Berlin : Der ewige Rotzlöffel

Macaulay Culkin spielt das „Partymonster“. Ansonsten sieht er immer noch wie „Kevin“ aus

Matthias Oloew

Wie wird man ein Image los, das man gar nicht haben möchte? Ganz einfach. Man behauptet, diesem Image nie entsprochen zu haben. Macaulay Culkin macht das so, am Sonntag, kurz vor der Premiere seines neuen Films „Partymonster“ im Panorama der Berlinale. War also die Rolle des Drogen- und Sexsüchtigen Michael Alig, den er gibt, eine bewusste Entscheidung, um sein Image als „Kevin, allein zu Haus“ endlich los zu werden? Culkin antwortet, was man halt so antwortet, als Leinwandstar, der in den Köpfen einer ganzen Kinogeneration als kleiner, blonder Rotzlöffel in Erinnerung ist: „Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht. Der Film war eine Herausforderung, eine Rolle, die ich unbedingt immer machen wollte, und ich bin sehr stolz auf das Ergebnis.“

Einen Rotzlöffel gibt er auch in „Partymonster“, aber einen, der im Rausch der Drogen, der Clubs und der Musik im New York der frühen Neunziger die Bodenhaftung verliert. Aber es ist erstaunlich, wie wenig sich Culkin auf der Leinwand, aber auch live, auf der Pressekonferenz, dem roten Teppich, oder dem Hotel, verändert hat. Größer ist er geworden, klar, aber sonst ist alles so wie immer. Die blonden Haare, der kindliche Schmollmund, die Kulleraugen. Wenn er auf der Leinwand im Slip durch die Club-Szenerie taumelt, ist das gewöhnungsbedürftig. Als Kevin hatte er schließlich immer Hosen an. Jetzt sitzt er da, steckt sich eine Zigarette an, nimmt einen kurzen Zug, ascht ab, wo noch nichts abzuaschen ist, und wir haben verstanden: Der Kevin ist jetzt erwachsen.

Sonnabend früh ist er mit der ganzen Truppe in Berlin eingeflogen, am Sonntagabend steht die Filmpremiere im Zoo-Palast an. Allerdings ohne die schillernden Club-Kids, die ihn die ganze Zeit im Film umgeben. Sein Kompagnon James St. James zum Beispiel, oder auch die Dealer Angel, der wechselnd mit roten oder weißen Engelsflügeln auftritt. Die Club-Kinds machten Michael Alig in den Neunzigern zum Star, er war der angesagteste Party-Veranstalter. Sie alle lebten nach dem Warhol-Motto „Don’t dream it, be it“. Heute sitzt Alig im Gefängnis, den Film hat er noch nicht sehen können. Aber, so Macaulay Culkin, er ist immer noch ein Star: „Als wir zu ihm fuhren, um mit ihm über die Zeit zu reden, dauerte es fünf Stunden, bis wir in dem Gefängnis ankamen und dann noch einmal zwei Stunden, weil er uns warten ließ.“ James St. James, Autor des Films, eine der Hauptfiguren und Aligs Freund, ergänzt: „Dabei sah Michael zu seinen besten Zeiten nicht so gut aus wie Macaulay.“

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