Berlin : Der Fünf-Punkte-Plan für die Steglitzer Schloßstraße 1 3 4 5 2

Der Kreisel wird saniert, doch noch fehlt Geld Der Bierpinsel bleibt, aber mit neuer Fassade Karstadt und Wertheim: Kandidaten für den Abriss? Am Walther-Schreiber Platz soll eine „Allee“ beginnen Am alten Rathaus entsteht ein neues Einkaufszentrum: Die „Schloss-Galerie“ für 170 Millionen Euro

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Das KreiselHochhaus müsse abgerissen werden, fanden Anfang des Jahres sehr viele Parlamentarier, als das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf Alarm schlug. Doch die nötige Asbestsanierung wird mit rund 55 Millionen Euro veranschlagt. Das Bezirksamt möchte das Hochhaus aber auf jeden Fall auch weiterhin als Sitz des Rathauses behalten. Schon damals war hinter den Kulissen von Investoren die Rede, die das Kreisel-Grundstück erwerben und das Hochhaus abreißen wollten. Für 500 Millionen Euro könnten sie ein Hotel- und Kongresszentrum bauen und dem Bezirk noch nebenbei noch ein Rathaus errichten. Der Bezirk betonte gestern, bislang bislang habe sich kein Investor gemeldet, ein Neubau an dieser Stelle sei ohnehin „illusorisch.“ Die verkehrsgünstige Lage des Hochhauses sei für das Bezirksamt ideal und gebe dem Ende der Schlosstraße Lebendigkeit. Über die Asbestsanierung ist noch nicht entschieden, seit Januar sind Bezirk und Senat bemüht, sich über die „Grundlagen“ der vom Parlament geforderten 200 000-Euro-Studie über Kosten und Nutzen des Hochhauses zu nutzen.C.v.L.

Der Abriss des „Bierpinsels“ war in den vergangenen Jahrzehnten häufig im Gespräch. Jetzt ist er vom Tisch. In den aktuellen Plänen des Bezirks zur Attraktionssteigerung der Schloßstraße hat der Turmbau seinen festen Platz. Zumal „er nach Geschäftsschluss der einzige Ort ist, wo noch die Lampen an sind“, wie Wirtschaftsstadtrat Klaus-Peter Laschinsky (SPD) feststellt. Das Haus, vom Land Berlin im Erbbaurecht an eine Gesellschaft vergeben, hat eine Innen-Renovierung hinter sich, ein Restaurant und eine Diskothek sind geöffnet. Geplant ist, die Fassade zu erneuern, dafür müssen noch technische Probleme gelöst werden. Der Bau, bei seiner Eröffnung in den siebziger Jahren eine Attraktion, hat eine wechselvolle gastronomische Geschichte hinter sich. Wie ein ausgefranster Regenschirm sieht das Haus von unten aus, doch von weitem prägt es das Stadtbild, wird oft genug mit dem „Kreisel“ verwechselt. Vom neuen „Saturn“-Geschäftshaus gegenüber, das ein Publikumsmagnet wurde, hat auch der „Bierpinsel“ profitiert. Er wird mit seiner ebenerdigen Ladenzone mehr beachtet als zuvor. C. v. L.

Die Häuser von Karstadt und Wertheim haben in ihrer heutigen Form die längste Zeit in der Schloßstraße gestanden. „Wir beschäftigen uns intensiv mit einer neuen Lösung“, hieß es gestern aus der Essener Karstadt-Zentrale. „Für uns ist der Bereich Schloßstraße sehr interessant.“ Konkrete Aussagen könnten erst in einigen Wochen gemacht werden. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Häuser abgerissen und in zeitgemäßer Form neugebaut werden. Das Bezirksamt bestätigte entsprechende Pläne. Die flachgeratenen Bauten des Kaufhauskonzerns sind keine architektonischen Highlights. Sie könnten auch irgendwo auf der grünen Wiese stehen. Zu ihren Pluspunkten zählt, dass sie große Parkplätze haben, von denen auch die Umgebung profitiert. Wertheim wurde im leichten Schwung der fünfziger Jahre errichtet, die Fassade hinter den Lamellen ist längst grauschwarz und gerade an der Ecke Schildhornstraße kein Aushängeschild. Karstadt, mehr als zehn Jahre jünger, hat sogar eine Verschönerungskur mit angesetzten Glas-Erkern hinter sich, ist ansonsten aber auch keine Augenweide mehr.C. v. L.

