Berlin : Der Euro kommt - und die Mieterhöhung durch die Hintertür

Annette Kögel

Die Überraschung lag im Briefkasten. Im Zuge der Umstellung von D-Mark auf Euro müsse die Mieterin nun einen neuen Vertrag unterschreiben, hieß es im Schreiben der Hausverwaltung. Der Haken: Mit ihrer spontanen Unterschrift hätte die Frau beinahe einer künftigen Staffelmiete zugestimmt. Plötzlich umgewandelte Mietverträge, teurere Versicherungssummen, erhöhte Preise: Im Zuge der neuen Europa-Währung sahen sich schon viele Menschen getäuscht. Zahlreiche Berliner haben sich bereits an den Mieterverein gewandt - und auch die Verbraucherzentrale will solche Fälle sammeln.

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Der Euro kommt - Infos zur Währungsumstellung Bei Mietverträgen hoffen jetzt einige Verwalter auf die schnelle Mark - beziehungsweise den Euro. "Etliche Hausverwaltungen haben schon versucht, neue Verträge vorzulegen, die zum Nachteil des Mieters ausfallen", bestätigt Hartmann Vetter, Hauptgeschäftsführer des Mietervereins. Plötzlich soll Staffelmiete gezahlt werden - oder Schönheitsreparaturen sollen künftig vom Mieter getragen werden. "Einen solchen Staffel-Mietvertrag braucht aber niemand zu unterschreiben. Solch eine Praxis ist unzulässig, der alte Vertrag gilt weiter", rät Hartmann Vetter. Die Daueraufträge und Einzugsermächtigungen würden von den Banken automatisch umgerechnet. Insgesamt gibt es in Berlin 1,45 Millionen Mieter-Haushalte.

Doch nicht nur unvermittelte Staffelverträge beunruhigen Mieter. Viele Berliner kommen plötzlich auf eine bis zu 20 Mark erhöhte Monatsmiete, wenn sie den neuen Eurobetrag (1 Euro gleich 1.95583 DM) im neuen Vertragswerk umrechnen. "Darüber haben schon viele Teilnehmer in meinen Schulungen geklagt", berichtet Hannelore-Maria Strahlendorf, Euro-Beauftragte im KaDeWe. Doch wenn Vermieter den Betrag erhöhen, darf er den ortsüblichen Betrag nicht übersteigen und muss auf gesetzlich vorgeschriebene Weise Schritt für Schritt erläutert werden, sagt Hartmann Vetter. Um den Berlinern bei der Orientierung zu helfen, will die Senatswohnungsverwaltung bald den Berliner Mietspiegel mit Euro-Beträgen veröffentlichen.

Nicht nur bei neuen Mietverträgen ist der Ärger groß. "Ich war so sauer, ich hätte gleich kündigen sollen", sagt Frau Strahlendorf, selbst von Verteuerung im Zuge der Euro-Umstellung betroffen. Für ihre Rechtschutzversicherung zahlte die 48-Jährige aus Schöneberg bislang 235 Mark jährlich. "Dann wurde mir ein neuer Fünf-Jahres-Vertrag angeboten - für 580 Euro im Jahr." Von ausgedehnten Leistungen aber keine Rede. Auf telefonische Anfragen meldete sich die Versicherung nicht zurück. Ein Fall für die Verbraucherzentrale.

Schon einige Versicherungen, aber auch andere Firmen haben die Preise etwa für Backwaren oder Putzmittel durch die Hintertür erhöht, bestätigt die Vorsitzende der Verbraucherzentrale, Thea Brünner. Etwa bei Schwellenpreisen: 12,99 DM sind umgerechnet 6,64 Euro - die Versuchung, aufzurunden, ist hoch. Probleme erwartet die Verbraucherzentrale auch nach der Umstellung im neuen Jahr. "Wir raten Berliner Einzelhändlern, aufzupassen, dass sie im neuen Jahr nicht als Wechselstuben missbraucht werden", sagt Thea Brünner von der Verbraucherzentrale. Die Leute zahlen womöglich noch alle mit D-Mark und wollen Euro herausbekommen - statt das Geld bei der Bank umzutauschen. "Wir raten den Einzelhändlern deswegen, mit zwei Kassen zu arbeiten." Es gibt aber auch positive Überraschungen. Die Mietervereins-Mitgliedschaft wird zwar bei Neueintritten ein wenig teurer - aber für die 150 000 Alt-Mitglieder billiger: Sie zahlen umgerechnet 12,42 statt vorher 12,50 Mark im Monat. Auch Knöllchen kosten künftig weniger: Die meisten Beträge wird das Bundesverkehrsministerium einfach halbieren - und statt 75 DM werden gar nur noch 35 Euro verlangt.

Verbraucherzentrale, Bayreuther Straße 40, 10787 Berlin, z.Hd. Thea Brünner. Der Berliner Mieterverein hat die Telefonnummer 226 26-0. "Infos zum Euro" heißt eine Infoveranstaltung mit Experten, zu der eine Initiative des Senats, von Banken und und anderer Träger ab 20. November jeden Dienstag lädt: Amerika Gedenk-Bibliothek (Bereich 5 / Allgemeine Information), Blücherplatz 1, Kreuzberg, jeweils 17 bis 19 Uhr.

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