Der Fall Dagobert : Verbrecher und Volksheld

Für Schriftsteller Horst Bosetzky repräsentierte er eine „kollektive Wunschvorstellung“: Wie Arno Funke alias Dagobert zum Mythos wurde.

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Entgleist. Dagoberts Lore, die 1994 zur Lösgeldübergabe eingesetzt wurde.
Entgleist. Dagoberts Lore, die 1994 zur Lösgeldübergabe eingesetzt wurde.Foto: picture-alliance / dpa

DER MYTHOS

„Die Franzosen haben ihren Rififi, die Engländer ihren Postraub – und wir nun endlich unseren Dagobert“. Das schrieb der Schriftsteller Horst Bosetzky 1994 kurz nach Funkes Verhaftung. Der Kaufhauserpresser, der jetzt im RTL-Dschungelcamp auftritt, stehe für eine „kollektive Wunschvorstellung“: Pfiffig führe er die Reichen und Mächtigen an der Nase herum. Das mache ihn, so Bosetzky, zum „Volkshelden“.

DIE FAKTEN
Funkes Popularität lag auch daran, dass er sich neben sechs Bombenanschlägen, bei denen niemand verletzt wurde, intensiv mit der Problematik der Geldübergabe auseinandersetzte – und trotz ausgefeilter Erfindungen bei insgesamt 30 Versuchen so kläglich scheiterte wie kaum ein anderer. Die spektakulärsten Momente:

14. AUGUST 1992: Funke weist die Polizei an, eine mit Geld gefüllte Kiste per Magnet an einen Bahnwaggon zu heften. Über Funksignal löst er die Kiste vom Zug und verschwindet – mit einem Haufen Papier.

19. APRIL 1993: Funke lässt das Geldpaket in eine Steglitzer Streusandkiste legen. Während die Polizei dem Erpresser auflauert, flüchtet er mit Beute in der Kanalisation. Er hatte die Kiste auf einen präparierten Gullydeckel gestellt. Auch diesmal ist kein echtes Geld drin.

22. JANUAR 1994: Die Beamten sollen das Geld in eine selbst gebaute Lore legen, die auf einer Bahnschiene fährt. Kurz bevor es bei Funke ankommt, entgleist das Gerät.

22. APRIL 1994: Funke wird geschnappt, als er per Telefon Anweisungen für eine Geldübergabe durchgeben will.

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