo“ von Mimosa Pale in ein verspieltes Café. Es gibt süße und deftige Kuchen und natürlich Hüte – sogar welche, die man essen kann, aus Zuckerwatte. Dazu verspricht Pale Klaviermusik und Performances; sie gibt aber zu: „Für die Sitzgelegenheiten muss ich mir noch etwas einfallen lassen.“

In der Warschauer Straße in Friedrichshain setzt Gastgeberin Françoise Desbois auf ein einfaches Rezept: Sie serviert ihren Gästen in ihrer privaten Küche „Gegrilltes Was-Du-Willst“ – auf Japanisch: Okonomiyaki. So heißen die deftigen japanischen Pfannkuchen, die sich mit vielen Zutaten kombinieren lassen. „Es ist ein leichtes Grundrezept und die Zubereitung geht schnell“, erklärt die Französin, deren Mutter aus Japan stammt.

An einem Restaurant Day muss nicht alles perfekt sein. „Perfektionismus verdirbt einem nur den Spaß an der Sache“, sagt Axel Herrmann aus Charlottenburg. Sein Vier-Gänge-Menü tischt der 30-Jährige kurzerhand in einem Zimmer seiner WG in der Behaimstraße auf. Kochen will er aber mit dem Anspruch eines Gourmets. Der Gurkensalat wird nicht angemacht, sondern „dekonstruiert“, das Ei wird nicht einfach gekocht, sondern bei exakt 64 Grad Celsius gegart. Und wie der „Maître de cuisine“ es schafft, die Karotten „in verschiedenen Texturen“ zu einem Rübli-Kuchen zu verarbeiten, bleibt eine Überraschung. Den Preis für das Nobeldinner sollen die Gäste gerne selbst festlegen dürfen. Ein paar Plätze sind noch frei. Laura Stresing

Mehr Infos: www.restaurantday.org

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