Berlin : Der Ferne Osten ist nah

Nach einem Shaolin-Tempel öffnete am Kurfürstendamm jetzt auch ein Heilzentrum für China-Medizin. Das Reich der Mitte hat Hochkonjunktur.

NAME

Von Cay Dobberke

Von Kung Fu am Kurfürstendamm über chinesische Gartenkunst in Marzahn bis zu Drachenbooten in Grünau - der Ferne Osten kommt den Berlinern immer näher. Am Wochenende setzte sich dieser Trend weiter fort: Der Shaolin-Tempel am Halenseer Teil des Ku’damms feierte sein einjähriges Bestehen und eröffnete zugleich das „Shaolin Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin". Darüber hinaus gab die Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) eine Zusammenarbeit mit der Stadt Chengdu bekannt. Bereits jetzt „gehört China zu den wichtigsten Wachstumsmärkten für das Reiseziel Berlin“, sagt BTM-Geschäftsführer Hanns Peter Nerger. Die Internetseiten der Tourismus-Werber soll es deshalb bald auch in der Sprachfassung Mandarin geben.

Geht es nach Rainer Deyhle, entsteht in der City West sogar eine Art Mini-Chinatown. Dem Sohn des Musical-Unternehmers Rolf Deyhle gehört der Shaolin-Tempel, den er als „direkten Ableger des Muttertempels“ in der chinesischen Provinz Henan versteht – zumal Deyhle selber zwei Jahre in dem Kloster verbracht hat und dieses ihm sechs Mönche als Kung-Fu-Lehrer lieh.

Vor kurzem bekam der Berliner Tempel seinerseits einen Ableger. Für die 570 Teilnehmer der Tai Chi-, Qi Gong- und Kung-Fu-Kurse, darunter 350 feste Mitglieder, gibt es nun Räume in den Häusern Kurfürstendamm 102 und 110. Über dem Trainingsraum am zweiten Standort liegt das neue Medizinzentrum. 20 Spezialisten aus aller Welt bieten Therapien wie Puls- und Zungendiagnostik, Tuina Massage, Kräutermedizin und Geistheilung an.

Mittlerweile ist Rainer Deyhle oft als Vermittler für chinesische Freunde und Unternehmer tätig. Mit seiner Hilfe eröffneten im Straßenblock zwischen Joachim-Friedrich- und Katharinenstraße auch schon ein Heilkräuter-Vertrieb und ein chinesischer Imbiss. Eine chinesische Zeitung, die in Europa erscheint, zieht gerade in Büros. Geplant sind außerdem ein Teehaus, ein Restaurant und ein Laden für Haushaltswaren aus dem Reich der Mitte. Dem westlichen Kurfürstendamm kann das nur nützen – vielleicht ist die fernöstliche Kultur ja das Mittel gegen den hohen Ladenleerstand in dieser Gegend.

Ruhe und Harmonie nach chinesischer Art findet man seit zwei Jahren vor allem im Erholungspark Marzahn. Im „Garten der Vollendung des Mondes" gibt es Pagoden, Tee-Pavillons, weiße Mauern, Steinbänke, einen See mit Uferweg und die typischen Formationen aus Felsen und Pflanzen. Mit 2,7 Hektar Fläche ist der Park sogar der größte chinesische Garten in Europa. Zum Bau der Anlage trug besonders die Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Peking bei.

Chinesisch geprägt ist heute auch eine frühere DDR-Institution: Das erst kurz vor der Wende als Zentrale des Gewerkschaftsbundes errichtete Gebäude nahe der Jannowitzbrücke dient jetzt als Pekings Botschaft. Die exklusivste Adresse mit fernöstlichem Ambiente entsteht derzeit im Hotel Adlon am Pariser Platz: Der „China Club Berlin“ mit edlem Dekor und Spitzengastronomie ist für bis zu 2000 Mitglieder der wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Elite gedacht. Als Vorbild dient der China-Club in Hongkong. Die ursprünglich für den Mai angekündigte Eröffnung verzögert sich nach Auskunft einer Sprecherin allerdings. Weil die Bauarbeiten sich länger als erwartet hinzögen, habe man den Termin auf den Oktober vertagt.

Selbst Drachenbootrennen sind auf Berliner Gewässern keine Seltenheit mehr. Die „Berlin Dragonboat Company“ richtete deutsche und europäische Meisterschaften auf der Regattastrecke in Grünau aus. Jedes Jahr, wie zuletzt im Juni, tragen Drachenbootfahrer aus der Stadt dort einen „City Cup“ aus.

Lediglich die echten Chinesen sind, abgesehen von den Touristen, noch ziemlich rar. Im Melderegister stehen rund 3500, darunter 1600 Studenten und 400 Wissenschaftler. Als im vorigen Jahr ein „Tag der Chinesen“ im Marzahner Erholungspark ausgerufen wurde, kamen zu diesem Ereignis fast nur Berliner deutscher Herkunft.

Mehr zum Thema im Internet: www.sltd.de (Shaolin Tempel Deutschland), www.chinesischer-garten.de , www.btm.de . Kontakt zum Heilzentrum: Telefon 890 49 770

0 Kommentare

Neuester Kommentar