Berlin : Der Euro zieht die Reisenden runter

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Von Rainer W. During

Der Euro ist schuld an den drastischen Einbrüchen im Berliner Luftverkehr. Diesen Schluss legt jedenfalls eine Repräsentativumfrage nahe, die die Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF) in Auftrag gegeben hat. Wie berichtet, ging das Passagieraufkommen an den Berliner Flughäfen in den ersten fünf Monaten des Jahres 2002 um 11,1 Prozent zurück.

Nach der Umfrage will jeder fünfte Berliner nach der Euroeinführung seltener fliegen. Mit den Preisen ist die Verweigerung nicht zu erklären, denn die Tickets sind nicht teurer geworden. Trotzdem geht der Trend dahin, kürzere und preisgünstigere Flugreisen zu buchen, verstärkt auf Last-Minute-Angebote zurückzugreifen oder Bahn, Bus oder Pkw zu benutzen. Die Wirkung des Euro sei stärker als zunächst angenommen, sagte der Vorsitzende der BBF-Geschäftsführung, Götz Herberg. Mit verstärkten Fluggast-Offensiven wie einem Kundenclub für Benutzer des Flughafens Schönefeld, versuche man, der Entwicklung entgegenzuwirken.

Wegen des stark zurückhaltenden Buchungsverhaltens haben zahlreiche Reiseveranstalter ihre Kapazitäten reduziert und Luftverkehrsgesellschaften ihre Flüge zusammengelegt. So werden manche Flüge über zwei Abflug- oder Zielorte geführt und Urlaubsziele, die ursprünglich ab Schönefeld und Tegel angeboten wurden, nur noch von einem der beiden Flughäfen aus angesteuert. So ist auch die Zahl der Last-Minute-Angebote begrenzt, auf die sich viele Urlauber in diesem Jahr verlassen.

Mit einem Minus von 18 Prozent und 545 802 Passagieren liegt Schönefeld im Abwärtstrend nur knapp hinter Tempelhof, wo mit 259 586 Reisenden bis Ende Mai ein Rückgang um 20,1 Prozent verzeichnet wurde. Tegel ist mit 3,6 Millionen Reisenden und einer Abnahme von nur 9,2 Prozent weiterhin Spitzenreiter unter den Berliner Flughäfen. Auch bei den Flugbewegungen und beim Luftfrachtaufkommen gab es einen deutlichen Rückgang. Die Zahl der Starts und Landungen an allen drei Berliner Flughäfen ging in den ersten fünf Monaten des Jahres um 4,8 Prozent auf 85 939 zurück. Die umgeschlagene Fracht verzeichnete mit 14 871 Tonnen eine Abnahme um 14,9 Prozent. Während es hier in Tegel den größten Einbruch gab, verzeichnete Schönefeld mit 6,2 Prozent das einzige Plus.

Wie berichtet, haben die Einbrüche zu einer erneuten Diskussion um die frühzeitige Schließung des Flughafens Tempelhof geführt, dessen Betrieb jährlich rund 10 Millionen Euro kostet. Die Lufthansa, die zuvor noch betont hatte, der Zentralflughafen werde als „Überlaufventil“ benötigt, hatte nach ihrer Beteiligung an Eurowings auch die stark frequentierten Nürnbergflüge nach Tegel verlagert. Schönefeld ist als Standort des neuen Großflughafens vorgesehen, bei dessen Inbetriebnahme auch Tegel geschlossen werden soll.

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