DER ERMITTLER : DER ERMITTLER

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1800 Tische, 3600 Stühle – das ist Hans-Joachim Wippings Sommerbilanz. In den vergangenen Wochen hat der Schulhausmeister vom Max-Planck-Gymnasium in Mitte alle Klassenzimmer leer geräumt, damit sich die Schule schön machen kann für das Wiedersehen mit den Schülern am Montag. Kaum waren die Möbel draußen, rückten die Putzkolonnen an. Tagelang kehrten, saugten und wischten sie, dann schleppte Wipping alle Stühle und Tische zurück an ihren Platz.

Ob die Schüler das würdigen werden, ist ungewiss, Wipping jedenfalls freut sich richtig auf ihre Rückkehr. Ohne sie, sagt er, sei es doch irgendwie langweilig, und frei habe man ja trotzdem nicht, manchmal habe man in den Ferien sogar noch mehr zu tun. 15 Stunden habe er allein damit zugebracht, die ganzen Graffiti zu entfernen. „Wenn das wenigstens vernünftige Bilder wären.“ Allerdings hat der Hausmeister sich inzwischen auch in die Gepflogenheiten und Feinheiten von Graffiti eingearbeitet. So hat er festgestellt, dass sich die Schriftzüge wiederholen, die Schüler sie nicht nur auf die Wände, sondern auch auf Hefte und Taschen schreiben. Und das macht Wipping sich zunutze. „Eigentlich“, sagt er, „finde ich immer heraus, von wem so ein Graffiti ist.“ Seine Methode: Herumgucken und Schriftzüge vergleichen. Und dann – das sei das Wichtigste, sagt Wipping – nicht nur eine Strafe aussprechen, sondern auch mit den betreffenden Schülern reden. „Wie fändet ihr es denn, wenn ich zu euch nach Hause käme und was auf euren Schrank malen würde?“, hat er sie zum Beispiel gefragt. Und einige, da ist er sich sicher, haben sich das zu Herzen genommen. Zumindest hat er dieses Jahr weniger Graffiti entfernt als sonst.

Überhaupt ist das Reden für Wipping eine der Hauptdisziplinen, wenn man ein guter Hausmeister sein will. Er zumindest hatte damit meist Erfolg, und immerhin arbeitet er seit 1986 in diesem Beruf. Bald wird er in Altersteilzeit gehen, aber manchmal, sagt er, habe er schon überlegt, das rückgängig zu machen, so gut gefalle es ihm an seinem Gymnasium. Die Schüler würden sogar jedes Mal grüßen, wenn sie ihm begegneten. Ob man das glauben könne, fragt er und schüttelt ebenso erstaunt wie glücklich den Kopf. Verena Friederike Hasel

Hans-Joachim Wipping, 59, im Beruf seit 1986, seit zwei Jahren am Max-Planck-Gymnasium in Mitte

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