Berlin : Der Einzelfahrschein wird teurer

Preis steigt um 10 Cent, weil Tarife für Schüler- und Geschwisterkarten unverändert bleiben sollen

Klaus Kurpjuweit

Das Feilschen um die Höhe der künftigen Tarife im Nahverkehr setzt sich bis zum Schluss fort. Nun sollen Käufer von Einzelfahrscheinen – und damit auch von Tageskarten – im Stadtgebiet 10 Cent mehr zahlen, damit die Preise für Schüler- und Geschwistertickets unverändert bleiben können. Mit dieser Variante hat sich die Politik gegenüber der BVG und der S-Bahn durchgesetzt, nach deren Willen Schüler- und Geschwisterkarte um einen oder 1,50 Euro teurer werden sollten. Dann wäre der Preis für den Einzelfahrschein unverändert geblieben. Diese Variante war, wie berichtet, am Wochenende noch favorisiert worden. Gleich bleibt mit 2,60 Euro nur das ABC-Einzelticket für Berlin und das Umland.

Der Senat wolle ein familienpolitisches Zeichen setzen, hieß es gestern nach der Senatssitzung, auf der die neuen Tarife vorgestellt worden waren. Die endgültige Entscheidung trifft der Aufsichtsrat des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) am Donnerstag. Genehmigt werden die Tarife dann von der Stadtentwicklungsverwaltung. Die neuen Preise sollen vom 1. August an gelten.

Mit der Erhöhung des Preises für den Einzelfahrschein sind die Verkehrsbetriebe, wie verlautet, nicht glücklich. Der Preis war erst im August von 2,20 Euro auf 2 Euro gesenkt worden. Mit dem niedrigeren Preis wollte man Kunden gewinnen. Und tatsächlich wurden auch mehr Fahrscheine als zuvor verkauft. Verbunden war die Preissenkung aber mit einer eingeschränkten Gültigkeit. Seither darf man nur noch auf kürzestem Weg zum Ziel fahren. Für Hin- und Rückfahrt müssen seither zwei Fahrscheine gekauft werden, was die Fahrt innerhalb von zwei Stunden um 82 Prozent verteuerte. Mit 2,10 Euro kostet der Einzelfahrschein – bei eingeschränkter Nutzung – nun wieder so viel wie Anfang 2002 bei der Euro-Einführung. Der neue Preis verteuert auch die Vertriebskosten. Fahrgäste, die 3 Euro am Automaten einwerfen, erhalten dann 90 Cent zurück. So wird der Wechselgeldaufwand viel höher sein als jetzt bei „glatten“ 2 Euro.

Die Verkehrsbetriebe hätten deshalb lieber die Preise für Schüler- und Geschwisterkarten erhöht. Ihr Plan, die Geschwisterkarte abzuschaffen und Schülerkarten in zwei Altersklassen zu teilen, war am Widerstand der Politik gescheitert. Gerechtfertigt wäre eine leichte Erhöhung auch gewesen, so meint die BVG, weil Senat und Bund beim Schülerverkehr Zuschüsse in Höhe von 40 Millionen Euro gestrichen haben. Die Zeche dafür zahlen jetzt die Käufer des Einzeltickets sowie die Monats- und Jahreskartenkunden. Seit 2000 ist der Preis für die Monatskarte bereits um 26 Prozent gestiegen, die Verbraucherpreise dagegen nur um knapp sechs Prozent.

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