Berlin : Der Energieversorger braucht die buntscheckige Konkurrenz nicht zu fürchten

Thomas Loy

95 Prozent der Haushalte sind noch nicht umgestiegen - der Bewag-Öko-Strom wird stärker als erwartet nachgefragtThomas Loy

Die Berliner halten ihrem Stromerzeuger Bewag die Treue. Etwa 95 Prozent der 1,5 Millionen Haushalte haben sich nach einer ersten Bilanz des Unternehmens für den Standard-Tarif Berlin Klassik und dessen Plus-Variante entschieden. Gerechnet hatte die Bewag nur mit 60 Prozent. Entsprechend gut ist die Stimmung. "Wir haben das Klassenziel erreicht", sagte Bewag-Sprecher Uwe Lemm gegenüber dem Tagesspiegel.

Nach der Preissenkung vom 1. November konnten sich die Berliner für fünf Varianten entscheiden: Berlin Klassik (Grundpreis: 5,50 Mark im Monat, Verbrauchspreis: 30,3 Pfennig pro Kilowattstunde), Berlin Klassik plus (16,90 Mark, 25 Pfennig), Öko Pur (5,50 Mark, 39,4 Pfennig), Multi Connect (20,4 Mark, 22,5 Pfennig) und Multi Connect 24 (19,80 Mark, 21,8 Pfennig). Den Tarif Berlin Klassik erhielten automatisch alle Kunden, die bis zum 15. November keine der anderen vier Preisvarianten beantragt hatten. Bei einem Jahresverbrauch von 2500 Kilowatt (Pärchen-Haushalt) bedeutet das eine Einsparung von ungefähr zehn Prozent. Der Strom wird von der Bewag in ihren eigenen Anlage erzeugt.

3,5 Pozent der Verbraucher entschieden sich für die Version Klassik Plus mit einem höheren Grundpreis und niedrigeren Verbrauchskosten. Bei einem Jahresverbrauch von 3000 Kilowatt liegt die Einsparung hier bei 12,2 Prozent oder knapp 133 Mark. Der Vertrag läuft über mindestens ein Jahr.

Erfreulich ist laut Bewag auch die Bilanz beim teureren Öko Pur-Strom. Hier hatte man mit 1500 Haushalten gerechnet. Tatsächlich entschieden sich bis jetzt etwa 4000 Haushalte für Strom aus regenerativen Quellen wie Wind, Wasser und Sonne, das sind ungefähr 0,2 Prozent aller Berliner Stromverbraucher. Bei einem Jahresverbrauch von 2500 KW entstehen mit Öko Pur Mehrkosten von etwa 15 Prozent. Dafür gibt es ein Öko-Zertifikat des WWF.

Darin ist laut Bewag festgehalten, dass genau so viel Öko-Strom in ihr Netz eingespeist wird wie ihre Kunden geordert haben. Der Strom, mit dem Öko Pur-Fans ihren Toaster füttern, kommt also nicht etwa aus einem Solarmodul. Es könnte auch Atomstrom aus Westdeutschland oder Braunkohlestrom aus der Niederlausitz sein. Deshalb fordern Umweltschützer, zunächst abzuwarten und später Strom von einem "richtigen" Öko-Anbieter zu beziehen.

Für die dritte und billigste Variante, Multi Connect, entschieden sich bislang insgesamt vier Prozent der Verbraucher, darunter 2,5 Prozent für eine Vertragslaufzeit von 24 Monaten (19,80 Mark, 21,8 Pfennig). Bei einem Jahresverbrauch von 2500 KW können bis zu 133 Mark eingespart werden, das sind 14,5 Prozent. In der Regel ist die Stromquelle ein Atomkraftwerk.

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