Berlin : Der diskrete Charme des amerikanischen Geistes

Die American Academy feierte Geburtstag

Elisabeth Binder

Der Charme, mit dem Amerikaner Geld für gute Zwecke eintreiben, ist immer wieder verblüffend. „Schauen Sie sich diese Tafel gut an“, sagte Ex-Botschafter Richard Holbrooke den Geburtstagsgästen zum fünfjährigen Bestehen der American Academy. Dabei deutete er auf eine blitzende neue Tafel mit den Namen der Spendern, die dieses herausragende intellektuelle Refugium überhaupt erst ermöglicht haben. „Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie auch drauf stehen möchten, können Sie sicher sein, dass Ergänzungen jederzeit möglich sind.“

Ganz oben auf der Tafel sind Anna-Maria und Stephen M. Kellen. Am Vorabend des Gründungsfestaktes vor fünf Jahren saßen die Vorstandsmitglieder beim Abendessen zusammen, und Anna-Maria Kellen erzählte, wann sie zum letzen Mal durch die Villa am Wannsee ging, ihr einstiges Elternhaus: vor 64 Jahren. Das war, bevor der nationalsozialistische Reichswirtschaftsminister das Haus übernahm. Als das beim Festakt erwähnt wurde, stieß plötzlich der Wind die Tür auf, als sollten mit dem Neubeginn alle eventuell noch vorhandenen alten Geister endgültig weichen. Am Mittwochabend erinnerte Holbrooke an diese Episode: „Ja, dieses Haus hat Geister in sich.“

Inzwischen sind es aber gute Geister, glücklicherweise. Was, wie Academy-Chef Gary Smith betonte, vor allem der unermüdlichen Energie Richard Holbrookes zu danken ist, der unter anderem Stephen und Anna-Maria Kellen, die einst das Land wegen der Nazis verließen, zu der entscheidenden Spende überredeten, die half, dass dies kein Luftschloss blieb. Die Idee dazu entstand 1994, als die US-Truppen aus Berlin abzogen und man nach neuen Traditionen suchte, um die engen Bande zwischen Berlin und den USA zu pflegen. In den fünf Jahren ihrer Existenz hat die American Academy nach Holbrookes Worten versucht, „eine Brücke zwischen den Ländern zu sein.“

Botschafter Dan Coats sagte, dass es „mehr als Freundschaft brauchen“ werde, um die Beziehungen zwischen beiden Ländern in Zukunft zu stärken. Angesichts neuer Bedrohungen könne es immer zu verschiedenen Ansichten darüber kommen, wie ein Ziel am besten zu erreichen sei. „Dies ist ein Forum, sich über solche Dinge auseinander setzen.“ Der republikanische Senator Chuck Hagel aus Nebraska hielt die Dinner-Rede und erinnerte an die vielen persönlichen Bande zwischen den beiden Nationen. Seine Urgroßeltern seien um 1880 aus Deutschland in die USA ausgewandert. Knapp 40 Prozent der Bewohner seines Heimatstaats hätten deutsche Wurzeln. Bei Kürbis-Suppe und Maishuhnbrust unterhielten sich unter anderem der Publizist Melvin Lasky, Otto Schily, John Kornblum und Wolfgang Schäuble. Auch einige Stipendiaten waren dabei, Repräsentanten der guten Geister des Hauses.

Richard Holbrooke lobte die Frau des früheren US-Botschafters, Vorstandsmitglied Gahl Burt, dafür, dass sie sowohl hoch anspruchsvolle politische Reden hält als auch, wenn nötig, schnell mal mit dem Staubtuch durch die Räume geht. Es herrscht in diesem Haus eben ein Geist, der für manche deutsche Institution selbst ein dankbares Studienobjekt wäre.

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