Berlin : Der Frühling strahlt

400 000 Blüten in 260 Sorten bei der Tulpenschau im Britzer Garten

Heidemarie Mazuhn

Rot, gelb, lila oder orange. Geflammt, gefiedert, gekraust oder gefüllt – in Farbe und Form kaum zu fassen sind die etwa 400 000 Schönheiten, die dieser Tage erblühen. „Tulipan im Britzer Garten“ heißt die Ausstellung über die Gattung aus der Familie der Liliengewächse, die Paul Gerhardt schon 1653 in seinem wunderbaren Sommergesang verewigte, in dem es heißt: „...Narcissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide“.

Das kann man im Britzer Garten aus vollem Herzen bestätigen – täglich bis zu 3000 Besucher lockt die Tulipan in das 90 Hektar große Gartenareal. Schon am vorigen Wochenende waren es 30 000 Gäste, die staunend die 260 Tulpensorten bewunderten, die mit Kirschbäumen und Frühlingsblumen um die Wette blühen. Wie lange man sich an der Tulpenpracht erfreuen kann, mit deren Fülle in Deutschland wohl nur die Blumeninsel Mainau konkurrieren kann, bestimmt allein die Natur. „Ab Mitte Mai ist es langsam mit der Pracht vorbei“, sagte Marina Goertz von der Grün Berlin Park und Garten GmbH.

Noch aber warten im Areal zwischen dem Eingang Massiner Weg und Kalenderplatz unzählige Tulpen auf ihren Knospenknall. Die schon blühen, stehen wie Zinnsoldaten in langen Beetreihen, andere wachsen auf frühlingsgrünen Wiesen bunt durcheinander. Wahllos nicht. Auch auf den traumhaft schönen Tulpenwiesen ist gärtnerisch nichts dem Zufall überlassen, sondern die Zwiebeln so gesteckt, dass der Betrachter das Gelände „Tulipan im Britzer Garten“ wie ein blühendes Gemälde empfindet.

Das wird jetzt wie aus allen Blickwinkeln untersucht – zwei Hochsitze sind ständig von Fotografen belegt. Andere gehen sogar in die Knie, um einer der Schönheiten ganz nah zu kommen. Dass diese auch gern gemalt wurden, zeigt die Ausstellung mit Drucken von der Blume, deren Beliebtheit 1637 sogar einen Crash an der niederländischen Handelsbörse auslöste. Die Tulpe war damals eine Modeblume – man sprach sogar von einer „Tulpomanie“. Bis zu 3000 Gulden war eine Zwiebel wert. Dafür hätte man damals auch vier Ochsen, acht Schweine, zwölf Schafe, 35 Tonnen Weizen, 2 Fuder Wein, vier Fässer Bier, 2000 Kilo Butter, 500 Kilo Käse und ein komplettes Bett mit Matratze bekommen – alles zusammen, wohlgemerkt.

Die „Tulipan im Britzer Garten“ dagegen kosten nur 3, ermäßigt 1,50 Euro Garteneintritt. Vom 27. April bis zum 6. Mai kann man dafür auch Tulipan- Nächte genießen: Jeweils 19 bis 23 Uhr ist das Areal in ein Lichtermeer getaucht, untermalt von klassischer Musik. Wen dabei die „Tulpomanie“ ergreift, der wird vielleicht Pate – für 100, 200 oder 300 Euro liest man dann auf dem Schild am Tulpenbeet seinen eigenen Namen.

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