Berlin : Der geläuterte Räuber

50-Jähriger gestand freiwillig Überfall von 1997underhielt Haftstrafe

Kerstin Gehrke

Mit einer Gitarre unterm Arm klopfte Peter M. vor zweieinhalb Monaten bei der Staatsanwaltschaft an, wo er gut bekannt war. Die Justiz musste sich schon mehrfach mit ihm beschäftigen. Diesmal erschien der 50-Jährige aber freiwillig – und beichtete einen Banküberfall von vor fünf Jahren. Eine Sache, bei der ihm niemand auf die Schliche gekommen war. Die Ermittler waren sprachlos. Das Verfahren war längst unaufgeklärt eingestellt worden. „Ich wollte endlich klar Schiff machen“, sagte Peter M. gestern vor dem Amtsgericht Tiergarten. „Obwohl ich von sechs bis sieben Jahren Haft ausging.“

Für den gelernten Elektriker war das Leben lange eine Talfahrt. Der Alkohol hatte ihn fest im Griff. Als er dann über sein Gitarrenspiel eine neue Liebe fand und sich im Frühjahr 1997 verlobte, sollte alles gut werden. „Ich wollte meiner Freundin etwas bieten“, sagte der damals arbeitslose M. vor Gericht. Er, der zehn Jahre zuvor schon einmal eine Bank überfallen hatte, nahm eine Maske, Handschuhe, eine täuschend echt aussehende Pistolenattrappe und marschierte in eine Spandauer Sparkassenfiliale. „Das ist kein Spaß, Geld her!“ forderte der Gangster und erbeutete 19 730 Mark.

„Ich hatte mir vorher noch Mut angetrunken“, sagte der Angeklagte. Nach dem Überfall sei er erst einmal einkaufen gegangen. „Das Geld reichte drei bis vier Monate.“ Danach ging es weiter bergab. Eine andere Straftat brachte ihn wieder ins Gefängnis. Danach erlebte er, dass die Welt gar nicht so schlecht ist. Eine Firma stellte ihn ein, obwohl er offen über seine Vergangenheit berichtet hatte. „Dass ein Arbeitgeber so sozial eingestellt ist, hat mich total überrascht.“ Und auch seine zwanzig Jahre jüngere Verlobte hielt zu ihm. Da wollte auch er nur noch ehrliche Töne anschlagen. Seine Beichte wurde belohnt. Mit drei Jahren Haft kam der geläuterte Bankräuber davon. Außerdem gewährte ihm das Gericht bis zur Ladung zum Strafantritt Haftverschonung.

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