Berlin : Der Generationswechsel in der CDU soll bis 2004 vollzogen sein

Ulrich Zawatka-Gerlach

Sie treffen sich in einem Kreis, der "U 40" heißt - die jungen aufstrebenden Kräfte in der Berliner CDU. "Eine angenehme, weltstädtische Runde, die Lust auf Politik hat, aber nicht von der Politik abhängig ist", sagt der 33-Jährige Jungunternehmer Frank Steffel, der dazu gehört. Steffel hat gute Chancen, am nächsten Dienstag stellvertretender CDU-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus zu werden. Andere CDU-Abgeordnete, die deutlich jünger sind als 40 Jahre, auch.

Die Fraktionsvorstands-Wahl soll öffentlich dokumentieren, dass die Parteiführung es ernst meint, wenn sie über Generationswechsel und radikale Verjüngung spricht. Auch die Hochschul- und Kulturexpertin Monika Grütters (37), der Verkehrsfachmann Alexander Kaczmarek (36), der Kaufmann Heiner Kausch (33) und andere junge CDU-Abgeordnete haben gute Chancen, zu Stellvertretern des Fraktionschefs Klaus Landowsky aufzurücken oder fachpolitische Sprecher zu werden. Ähnliches wird sich im Frühjahr 2000 abspielen, wenn der CDU-Landesvorstand neu bestückt wird. Und das CDU-Senatsteam, so heißt es, könnte durch Frau Grütters und einen frischen "Quereinsteiger" verjüngt werden.

Seit zwei, drei Jahren drängt der Partei-Nachwuchs mächtig nach vorn. Die Kämpfe mit der Parteiführung um Eberhard Diepgen und Landowsky sind nun ausgefochten. Die Altvorderen haben begriffen, dass die personelle Wachablösung bis 2004 vollzogen sein muss, um den CDU-Landesverband zukunfts- und mehrheitsfähig zu halten. Ein "geborener" neuer Parteichef - als Diepgen-Nachfolger - ist allerdings noch nicht in Sicht. Jedenfalls nicht in der Berliner Partei. Ob die Union schon im Frühjahr einen neuen Landesvorsitzenden bekommt, ist offen. "Das haben wir noch nicht besprochen", heißt es glaubwürdig in den einschlägigen CDU-Kreisen. Aber auch dieses Personalproblem wird diesesmal ohne jenen erbitterten Streit gelöst, der 1998 die alte CDU-Führung fast hinweg gefegt hätte.

Heiner Kausch, ehemaliger Junge-Union-Landeschef, und dessen Nachfolger Thorsten Reschke moderieren "U 40". Eine informelle, flügelübergreifende Gesprächsrunde, die sich vorgenommen hat, die sachpolitische Debatte in der Union voranzubringen und über Parteireformen nachzudenken. Sie füllt damit eine Lücke, die die Junge Union - als Jugendorganisation - so nicht ausfüllen kann. Junge Abgeordnete und Parteifunktionäre, Auch Finanz-Staatssekretär Peter Kurth, Stadträte, BVV-Fraktionsvorsitzende, Junge-Union-Leute gehören zu "U 40". Es ist kein Prominenten-Zirkel, auch kein Machtverteilungsinstrument wie der CDU-Arbeitskreis "Union 2000", in dem sich die Diepgen-Opposition versammelt. "Wir ersetzen nicht das, was man früher den Reform- und den Betonflügel nannte", sagt Kausch. Ein einflussreicher politischer Sponsor für die Nachwuchsleute ist CDU-Landesgeschäftsführer Matthias Wambach, selbst noch keine 40 Jahre alt, der sich die Modernisierung und Verjüngung der Partei auf die Fahne geschrieben hat.

Die CDU-Jungen sind politische Pragmatiker, ohne große Berührungsängste. Nur bei der PDS hört der Spaß auf. Ihre Konzepte orientieren sich an der Tagespolitik, sie sprechen mit Erfolg jüngere Wählerschichten an, weil sie auch ehrwürdige CDU-Tabus - zum Beispiel in der Familien- oder Ausländerpolitik - aufbrechen. Im August 1999 schlugen die "U 40"-Leute vor, in der Wahlperiode 1999 - 2004 die Förderung technologie-orientierter Wirtschaftszweige, Schule, Bildung und Forschung, und die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung in den Vordergrund der Senatspolitik zu rücken. Jetzt wünschen sie sich einen echten Neuanfang für die Große Koalition, neue Formen der Zusammenarbeit und der Konfliktbewältigung.

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