Berlin : Der Doktor und das viele Vieh

Ab morgen ist Tierparkchef Bernhard Blaszkiewitz auch für den Zoo zuständig. An beiden Standorten wird sich dieses Jahr viel tun

Heidemarie Mazuhn

„Irgendetwas mit Viechern“ wollte Tierparkdirektor Bernhard Blaszkiewitz schon mit fünf Jahren werden. Ab dem morgigen Mittwoch ist der bald 53-Jährige für 23 000 Tiere verantwortlich. Dann ist er nämlich auch Chef des Berliner Zoos. Und kann damit noch leichter seinem guten Vorsatz nachkommen, der da lautet: täglich mindestens ein Tier anfassen.

Im Zoo kennt er sich aus. Dort arbeitete der gebürtige Tempelhofer schon während seiner Zeit als Biologiestudent an der Freien Universität zwei Mal wöchentlich als Tierpfleger. Nach Zwischenstationen in Frankfurt/Main und Gelsenkirchen kam er 1984 zurück in den Zoo, promovierte und war Kurator für Säugetiere – bis er 1991 nach Friedrichsfelde abwanderte.

Zoochef wird Blaszkiewitz im zweiten Anlauf. 2002 hatte er sich schon mal um den international ausgeschriebenen Posten beworben, als der damalige Direktor Hans Frädrich in den Ruhestand ging. Viel Knatsch vor und hinter den Zookulissen hatte es um die Besetzung des begehrten Postens gegeben, war dafür doch auch Heiner Klös, der Sohn des Zoo-Altdirektors Hans-Georg Klös, ins Gerede geraten. Erst die Berufung des Aquariumchefs Jürgen Lange zum Zoodirektor beendete 2002 den Hickhack um die Nachfolge Frädrichs. Die Regelung der Nachfolge für Lange, der wie berichtet, zu heutigen 65. Geburtstag ausscheidet, verlief dagegen eher unspektakulär. Dass Bernhard Blaszkiewitz im Zoo der neue Chef wird und im Tierpark der alte bleibt, war im Juli 2006 beschlossen worden.

Unaufgeregt geht er an die doppelte Chefsache heran – in jeweils drei und zwei Tage will er sich die Arbeitswoche in beiden Einrichtungen aufteilen und sich anfangs natürlich etwas mehr dem Zoo widmen. Dass es „dort ’ne Menge Mitarbeiter gibt, die sich auf ihn freuen“, erleichtert ihm den Start, und auf seine Leute im Tierpark kann er sich eh verlassen. Dort will er vor allem an den Wochenenden nach dem Rechten sehen – „damit die Besucher nicht denken, der Blaszkiewitz ist weg“.

Der aus dem Polnischen kommende komplizierte Name ist unter den Tierparkbesuchern, 900 000 waren es 2006, inzwischen ebenso bekannt, wie weiland der seines legendären Vorgängers Heinrich Dathe. Der West-Berliner Bernhard Blaszkiewitz kannte und schätzte den Ost-Berliner aus Sachsen seit 1984. Nur eines will er sich nicht von Dathe zum Vorbild nehmen – „bis 80 arbeite ich nicht“.

Umzugskisten packt er jetzt auch nicht, Blaszkiewitz bleibt in Friedrichsfelde hinter den Wisenten wohnen. „Von hier bis zum Zoo sind es 35 bis 40 U-Bahnminuten“, erklärt der BVG-Nutzer. Auch seinen „Privatzoo“ lässt er im Tierpark. Dort wimmelt es in seinem Büro von Elefanten, Nashörnern und sogar einem Küken. Die plüschenen, steinernen, bronzenen und hölzernen Devotionalien und Geschenke stammen aus anderen Zoos, von Besuchern und Mitarbeitern. An den Wänden Fotos, die eine Leidenschaft von Blaszkiewitz belegen: fremde Zoos kennenzulernen. „Sind die schlecht, muss ich mich nicht ärgern; sind sie gut, kann ich was lernen.“ Auf einem Foto schmust er im Moskauer Zoo mit einem Walross – „große dicke Tiere“ liebt er, besonders das Nashorn, „weil es stark, sensibel und ein Individualist ist“.

Irgendwie trifft das auch auf den Doppel-Direktor zu, der sich im November in Tansania einen Kindheitstraum erfüllte: Er besuchte die Serengeti und auch Grzimeks Grab. Der cineastischen Vorliebe kann er nicht so oft frönen wie der tierischen – den neuen Bond hat er sich aber angeschaut, und das Buch des Namensgebers für die filmische Geheimdienstikone 007 steht in seinem Regal: „The Birds of the West Indies“ von dem Ornithologen James Bond.

Städtereisen sind auch sein Ding. Ostern will der bekennende Katholik diesmal aber nicht zumPapst nach Rom – Teneriffa ist das geplante Reiseziel – Himmelfahrt soll es nach Florenz gehen.

Nicht gegen-, sondern miteinander soll es in Zoo und Tierpark gehen, wünscht sich Blaszkiewitz. Neues steht hie und da genug ins Haus: In Friedrichsfelde im Frühjahr dreifacher afrikanischer Elefantensegen und für die Sekretäre – stelzenbeinige afrikanische Greifvögel – eine neugestaltete Anlage. Im Zoo wird das Nachttierhaus eröffnet, weitere Projekte sind geplant. Nicht umkrempeln, sondern profilieren will der neue Chef – den landschaftlichen Charakter des Tierparks ebenso ausbauen wie die dicht gelegenen Zooattraktionen.

Dass er für die „unauffällige Bildungsarbeit“, die in Zoo und Tierpark für die Volksbildung und Erholung betrieben wird, nicht aus dem Vollen schöpfen kann, weiß er – ohne Klassenlotterie ginge nicht viel. Bange ist Blaszkiewitz aber nicht, dass ihm der Senat irgendwann den immer spärlicher tröpfelnden Geldhahn ganz abdreht. Ab 2008 erhalte man für weitere vier Jahre vom Senat einen neuen Zuwendungsvertrag. Die Bedeutung von jährlich zusammen etwa 3,3 Millionen Besuchern in Zoo und Tierpark sei der Stadt bewusst, sagt Blaszkiewitz. Dass das geplante Riesenrad am Zoo noch ein paar mehr Besucher anziehen könne, davon ist Bernhard Blaszkiewitz überzeugt. Um die Zootiere macht er sich dabei wie sein Amtsvorgänger Jürgen Lange keine Sorgen – „die gewöhnen sich schnell an das Riesenrad“.

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