Berlin : Der Formel-1-Star Heinz-Harald Frentzen bat an der Playstation auf die Piste

Im Halbdunkel stehen 30 Männer mit leicht gespreizten Beinen vor Monitoren. Die Augen glasig und leicht gerötet, fixieren sie ihren Blick beim "Sony-Entertainment-Stand" auf eine lange Reihe Monitore. Finger umklammern Joysticks und drücken die vielen kleinen Knöpfe, die auf der IFA ihre Eintrittskarten in virtuelle Welten sind. Der ohrenbetäubende Motoren-Lärm, der von einer auf die andere Sekunde losbricht, irritiert sie nicht weiter. Dabei kündigt die Monza-Lärmkulisse niemand anderen an als den bekennenden "Playstation"-Besitzer und Spa-Drittplazierten Heinz-Harald Frentzen. Der ist den Krach gewohnt und wird von seinen Fans mit Hilfe der neuesten technischen Innovationen für die Enkel festgehalten: Digitalkameras, wohin das Auge reicht. Der "Playstation"-Moderator macht mit grün getönten Brillengläsern auf jugendlich. Frentzen, der zugibt, gar nicht zuzuhören, raubt dem Moderatoren jede Hoffnung auf eine Formel 1-Karriere: "Da musst du schon im Alter von vier Jahren als Go-Kart-Fahrer anfangen." Woran Frentzen denn denke, so ganz allein im Cockpit? An ein passendes Geschenk für die Freundin etwa? "Man darf sich von den vielen Eindrücken nicht ablenken lassen, man muss sich ganz scharf konzentrieren und hat dabei auch noch einen Pulsschlag von 140 bis 180." Jubel im Publikum, als Heinz-Harald Frentzen sich umdreht und an das Spielgerät stellt. Der Formel 1-Fahrer bringt sich in die typische "Playstation"-Pissoir-Pose: leicht angewinkelte Beine, Hand am Lenkstab. Dann betritt eine Frau die Bühne, Jutta Kleinschmitt, die Rallyefahrerin, die zusammen mit der Schwedin Tina Thörner den dritten Platz bei der Rallye Paris-Dakar erkämpfte. Beim Duell legt Jutta sofort den siebten Gang ein und braust Heinz-Harald mit Highspeed davon. Dann kommt Konni, der sich schon früher für eine "Competition" mit Frentzen qualifiziert hat. Aber Konni macht einen Fehler. Er nimmt die Schikanen nicht ernst, doch wer gewinnt, bleibt für immer ein Geheimnis der Formel 1-Geschichte. Konni fuhr ja auch in Frentzens Position und Frentzen simuliert etwas widerwillig Damon Hill. Da soll noch einer durchblicken. Dritter Gegner ist Gesa, die ihren Rennwagen sofort gegen die Bande setzt. Klar, Frauen können eben nicht fahren. Und wer bremst, verliert. Hinter der Bühne warten schon ein Mitsubishi Carisma und mehrere hundert Autogrammjäger auf Frentzen, der im Simulator eine Rallye fahren soll. Fans drängen sich um das Auto, die vom MTV-Nachbarstand lassen ihre Rapper allein und beobachten die Videowand. Perspektive: aus dem Cockpit auf eine schmale Küstenstraße. Frentzen schafft den Parcours in knapp über drei Minuten. Mark Knipschild von Sony Computer Entertainment sagt mit gesenkter Stimme: "Das ist ja wirklich keine tolle Zeit." Frentzen steigt wieder aus und eröffnet die Autogrammstunde, der Ansturm ist enorm. "Die ganze IFA ist jetzt hier bei uns!" Der Moderator jubelt, nur die Sicherheitsleute nicht: "Wie beim Spielen: möglichst viele abfangen."

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