Berlin : Der Euro ist da: Ein Dukatenberg wie bei Dagobert

Thomas Loy

Der Euro - er kommt. Man könnte auch sagen: Er ist schon da. Milliarden von Banknoten und Münzen werden seit Frühjahr 1999 gedruckt und geprägt, nur haben sie bislang keine Abnehmer - also wohin damit? Die Euro-Scheine landen im Großraum-Tresor des alten Reichsbankgebäudes am Werderschen Markt, das eine Hauptstelle der Landeszentralbank Berlin-Brandenburg (Zweigstelle der Bundesbank) und das Auswärtige Amt beherbergt.

In die in den 30er-Jahren erbaute Schatzkammer werden die Banknoten eingelagert, die für die Hauptstadt bestimmt sind. Für die Region Berlin und Brandenburg sind insgesamt 284 Millionen Scheine im Wert von 16,9 Milliarden Euro vorgesehen. Für die schweren, platzraubenden Euro-Münzen musste ein externes Lager gefunden werden, das möglichst unzugänglich und sicher ist. Fündig wurde man bei der Bundeswehr.

Die Soldaten der Julius-Leber-Kaserne im Wedding hüten derzeit den Münzschatz für Berlin und Brandenburg. In einem mit Sicherheitstechnik aufgerüsteten Fahrzeugschuppen im südlichen Kasernengelände werden 1,1 Milliarden Münzen im Wert von 338,5 Millionen Euro eingelagert - mehr als 90 Prozent davon sind schon da - ein Dukatenberg von Dagobertschen Ausmaßen. Das angemietete Lager wird zum Kasernengelände durch einen Zaun abgeschirmt, aber der Truppe sind die vielen Geldtransporter natürlich nicht entgangen. "Die fahren hier ein und aus", heißt es.

Offiziell weiß man jedoch nichts von den Euro-Millionen. Der für Pressearbeit zuständige Hauptfeldwebel verweist an das Bundesinnenministerium - dort sitzt der "Koordinator für Sicherheitsfragen bei der Euro-Umstellung", Staatssekretär Claus Henning Schapper. Seine Sprecherin, Gabi Holtrup, erklärt die Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und Bundesbank als übliche "Amtshilfe", die schon bei der Lagerung von DMark-Beständen in der Vergangenheit genutzt worden sei, und zwar in allen Bundesländern. "Das ist kein Geheimnis." Geheim sind dagegen aus Sicherheitsgründen die tatsächlichen Lager-Standorte. Offen sei noch, inwieweit die Bundeswehr in der Umtauschphase ab 1. Januar 2002 "logistische Unterstützung" leiste, also Lastwagen für den Transport des Euro-Geldes zu den Banken zur Verfügung stelle.

Zumindest für die 650 Kilo schweren Münz-Container müssten nicht unbedingt gepanzerte Transporter eingesetzt werden, so Holtrup. In der Julius-Leber-Kaserne werden rund 8 500 dieser Münz-Container gestapelt. Sie bringen ein Gesamtgewicht von 5 100 Tonnen auf die Waage. Das Kleingeld liegt nicht offen in den Containern, sondern in einem Gebinde mit je zehn Münzrollen. Die Halle wird von einem privaten Wachschutz gesichert. Es bestehe kaum ein Sicherheitsrisiko, sagt Friedhelm Meier, Eurobeauftragter der Landeszentralbank. Diebe müssten schon mit großem Gerät anrücken. Fotografieren dürfe man den Euro-Schatz allerdings nicht.

Die Münzen sind für die Euro-"Erstausstattung" und die "logistische Reserve" der Region Berlin-Brandenburg gedacht. Ab September können sie von den Banken angefordert werden. Schon jetzt stellt sich die LZB auf die Rücknahme des alten DM-Geldes ein. Die Umlaufmenge wird auf rund 1,7 Milliarden Altgeld-Münzen geschätzt. Im Mai beginnt eine Werbeaktion mit Prominenten, um die stillen Kleingeld-Reserven aus Sparstrümpfen und Kaffeekassen zu mobilisieren. Auch die alten Münzen kommen zunächst in die Leber-Kaserne, werden dort gezählt, in einer speziellen Anlage "deformiert" und anschließend als Metall-Schrott wiederverwertet. "Damit werden wir bis Ende 2003 beschäftigt sein", schätzt Meier. Die Banknoten werden genau wie die Münzen von den Banken eingetauscht. Die alten Scheine wandern in die Schredderanlagen der LZB und sollen in der Sekundärrohstoffanlage Schwarze Pumpe zu Methanol verarbeitet werden. Die Verhandlungen darüber laufen allerdings noch, so Meier.

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