• Der Druck auf FDP-Chef Wolfgang Gerhardt wächst: "Mit einem angezählten Boxer kann man keine Wahlen mehr gewinnen"

Berlin : Der Druck auf FDP-Chef Wolfgang Gerhardt wächst: "Mit einem angezählten Boxer kann man keine Wahlen mehr gewinnen"

In der FDP wächst der Druck auf Parteichef Wolfgang Gerhardt. Der Vorsitzende der Jungen Liberalen, Daniel Bahr, kündigte an, es werde am Montag bei der Vorstandssitzung "Druck gemacht". Die FDP brauche einen "Neuanfang als radikale Reformpartei", sagte er der "Welt am Sonntag". Diesen Neuanfang könne man nur durch einen Wechsel in der Partei- und Fraktionsspitze verkaufen. "Mit einem angezählten Boxer kann man keine Wahlen mehr gewinnen." Auch Vorstandsmitglied Martin Matz forderte eine neue Führung sowie die "Trennung von Partei- und Fraktionsvorsitz". Zudem müsse "sich die Konzeption der FDP ändern". Matz sprach sich in der Zeitung "B.Z. am Sonntag" dafür aus, noch in diesem Jahr einen Sonderparteitag einzuberufen.

Bahr sprach sich für ein Führungsteam aus Generalsekretär Guido Westerwelle als Fraktionschef und dem rheinland-pfälzischen Landesvorsitzenden Rainer Brüderle als Parteichef aus. Dieses Duo könne bereits im November auf einem Sonderparteitag installiert werden, wenn Gerhardt am Montag die Konsequenzen ziehe, sagte Bahr der "WamS". Der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Jürgen Möllemann appellierte an die drei Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher, Walter Scheel und Otto Graf Lambsdorff, einen Personalvorschlag für die FDP-Führung zu machen. "Dem könnte und würde sich keiner der Beteiligten entziehen", sagte er der Zeitung. Genscher hatte zuletzt Berichte dementiert, die drei Ehrenvorsitzenden würden Gerhardt zum Rücktritt drängen.

Aus der Fraktion erhielt Gerhardt hingegen Rückendeckung. "Wahlen werden von der Partei gemeinsam gewonnen und verloren", sagte der frühere FDP-Vorsitzende Klaus Kinkel der "Welt am Sonntag". Nach Ansicht des wirtschaftspolitischen Sprechers, Paul Friedhoff, liegt das Problem nicht bei Gerhardt, sondern bei denen, die "ihn schwächen wollen". Der außenpolitische Sprecher Ulrich Irmer klagte über "destruktive Kräfte", die nicht eher ruhten, bis "sie die Partei kaputt geredet haben".

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