Berlin : Der "Ferrari" der Hohenzollern parkt im Schloss

Helmut Caspar

Stolze 6284 Reichstaler hat sie gekostet, die mit Adlern, Wappen und Kronen geschmückte Galakutsche. König Friedrich Wilhelm II., Neffe und Nachfolger Friedrichs des Großen, ließ sie 1789 bauen. Nun kann die Prachtkarosse im Schloss Charlottenburg besichtigt werden.

Vor 200 Jahren fuhren über Berlins Straßen zahlreiche Kutschen und Kaleschen; vornehmere Damen und Herren wurden in Sänften getragen. Für besonders exklusive Zeremonienwagen war die heimische Industrie nicht gut genug. Deshalb bestellten - wie die meisten Fürstenhäuser - auch die Hohenzollern ihre Staatskarossen in Frankreich.

Nur einmal sei die Kutsche zu einer Krönung verwendet worden, sagt Sammlungskustodin Claudia Meckel: am 18. Oktober 1861 in Königsberg, als sich der preußische König die Krone aufs Haupt setzte. Zu diesem Zweck sei die Galakarosse, sozusagen ein Ferrari in königlicher Zeit, restauriert und modernisiert worden. Diese gut dokumentierte Fassung sei Grundlage der derzeit laufenden und nur durch die Ausstellung unterbrochenen Restaurierung.

Die Geschichte ging mit der reich mit Blattgold belegten und mit cremefarbener Seide ausgeschlagenen Kutsche nicht gerade sanft um. Erst im königlichen Marstall, dann im Hohenzollernmuseum Schloss Monbijou aufgestellt, war die Staatskarosse während des Zweiten Weltkrieges im Charlottenburger Schloss untergebracht. Bei dessen Bombardement 1943 wurde auch der Wagen schwer beschädigt. Was Restauratorenkunst aus dem Trümmerhaufen wieder erstehen ließ, ist nun in der Großen Orangerie des Schlosses zu sehen. Eintritt wird nicht verlangt, dafür aber steht eine Spendenbüchse bereit, weil die Restaurierung der Kutsche noch lange nicht abgeschlossen ist. Die aus Kronen und Adler bestehenden Dachaufbauten und andere Details müssen nach alten Vorlagen noch angebaut werden. Wie Burkhardt Göres, Schlösserchef der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, sagt, sei die Einrichtung eines Kutschen-, Sänften- und Schlittenmuseums in Charlottenburg geplant. Ort dieses neuen Marstalls könnte das Gebäude gegenüber dem Schloss sein, in dem jetzt noch die Ägyptische Sammlung untergebracht ist. Die Ausstellung ist bis 3. Februar 2002 Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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