Für eine attraktivere Schloßstraße spielt der Walther-Schreiber-Platz an der Einmündung der Bundesallee eine Schlüsselrolle, auch das Grundstück des stillgelegten Hertie-Kaufhauses. Von hier müssten Planungen ausgehen, die Bürgersteige zu verbreitern, Bus- und Fahrradspuren zu errichten, dem Individualverkehr jeweils nur eine Fahrspur zur Verfügung zu stellen, wie das der Steglitzer Baustadrat Uwe Stäglin im Sinn hat. Er will den „Allee-Charakter“ betonen. Das alte Hertie-Kaufhaus steht auf Schöneberger Gebiet. Die Nachbarbezirke müssen sich also abstimmen und wissen, was der neue Hauseigentümer, AMB Generali, nach dem Abriss mit seinem Grundstück vorhat. Das Forum Steglitz hat vor, sich zu erneuern, Verkaufsflächen zu vergrößern. Dafür sollen beispielsweise die langen Rollbänder abgebaut, dafür Rolltreppen eingebaut werden. Der Plan, zusätzliche Verkaufsflächen im Parkhaus einzurichten, wurde vom Bezirk abgelehnt. Vergrößern will sich auch der Titania-Palast, in einem Erweiterungsbau sollen mehr Kinos Platz finden. Über Abstandsflächen wird noch verhandelt. C. v. L.

Schräg gegenüber vom Kreisel-Hochhaus, rund um das alte Steglitzer Rathaus, liegt ein großes Areal, auf das der Bezirk Steglitz-Zehlendorf besonders große Hoffnungen setzt, um die Schloßstraße aufzuwerten. Möglichst noch in diesem Jahr soll für 170 Millionen Euro mit dem Bau der „Schloss-Galerie“ begonnen werden. Der Erbauer der Gropius-Passagen will das Einkaufszentrum mit einer Fläche von rund 38 000 Quadratmetern errichten. Vor zwei Jahren hieß das Projekt noch „Rathaus-Passagen“. Weil es so viele Passagen gibt, hat der Investor nach einem neuen Namen gesucht. Bevor das Einkaufszentrum gebaut wird, muss allerdings kräftig abgerissen werden.

Etwa das Gebäude, das an der Schloßstraße rechts neben dem in altmärkischer Backsteingotik errichteten Rathaus steht. Mit seinen Rundbögen wirkt des rotverklinkerte Haus wie ein gelungener, besonders harmonischer Rathaus-Anbau. Es ist erst vor rund 15 Jahren von der Sparkasse errichtet worden. Markantes Zeichen sind die überdimensonalen Pfennigstücke an der Fassade. Der Immobilienfonds HFS, eine Tochtergesellschaft der bäude bereits erworben, um es abzureißen. Noch ist der Sparkassenbetrieb in vollem Gang. HFS hofft, mit dem Abriss im August beginnen zu können. Die Architektenentwürfe zeigen einen Baukörper, der das alte Rathaus in die Mitte nimmt und in seiner Form ein wenig an die Kaufhaus-Architektur der zwanziger Jahre erinnert.

Es wird eine Passage zwischen Schloß- und Grunewaldstraße geben.Insgesamt soll ein Areal von 12 000 Quadratmetern bebaut werden, auch der Flachbau eines Möbelhauses, die denkmalgeschützte Bezirkskasse und die städtische Bibliothek an der Grunewaldstraße müssen weichen. Die Bibliothek muss – das machte der Bezirk zur Voraussetzung – in den oberen Etagen des Neubaus Platz finden. Noch ist das Projekt nicht unter Dach und Fach, nach Ansicht des Investor „die Tinte unter den Verträgen nicht trocken“. Wegen des Verkaufs öffentlicher Grundstücke muss das Abgeordnetenhaus noch zustimmen. Bis zum 23. Mai liegen die Pläne zur Bürgerbeteilung in Steglitz aus. Nicht im alten Rathaus Steglitz oder im Bezirksamts-Hochhaus Kreisel gegenüber, sondern im Rathaus Zehlendorf. C. v. L.

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