Der Fall Hani : Staatsanwalt erhebt Anklage

Im April letzten Jahres wurde die verkohlte Leiche der 14-Jährigen Kristina Hani in einem Neuköllner Park gefunden. Ein 17-Jähriger soll dem Mädchen Heroin gegeben haben. Doch der Verteidiger sagt im Gericht: "Da ist nichts dran“.

Kerstin Gehrke
Kristina
Kristina Hani. -Foto: ddp

Die Ereignisse fielen zusammen: Der Prozess wegen Drogenhandels, die Anklage im Fall Kristina Hani. Doch Ali K. wirkte gestern eher lässig, als er flankiert von zwei Wachtmeistern den Saal B 145 im Moabiter Kriminalgericht betrat. Der heute 18-Jährige, der für den Tod der 14-jährigen Kristina H. verantwortlich sein soll, war in einem anderen Verfahren einer von fünf jugendlichen Angeklagten.

Ali K. soll der Schülerin eine tödliche Dosis Rauschgift überlassen haben. Die Leiche war am 16. April 2007 in einem verbrannten Rollkoffer in der Grünanlage Thomashöhe in Neukölln gefunden worden. Erst eine Woche später konnte die Identität der Toten geklärt werden. Zunächst waren die Ermittler überzeugt, dass die Schülerin bei lebendigem Leib in den Koffer gezwängt und verbrannt wurde.

Die Anklage geht von versuchtem Mord durch Unterlassen aus, bestätigte Justizsprecher Michael Grunwald. Ali K., damals 17 Jahre alt, soll der Schülerin den Konsum einer hoch dosierten Heroinprobe ermöglicht haben. Als bei der 14-Jährigen die zerstörerische Wirkung des Heroins einsetzte, blieb er laut Anklage untätig. Er habe ihr nicht geholfen, weil er befürchtete, seine Dealertätigkeit könne bekannt werden. Damit wäre das Mordmerkmal der Verdeckung einer Straftat erfüllt. Für die Juristen bleibt es lediglich bei einem Mordversuch, weil Kristina tatsächlich an dem Rauschgift starb – und nicht, wie von Ali K. beabsichtigt, durch seine Untätigkeit. Bei dieser Dosis wäre jede Hilfe zu spät gekommen.

Der Verteidiger äußerte sich am Rande des jetzigen Drogenprozesses nur kurz zu der erhobenen Anklage. Seine Worte aber waren deutlich: „Knastgerüchte und Latrinenparolen!“ Nichts, aber auch gar nichts sei dran an den Vorwürfen gegen seinen Mandanten, erklärte Jörg Detzkies. Mithäftlinge sollen Ali K. schwer belastet haben. Ali K. schwieg den Angaben zufolge in ersten Vernehmungen bei der Polizei.

Auf die Spur des Jugendlichen aus Friedrichshain kamen die Ermittler erst Monate nach Kristinas Tod. Am 20. November wurde im Fall Hani Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Täter erlassen. Da saß er bereits in Untersuchungshaft. Ali K. war am 8. Oktober festgenommen worden wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels auf der Linie 8.

Ali K. trug eine schwarze Jacke und bestickte Jeans, als er gestern aus der Haft vorgeführt wurde. „Solche wie Ali K. nehmen selber keine Drogen“, sagte ein Polizist, der als Zeuge geladen war. Als Ali K. und die Mitangeklagten gefasst wurden, sollen sie erklärt haben: „Wir sind ganz zufällig auf dem Bahnhof.“ Ob sie in dem nicht öffentlichen Prozess dann doch gestanden haben, blieb zunächst offen.

Im Fall Hani geht die Anklage davon aus, dass Ali K. nach dem Tod von Kristina einen Kumpel verständigte. Gemeinsam mit dieser „nicht näher bekannten“ Person soll er die Leiche in den Koffer gezwängt haben. Das soll in einer Neuköllner Wohnung geschehen sein. Doch die genaue Adresse ist nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Sicht auf 23 Seiten Anklage zusammengefasst. Unter den aufgelisteten Zeugen sind den Angaben zufolge mehrere Jugendliche, die im letzten Oktober gemeinsam mit K. im Gefängnis saßen. „Nur Gerüchte, nur Gerüchte“, wiederholte der Verteidiger. Wie das Drogenverfahren gestern ausging, wurde zunächst nicht bekannt.

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