Berlin : Der Fall Sophia: Entführer wollte sich töten

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Der Entführer der neunjährigen Sophia Wendt hat gestern Vormittag versucht, sich in der Untersuchungshaft zu erhängen. Der 36-jährige Berto B. wurde von Justizvollzugsbediensteten gegen 8.30 Uhr rechtzeitig gefunden und gerettet. Die Zelle war durch einen zufällig vorbeikommenden Justizangestellten erst vier Minuten zuvor kontrolliert worden, sagte Justizsprecher Karsten Ziegler. Zu diesem Zeitpunkt sei mit dem Häftling alles in Ordnung gewesen. Warum nur wenige Minuten später ein zweiter Bediensteter die Zelle erneut kontrollierte, konnte Ziegler nicht sagen. Ebenso wenig war ihm gestern bekannt, ob B. als suizidgefährdet galt und daher häufiger nach ihm gesehen wurde als dies normalerweise bei anderen Häftlingen der Fall ist.

B. hatte sich aus einem Bettlaken eine Schlinge gedreht und sich am Fenster seiner Drei-Mann-Zelle aufgehängt. Er hatte dabei gewartet, bis der einzige Häftling, mit dem er diese Zelle teilt, zu einem Gerichtstermin abgeholt worden war. Bereits am Mittwoch war ein dritter in dieser Zelle untergebrachter Häftling entlassen worden.

Als B. gefunden wurde, sei er nicht mehr ansprechbar und kurz vor der Bewusstlosigkeit gewesen, sagte Ziegler. Er wurde zur ärztlichen Versorgung ins städtische Krankenhaus Moabit verlegt.

Berto B. hatte, wie berichtet, am Spätnachmittag des 4. Januar die neun Jahre alte Schülerin Sophia Wendt in Marzahn verschleppt und sie in seiner Wohnung festgehalten. Dort versuchte er, sich dem Kind sexuell zu nähern. Nach drei Tagen Gefangenschaft setzte der Täter das Kind nahe einem Polizeiabschnitt aus.

Die genaue Beschreibung des Kindes zum Haus und der Wohnung führten schon wenige Tage später auf die Spur des Entführers. Er behauptete bei seiner Festnahme, Tabletten geschluckt zu haben. Tatsächlich handelte es sich aber lediglich um harmlose Antidepressiva.

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