• Der frische Asphalt verbirgt Beton aus den 30er Jahren Auf dem Ring läuft es nicht rund

Berlin : Der frische Asphalt verbirgt Beton aus den 30er Jahren Auf dem Ring läuft es nicht rund

Die Nord-Süd-Verbindung von Sachsen und Südbrandenburg an die Ostsee bleibt langsam und gefährlich. Für den versprochenen Ausbau fehlt das Geld

Claus-Dieter Steyer

LÄNGE

Der Berliner Ring umrundet die Stadt auf 196 Kilometern. Am stärksten befahren ist der südliche Abschnitt bei Michendorf, wo in 24 Stunden durchschnittlich 82 500 Fahrzeuge in beiden Richtungen gezählt werden. Am Dreieck Havelland sind es 52 000, am Dreieck Oranienburg 50 000, bei Erkner am östlichen Ring 42 000 und 32 600 auf dem westlichen Ring bei Werder.

BAU

1935 war Baubeginn für den Berliner Ring. Er gehörte zu den Plänen von Hitlers Architekt Albert Speer für eine gigantische Umgestaltung Berlins zur „Welthauptstadt Germania“. Speer plante den Autobahnring für eine Bevölkerungszahl von acht bis zehn Millionen Menschen.

VERZÖGERUNG

Mit dem Autobahnring sollten Sportler und Zuschauer der Olympischen Spiele 1936 eine günstige Zufahrt erhalten. Doch die Zeit reichte nur für einige Abschnitte und die Verlängerung der Avus von Berlin bis zum Dreieck Drewitz (heute: Nuthetal). 1939 fehlten noch die Strecken im Norden und Westen.

VOLLENDUNG

Der Autobahnring wurde erst 1980 geschlossen. Die DDR baute damals den westlichen Ring zwischen Potsdam und dem Dreieck Havelland und den fehlenden Abschnitt zwischen dem Dreieck und der inzwischen geschlossenen Ausfahrt Velten auf dem nördlichen Ring. Damit war der Anschluss an die A 24 nach Hamburg geschaffen. Sie ersetzte die Transitstrecke auf der Fernverkehrsstraße 5.

EXPERIMENT

Die Autobahn im Norden zwischen dem Dreieck Schwanebeck und Neuruppin auf der A 24 soll in einem neuen Finanzierungsmodell von vier auf sechs Spuren erweitert werden: Private Finanziers strecken Geld vor, das der Staat schrittweise zurückzahlt. Ursprünglich war der Baubeginn hier 2005 erwartet worden. Doch auch hier wurden alle Zeitpläne gestrichen.

STAUS

Vor allem freitags und sonntags gerät der Verkehr im Norden und im Westen regelmäßig ins Stocken. Dann reicht die Kapazität der jeweils zwei Spuren für die Ostsee-Ausflügler beziehungsweise die Heimkehrer nicht aus.

ZUSTAND

Seit der Wende hat sich der Zustand des Rings stark verbessert: Es gibt Mittelleitplanken sowie Schutzplanken an gefährlichen Stellen. Allerdings liegt gerade im Norden und im Westen unter der dünnen Asphaltschicht noch immer Beton aus den dreißiger und achtziger Jahren. Ste.

Der Verkehr auf dem westlichen Abschnitt des Berliner Autobahnrings bleibt in den nächsten Jahren stockend und gefährlich. Denn es gibt keinen konkreten Zeitplan für den sechsspurigen Ausbau des Teilstückes zwischen den Dreiecken Werder und Havelland. Auf der wichtigen Nord-Süd-Verbindung zwischen Sachsen und Südbrandenburg an die Ostsee und nach Hamburg bleibt es bei einem maximalen Tempo 120 und fehlenden Standstreifen. Dieser Mangel führt bei den häufigen Unfällen zu langen Behinderungen, weil mindestens eine der beiden Fahrbahnen gesperrt werden muss.

Im Bundesverkehrswegeplan bis 2015, den der Bundestag in der Vorwoche absegnete und der jetzt noch vom Bundesrat beraten wird, steht lediglich der neun Kilometer lange Abschnitt zwischen dem Dreieck Werder und der Ausfahrt Groß Kreutz (Bundesstraße 1) im „vordringlichen Bedarf“. Der weitere Streckenverlauf bis zur Ausfahrt Spandau hat die schwache Kategorie „weiterer Bedarf“ erhalten. Der restliche Teil taucht gar nicht mehr auf. Hier wird bis 2015 nicht viel passieren.

Ursprünglich sollte der Verkehr auf dem Abschnitt zwischen dem Dreieck Werder und Spandau bis zur Fußball-WM 2006 sechsspurig rollen. Spielern und Fans wurde die problemlose Anreise zum Olympiastadion versprochen. Doch dann kam das Aus vom Bundesverkehrsministerium. Geld und Zeit waren zu knapp geworden.

Auch die Aufnahme der beiden Teilstrecken in den Bundesverkehrswegeplan ist keine Garantie. „In jedem Jahr wird das Geld neu verteilt“, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums: „Aber vielleicht eröffnet die Lkw-Maut neue Möglichkeiten für den Ausbau.“ Das hofft auch Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe: „Wir haben den gesamten Abschnitt weiter in der Planung. Wenn es gelingt, zusätzliches Geld zu besorgen, werden wir ihn bauen.“

Die Bundestagsabgeordnete Angelika Krüger-Leißner (SPD) will nun für den Abschnitt zwischen Spandau und dem Dreieck Havelland wenigstens den Bau eines Standstreifens durchsetzen. „Das könnte im Zuge der normalen Instandhaltung der Autobahn erfolgen“, sagte sie. Doch auch dafür gibt es noch keinen festen Bau-Termin.

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