Berlin : Der Fall Landowsky: Der CDU-Fraktionsvorsitzende räumt seinen Bank-Posten vorzeitig

Ulrich Zawatka-Gerlach

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Landowsky hat gestern "mit sofortiger Wirkung und auf eigenen Wunsch" sein Amt als Vorstandssprecher der Berlin-Hannoverschen Hypothekenbank (Berlin Hyp) niedergelegt. Sein Nachfolger, ein jüngerer Bankmanager aus Frankfurt am Main, wird heute vom Aufsichtsrat der Berlin Hyp berufen. Ursprünglich wollte Landowsky den Posten erst nach der Hauptversammlung seiner Bank am 23. Mai abgeben. Aber die Sitzung wurde wegen der anstehenden Sonderprüfung des Bundesaufsichtsamts für Kreditwesen auf Juli verschoben. "Noch vier Monate im Amt - diese Belastung hält die Bank nicht aus, ich auch nicht", sagte Landowsky dem Tagesspiegel.

Schon am Montag hatte der CDU-Politiker dem Vorstandschef der Bankgesellschaft Berlin, Wolfgang Rupf, schriftlich mitgeteilt, dass er nicht noch über einen längeren Zeitraum in der Schusslinie stehen wolle. Zumal auch der Vize-Chef der Berlin Hyp, Jürgen Noack, und ein weiteres Vorstandsmitglied, Gerd-Ulrich Blümel, ihre Posten verlieren. Heute tagt der Aufsichtsrat. Er fühle sich jetzt "richtig befreit", sagte Landowsky. Der Banken-Holding stehe eine strategische Neuausrichtung bevor, deren Konsequenzen "für alle schmerzlich" seien. Den Vorwurf, seine sofortige Ablösung sei eine Reaktion auf die aktuellen Prüfungen der Kreditaufsicht, wies der CDU-Mann energisch zurück.

Das Bundesaufsichtsamt stellt die "persönliche Zuverlässigkeit und die fachliche Eignung einiger Geschäftsleiter" in der Bankgesellschaft infrage. Diese Einschätzung habe "wahrscheinlich einen gewissen Druck" auf Landowsky ausgeübt, verlautete aus Senatskreisen. Da sei nichts dran, konterte der Betroffene. Fragwürdige und rechtlich anfechtbare Kredit- und Immobilienfonds-Geschäfte, die ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss nach Ostern überprüft, führen auch bei der Landesbank Berlin (LBB) zu personellen veränderungen. Vorstandschef Ulf-Wilhelm Decken wird heute vom Aufsichtsrat abgelöst. Der Vertrag des LBB-Vorstandsmitglieds Jochem Zeelen soll nicht verlängert werden.

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Der SPD-Landesvorsitzende Peter Strieder erklärte angesichts der Umwälzungen in der Bankgesellschaft: "Nur mit einem personellen Neuanfang kann verlorenes Vertrauen wiedergewonnen werden." Der SPD-Fraktionschef Klaus Wowereit sorgte sich gestern darum, dass die Schieflage des Konzerns den Wirtschaftsstandort Berlin beschädigen könne. Der Senat müsse mit Hilfe unanbhängiger Eperten ein Sanierungskonzept erarbeiten. Es gehe nicht nur um das Fehlverhalten einiger Bankmanager, sondern um die Strukturen der Bankgesellschaft. Jetzt, wo Landowsky seinen Vorstandsposten bei der Berlin Hyp aufgegeben habe, könne "schonungslose Analyse ohne parteipolitische Rücksichtnahme" betrieben werden.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Frank Steffel, sagte zum Rücktritt von Landowsky: "Wenn ein Nachfolger da ist, hat er keine Not mehr, sich weiter zu quälen." Über einige Bankmanager ist Steffel empört. Was die sich erlaubt hätten, sei einmalig. Er spielte auf die Freistellungsbescheinigungen für Immobilienfonds der Bankgesellschafts-Tochter IBG (Immobilien- und Baumanagement GmbH) an, mit denen das Haftungsrisiko auf den Bankkonzern übergewälzt wurde. IBG-Geschäftsführer Hans Görler versicherte gestern aber, dass sein Ruhestand, in den er Mitte April geht, "mit den unglückseligen Ereignissen dieser Tage nichts zu tun hat." Görler bestätigte, dass es noch Meinungsverschiedenheiten mit den Wirtschaftsprüfern über den Jahresabschluss 2000 für die IBG gebe. "Aber das ist nicht dramatisch."

In der öffentlichen Kritik steht auch die Vergabe eines Kredits in dreistelliger Millionenhöhe an das Immobilien-Unternehmen Aubis, deren Chefs altgediente CDU-Mitglieder und fleißige Parteispender sind. Der PDS-Fraktionschef und Finanzeperte Harald Wolf warnte gestern vor einem Zusammenbruch der Bankgesellschaft. Es müsse dafür gesorgt werden, dass nicht auch der öffentlich-rechtliche Sektor in der Holding, etwa die Berliner Sparkasse, ruiniert werde. Die Grünen sprachen sogar von "kriminellen Machenschaften." Der Vorwurf der Bilanzfälschung stehe im Raum.

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